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Auf den Spuren von… Head of Client Services Gerrit Müller

Gerrit Müller hat an der Uni Koblenz-Landau Informationsmanagement studiert und arbeitet heute in einer Social Media-Agentur. Foto: Greta Rettler Gerrit Müller hat an der Uni Koblenz-Landau Informationsmanagement studiert und arbeitet heute in einer Social Media-Agentur. Foto: Greta Rettler

Soziale Netzwerke sind für Unternehmen wichtige Kanäle, um das Profil der eigenen Marke zu schärfen und neue Kunden zu gewinnen. Dafür die perfekte Strategie zu finden, ist Aufgabe des Koblenzer Absolventen Gerrit Müller, der in der Agentur 247GRAD arbeitet. Im Interview erzählt der 29-Jährige, warum es wichtig ist, im Beruf auch mal die eigene Komfortzone zu verlassen.

Sie arbeiten in der Agentur 247GRAD. Interessanter Name. Woher kommt der?

Der Name 247GRAD kommt vom wichtigsten Wind der Welt, dem West-Südwest-Wind. Dieser sorgt für den Flug der Samen, aus denen neues Leben sprießt. Im übertragenen Sinn pflanzen wir als Agentur das Thema Social Media in Unternehmen ein. Wir beraten Konzerne und Mittelständler zum Einstieg oder Ausbau der Social Media-Aktivitäten und helfen bei der Produktion von Content, der Realisierung von Kampagnen, Websites und Apps sowie der Schaltung von Werbung, zu Beispiel auf Facebook oder Twitter.

Ihre Berufsbezeichnung heißt auf Deutsch: Kundenzufriedenheitsmanager. Was macht man denn so in diesem Job?

Ich halte Kontakt mit unseren Kunden und entwickle erste Lösungsansätze, die zu deren Zielen passen. Wenn ein Marketingmitarbeiter anruft und gern sein Unternehmen neu in den sozialen Medien positionieren möchte, sage ich ihm, wie man am besten vorgeht. Außerdem poste ich auf unseren eigenen Twitter-, Instagram– und Facebook-Kanälen und in unserem Blog.

Wie sind Sie an den Job gekommen?

Ich habe Informationsmanagement in Koblenz studiert. Es war ein Pflichtpraktikum im Curriculum, also habe ich nach passenden Firmen in Koblenz Ausschau gehalten und bin auf 247GRAD gestoßen. Ich habe mich für das Praktikum per E-Mail beworben, wurde eingeladen und nach dem Studium sogar übernommen. Mittlerweile sind es fünfeinhalb Jahre und ich bin immer noch hier.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Twitter, Instagram und Facebook checken, Mails beantworten, danach mit den Kunden Kontakt aufnehmen, damit es weitergeht. Nebenbei fällt noch eine Menge Organisatorisches an, zum Beispiel das Intranet pflegen oder ein Kreativmeeting planen. Zudem bin ich ab und an zu Kundenterminen oder Konferenzen unterwegs.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Richtig einzuschätzen, was wichtig ist. Ich bin dafür mitverantwortlich, dass jeder Mitarbeiter ausgelastet ist. Dafür müssen meine Kollegen und ich zügig sinnvolle Entscheidungen treffen, was wir machen und was nicht.

Sie sind zudem einer der Organisatoren des Barcamps in Koblenz. Was ist das?

Im Juni findet das Barcamp Koblenz zum dritten Mal statt. Ein Barcamp ist eine offene Veranstaltung, bei der jeder eine eigene Session halten kann und das Programm spontan zusammengestellt wird. Das übergeordnete Thema ist Digitale Kommunikation und man kann seinen Horizont in lockerer Atmosphäre spürbar erweitern.

Wussten Sie schon zu Studienbeginn, was Sie später machen wollen? Was war Ihr Traumjob?

Nein, wusste ich noch nicht. Ich wusste aber, dass mein Job eine Mischung aus technischem Know-How und Kreativität bieten sollte. Das passt aktuell sehr gut und darum bin ich auch gern bei 247GRAD geblieben.

Warum haben Sie sich für ein Studium an der Universität Koblenz-Landau entschieden?

Koblenz ist eine tolle Stadt, die nicht zu groß und nicht zu klein ist. An der Uni hat man den Vorteil, dass man nah dran ist an seinen Dozenten. In meinem Bachelor-Studiengang konnte man zudem viel wählen und verschiedene Bereiche kennenlernen.

Welche Rolle spielt Ihr Studium für Ihre Tätigkeit?

Ich habe selbstständiges Arbeiten an der Uni gelernt und die Fähigkeit, mich selbst zu organisieren. Dass man im Unternehmen nochmal einiges dazulernen muss, ist klar. Das inhaltliche Wissen aus der Unizeit hilft mir, zum Beispiel habe ich in einem Projektpraktikum mit SharePoint gearbeitet, das brauche ich jetzt wieder. Auch der ein oder andere volks- und betriebswirtschaftliche Hintergrund ist hilfreich, gepaart mit dem Wissen um neuartige Geschäftsmodelle wie Software-as-a-Service oder die Lean-Methode. Was Marketing angeht, hat sich seit der Vorlesung im ersten Semester einiges verändert – gerade als Social Media-Agentur muss man immer auf dem neuesten Stand sein.

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihre Alma Mater und an Ihre Studienstadt Koblenz zurückdenken?

Die erste Campus-Party. Ein paar Leute, die ich dort kennengelernt habe, sind immer noch beste Freunde von mir. Koblenz ist außerdem meine Heimat geworden.

Wie halten Sie noch Kontakt zur Uni?

Wir sitzen mit 247GRAD direkt neben der Uni im TechnologieZentrum Koblenz. Ein paar meiner Kollegen studieren parallel an der Uni und arbeiten halbtags bei uns. Außerdem haben wir ab und zu Projektteams oder Studierende, die eine Abschlussarbeit bei uns schreiben. Die Uni und die Hochschule sind wichtige Partner für uns.

Was haben Sie im Studium gelernt, was nicht in den Lehrbüchern zu finden ist?

Sich weniger zu beschweren, sondern diese Energie lieber zu nutzen, um es besser zu machen. Für mich ist es wichtig, positiv an Dinge heranzugehen – so seicht es klingen mag, das verändert alles. Ich habe gelernt, dass man Veränderung bewirken kann, wenn man sich einbringt.

Der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Einen Vortrag vor vielen Leuten zu halten. Vergangenes Jahr konnte ich auf der Dialogmesse CO-REACH in Nürnberg vor einem großen Publikum zu einem selbst erarbeiteten Thema sprechen. Es ging um Social Media im B2B-Bereich. Das Gefühl ist super, kann ich nur empfehlen, auch wenn es Überwindung kostet.

Ihr schönstes Erlebnis an der Universität Koblenz-Landau?

Der Moment, wenn man den ganzen Tag mit mehreren Leuten in der Bibliothek verbracht hat und am Abend der Java-Code oder die Matheaufgabe endlich funktioniert. Danach ging es zur Belohnung ins StuBi. Oder eine Veranstaltung, bei der die Gründer des sozialen Netzwerks Wer kennt wen an der Uni waren und ihr Start-up vorgestellt haben, das war auch super. Der Vortrag war rückblickend betrachtet richtungsweisend für meine Zukunft.

Generalist oder Spezialist – auf was sollten Studierende Ihres Faches bei der Wahl der Schwerpunkte achten?

Ich finde, dass man als Informationsmanager ohnehin Generalist wird. Das ist aus meiner Sicht auch nichts Schlimmes, es gibt viele Berufsbilder, in denen genau das wichtig ist. Ich habe in verschiedene Richtungen Kurse gewählt, um ein möglichst breites Spektrum abzudecken. Auch wenn man in einer Online-Agentur arbeitet, ist es sinnvoll, etwas über die Öffentliche Verwaltung zu wissen – wenn man zum Beispiel mit öffentlichen Einrichtungen zusammenarbeiten möchte.

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für Ihre Berufsbranche interessieren?

Umgesetzte Projekte sind aussagekräftiger als der Saubermann-Lebenslauf. Ein Studium ist gut, aber genauso wichtig ist, was man nebenbei gemacht hat, also der Nebenjob, eine freie Arbeit oder etwas Gemeinnütziges und Kreatives. Der verantwortungsvolle Umgang mit Social Media-Kanälen ist außerdem essenziell. Klar kann man auch mal Quatsch posten, aber grundsätzlich sollte erkennbar sein, dass man von dem Thema mehr Ahnung hat als der bloße Anwender. Man muss außerdem zwingend in der Lage sein, sich selbst Aufgaben zu suchen – in einer Agentur bekommt man nicht seinen ganzen Arbeitstag vorgeplant.

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