Was studieren?
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Angewandte Naturwissenschaften: Die Welt aus verschiedenen Perspektiven

Weiß die Arbeit im Labor zu schätzen: Andrey Dashkevich ist fasziniert von der experimentellen Chemie. Foto: René Lang

Weiß die Arbeit im Labor zu schätzen: Andrey Dashkevich ist fasziniert von der experimentellen Chemie. Foto: René Lang

Im Umgang mit dem Reagenzglas macht Andrey Dashkevich keiner etwas vor. Der 23-Jährige studiert seit fünf Semestern Angewandte Naturwissenschaften am Campus Koblenz. Zwischen Physik und Chemie schätzt er vor allem die praktischen Elemente seines Studiengangs.

Die Serie: Abiturienten stehen viele Möglichkeiten offen. Studieren oder eine Ausbildung beginnen, Uni oder FH? Und welches Fach ist für mich das Richtige? In unserer Serie “Was studieren?” stellen Studierende der Universität Koblenz-Landau ihren Studiengang vor. 

Woher kommt Ihre Begeisterung für das Fach?

Die Chemie fasziniert mich seit langem. Sie ist allgegenwärtig und doch unsichtbar. Sie versteckt sich in alltäglichen Gebrauchsgegenständen, wie der Kleidung oder der Plastikflasche – inklusive Inhalt. Bereits in der Schule habe ich mein Interesse an diesem Fach entdeckt. Mein damaliger Lehrer war ebenso von Chemie begeistert. Ich denke, dass seine Motivation auf mich abgefärbt hat. Den Studiengang habe ich am Tag der Chemie der Universität kennengelernt. Die Kombination zwischen Physik und Chemie halte ich ausschlaggebend für das Studium. Hier reicht das eine Fach dem anderen die Hand.

Warum haben Sie sich für den Studienort Koblenz entschieden?

Das hat ganz pragmatische Gründe. Ich bin im Alter von 15 Jahren gemeinsam mit meiner Familie von Russland nach Deutschland emigriert. Am liebsten wollte ich in der Region Koblenz bleiben und Chemie studieren. Der Studiengang Angewandte Naturwissenschaften bot sich also an.

Was machen Sie genau in Ihrem Studium?

Im Grunde baut mein Studium darauf auf, dass ich Versuche durchführe, Protokolle anfertige und Ergebnisse aufstelle. Das können etwa die Ausbeute und Reinheit eines Versuchs sein. Natürlich besuche ich auch die angebotenen Vorlesungen. Die Hauptmodule werden von Beginn an mit praktischen Einheiten unterstützt, wobei die Theorie im Vordergrund steht. Hier haben wir vorwiegend Experimente durchgeführt und unsere Ergebnisse protokolliert. Mittlerweile finden solche praktischen Übungen nur noch zum Ende des Semesters als Blockveranstaltungen statt. Da die Themen immer komplexer werden, weicht die Praxis der Theorie.

Was gefällt Ihnen am besten?

Neben der Chemie? Vor allem die effiziente Arbeitsweise im Labor. Ich fühle mich wohl, wenn alles in geregelten Formen abläuft. Außerdem ist es zuträglich, dass ich einen kleinen Studiengang besuche. Der persönliche Kontakt mit den Dozierenden ist hilfreich und gewinnbringend. Außerdem hat man im Hörsaal nicht das Gefühl, in einer anonymen Masse an Studierenden unterzugehen.

Welche Fähigkeiten sind in Ihrem Studium besonders gefragt?

Ich denke, Selbstständigkeit und Disziplin sind zentrale Eigenschaften, die man mitbringen sollte. Man muss fleißig sein und am Stoff dranbleiben. Aufholen wird schwierig – diese Erfahrung habe ich bereits gemacht. Es wird einfacher, wenn man lernt, in Gruppen zusammenzuarbeiten. Mit gegenseitiger Unterstützung fällt das Studium definitiv leichter. Selbstverständlich gehört stetiges Mitdenken ebenso dazu. Man arbeitet im Labor teilweise mit gefährlichen Stoffen und trägt eine große Verantwortung gegenüber den anderen Studierenden sowie dem Lehrpersonal.

Was möchten Sie nach der Uni machen?

Nachdem ich meinen Master-Abschluss in der Tasche habe, möchte ich gerne in die industrielle Chemie gehen. Meine zwei Favoriten wären Zschimmer & Schwarz in Lahnstein oder BASF in Ludwigshafen. Das bleibt aber noch abzuwarten.

Wie bereiten Sie die Studieninhalte auf Ihr zukünftiges Berufsleben vor?

Abgesehen vom wissenschaftlichen Arbeiten lerne ich, komplexe Gleichungen aufstellen und lösen zu können, um eventuelle Kosten bei der Herstellung eines Produkts zu minimieren. Vielleicht könnte man das als logisches chemisches Denken bezeichnen. Ich erfahre außerdem, wie ich verschiedene Stoffe voneinander unterscheiden kann. Sauberes Arbeiten zählt ebenso wie das Einschätzen von potenziellen Gefahren dazu.

Konnten Sie schon Praxisluft schnuppern?

Nein, bisher noch nicht. Das werde ich, sobald ich mit meiner Bachelorarbeit beginne. Es ist vorgesehen, dass man dafür einige Wochen in einem Betrieb arbeitet.

Welchen Tipp geben Sie denjenigen, die noch auf der Suche nach dem passenden Studienfach sind?

Ich empfehle jedem, dass man sich vor dem Beginn eines Studium über seine Stärken bewusst wird. Der Studiengang der Angewandten Naturwissenschaften ist kein Spaziergang. Aber wenn man großes Interesse an Chemie und Physik mitbringt und gerne praktisch arbeitet, dann ist man hier gut aufgehoben. Die Kombination aus diesen Fächern ist nicht nur sinnvoll, sondern auch zukunftsorientiert. Man lernt die Welt aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen.

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