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Auf dem Einrad durch Finnland

Rolf Leonhardt studiert im ersten Semester BioGeoWissenschaften am Campus Koblenz. Doch seine wahre Leidenschaft ist das Einradfahren. Deshalb stellte sich der Lenneper einem Marathon der besonderen Art: In nur 14 Tagen fuhr er mit seinem Einrad-Trainer Jan Logemann und dessen Freundin Eileen Schubert von Helsinki bis zur Stadt Rovaniemi am Polarkreis im Norden Finnlands, wo laut einer Legende der Weihnachtsmann wohnt. Glanzleistung: Die drei sportlichen Freunde legten insgesamt 1 056 Kilometer auf vier Rädern zurück.

Rentiere, moosbewachsene Böden und platte Reifen: Einen Marathon auf dem Einrad hatten Rolf Leonhardt und sein Trainer Jan schon seit längerer Zeit geplant. Dass die abenteuerliche Reise durch Finnland gehen sollte, entschied ein glücklicher Zufall: „Mein finnischer Austauschschüler Eddie Myrskog aus Helsinki wohnte eine Zeit lang bei uns. Durch ihn hatten wir einen Anhaltspunkt und wählten Finnland als Ziel, weil es in den südlichen Ländern im Sommer zu heiß für eine weite Strecke auf dem Einrad ist.“ Gesagt, getan. Ausgestattet mit Rucksäcken, extra großen 36-Zoll-Einrädern und Taschen auf den eigens montierten Gepäckträgern, machte sich das Duo in Begleitung von Eileen Schubert auf den Weg nach Helsinki. „Eileen begleitete uns auf dem Fahrrad. Sie transportierte das Gepäck, das wir auf unseren Einrädern nicht mehr unterbringen konnten. Zum Beispiel unser Zelt.“

Rolf Leonhardt und sein Trainer Jan Logemann unterwegs auf 28-Zoll-Einrädern. Foto: Rolf Leonhardt

Rolf Leonhardt und sein Trainer Jan Logemann unterwegs auf 28-Zoll-Einrädern. Fotos: Rolf Leonhardt

Die drei Freunde legten im Schnitt 100 Kilometer pro Tag zurück und fuhren mit einer Geschwindigkeit von 19 Kilometern pro Stunde über finnische Wald- und Feldwege. „Je weiter wir in den Norden kamen, desto mehr benutzten wir die Bundesstraße, denn dort gab es fast keinen Verkehr mehr“, berichtet Leonhardt. Die Reisenden verbindet nicht nur eine langjährige Freundschaft, sondern auch die Begeisterung für verlassene Landschaften. „Überall trafen wir auf verlassene, blaue Seen inmitten von riesigen Wäldern. Auch der Wald selbst ist dort viel schöner als ich ihn aus Deutschland kenne, weil er fast überall mit Moosen, Blaubeeren und sonstigen Pflanzen bedeckt ist.“ Der finnische Wald bot den Freunden aber mehr als nur schöne Aussichten: In den Pausen waren die reifen Blaubeeren am Waldboden ein willkommener Snack für die Sportler. „Außerdem wimmelte es nur so von Rentieren. Ich hatte nie zuvor eines gesehen und fand es sehr beeindruckend. Die Tiere waren nicht einmal besonders scheu“, freut sich der Student.

Die Einradfahrer campierten in Begleitung von Rentieren. Foto: Rolf Leonhardt

Die Einradfahrer campierten in Begleitung von Rentieren.

Abenteuer auf einem Rad

Doch die finnische Einöde hielt auch ihre Tücken bereit. Am vierten Tag der Reise bekam der Bachelorand einen Platten. Das Problem: Er hatte zwar Flickzeug, aber keine Pumpe im Gepäck. „Tankstellen hatten wir da schon lange nicht mehr gesehen. Aber zum Glück trafen wir nur wenige Kilometer weiter auf einen Bauernhof, deren Bewohner uns einen Kompressor zur Verfügung stellten.“ Mit gastfreundlicher Hilfe konnte die Reise fortgesetzt werden. Doch im hohen Norden spielte das Wetter nicht immer mit und erschwerte den Sportlern die Fahrbedingungen erheblich. Nach drei Vierteln der Tour sei die Laune am schlechtesten gewesen, „weil alle diverse Wehwechen hatten und das Wetter so schlecht war, dass wir durchgehend mit nassen Klamotten fahren mussten.“ Trotzdem würde Leonhardt die Tour immer wieder machen. Nur eine Sache würde er ändern: „Beim nächsten Mal werde ich eine Isomatte mitnehmen. Diesmal musste ich darauf verzichten, da wir kein Platz mehr hatten.“ Gerade im Norden Finnlands sei es nachts sehr kalt und so musste Leonhardt auf seiner ausgebreiteten Kleidung frieren. Nach zwei Wochen auf dem Einrad belohnte sich die Gruppe mit zwei Tagen Erholung in Rovaniemi und anschließendem Sightseeing in Helsinki. Leonhardts Fazit: „Die nächste Tour mache ich lieber im Süden, wo es wärmer ist. Dann allerdings zu Ostern oder im Herbst.“

Die Gruppe passierte auf ihrer Reise traumhafte Landschaften in Finnland. Foto: Rolf Leonhardt

Die Gruppe passierte auf ihrer Reise traumhafte Landschaften in Finnland.

Leonhardt, der Deutsche Radlauf-Meister

Dass Leonhardt während der gesamten Fahrt kaum Muskelkater hatte, ist kein Zufall: In diesem Jahr wurde der 19-Jährige Deutscher Meister im Radlauf-Rennen und stellte sogar einen neuen Rekord auf. Im vergangenen Jahr wurde der sportliche Student Deutscher Meister im Marathon über 42 Kilometer in der Standardklasse, also mit einem 28-Zoll-Einrad. Außerdem feierte er einen Riesenerfolg bei der WM 2012 in Italien: Dort erklomm er das Siegertreppchen und wurde Vizeweltmeister im 10-Kilometer-Rennen. „Aber der Radlauf ist meine Paradedisziplin.“ Was die Wenigsten wissen: Mit einem Einrad kann man mehr tun, als nur fahren. „Beim Radlauf wird das Rad nicht mit den Pedalen angetrieben, sondern mit den Füßen auf dem Reifen gelaufen. Weil es so viele Disziplinen gibt, ist der Einradsport sehr abwechslungsreich.“ Für die unterschiedlichen Disziplinen wie Einradhockey, Einbein oder das Fahren von Hindernisparcours besitzt der Profi sieben unterschiedliche Räder.

Die Leidenschaft für den Sport begann schon in der Kindheit, als Leonhardt zum achten Geburtstag sein erstes Einrad bekam. „Meine Eltern dachten wohl, dass ich auch im Einrad talentiert sein könnte, weil ich schon mit zweieinhalb Jahren ohne Stützräder Fahrrad fahren konnte.“ Und damit behielten sie Recht. Seitdem Leonhardt neun ist, spielt er Einradhockey, momentan bei den „OnewheeleRS“, die in der deutschen Einradhockeyliga den fünften Platz belegen. Das Ziel des Spitzensportlers ist es, bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr in Montreal sehr gute Leistungen zu zeigen. Sein Studium am Campus Koblenz hält ihn aber nicht vom Training ab. „Da meine Wohnung direkt am Rhein liegt, kann ich sehr gut für mich allein Langstrecken trainieren“. Nur auf Einradhockey muss der Student in Zukunft verzichten. Seinem Heimatverein will er treu bleiben und versuchen, neben dem Studium alle zwei Wochen am Training in Remscheid teilzunehmen.

Katharina Greb

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