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Als Gastwissenschaftlerin in Sydney

Während ihres Aufenthaltes in Australien lernte Constanze Schreiner nicht nur die Ostküste kennen, sondern bereiste auch die weniger touristische Westküste nördlich von Perth - hier am Nature's Window im Kalbarri Nationalpark. Fotos: Privat. Während ihres Aufenthaltes in Australien lernte Constanze Schreiner nicht nur die Ostküste kennen, sondern bereiste auch die weniger touristische Westküste nördlich von Perth - hier am Nature's Window im Kalbarri Nationalpark. Fotos: Privat.

Constanze Schreiner ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik am Campus Landau. Im Herbst 2015 verbrachte sie drei Monate in Australien. Als Visiting Scholar in Sydney forschte sie nicht nur zum Einsatz von Geschichten im Gesundheitsbereich, sondern lernte auch, sich ordentlich in Schlangen anzustellen und bei entgegenkommenden Autofahrern die Hand zum Gruß zu heben.

Ein Gastbeitrag von Constanze Schreiner

Zehn Minuten zu spät für eine Verabredung? „No worries, mate!“ Ein Sonderwunsch im Restaurant? „No worries, mate!“ Australier sind nett – und zwar so richtig. Außerdem sind sie entspannt, höflich und entschuldigen sich auch für Dinge, für die sie nun wirklich nichts können, zum Beispiel für das Wetter:„I’m so sorry for the weather today!“. Nur, wenn es ums Anstehen geht, hört der Spaß auf. Da muss es mit Recht und Ordnung zugehen. Da machen sich – genauso wie bei Ritualen wie dem „morning tea“ – die englischen Wurzeln der Australier bemerkbar. Die ersten weißen Bewohner des Kontinents waren britische Gefangene, die dort ihre Strafe absitzen sollten. Dieses historische Detail hören die Australier allerdings nicht gern. Wobei ich während meines dreimonatigen Aufenthalts relativ wenige „echte Australier“ getroffen habe. Kein Wunder, denn laut dem Australian Bureau of Statistics sind 28 Prozent der Bewohner Einwanderer.

In Australien nehmen Fußgänger und Fahrradfahrer Rücksicht aufeinander.

Australier sind nett und nehmen Rücksicht aufeinander – wie hier Fahrradfahrer und Fußgänger.

Geschichten als Forschungsgegenstand

Zwei meiner drei Monate auf dem roten Kontinent habe ich als Research Fellow am Center for Social Research in Health bei Professor John de Wit verbracht. Mein Aufenthalt fand im Rahmen des durch die EU geförderten Projekts Health Narratives statt. Insgesamt sind an diesem Projekt vier europäische Unis – neben der Universität Koblenz-Landau auch die Universitäten Augsburg, Nymegen und Antwerpen – und zwei australische Universitäten, die University of New South Wales in Sydney und die Edith Cowan University Perth, beteiligt. Ziel des Projekts ist, den Austausch zwischen australischen und europäischen Wissenschaftlern zu fördern, die Expertise und Forschungsinteresse an dem Einsatz von Geschichten im Gesundheitsbereich haben.

Die berühmte Oper von Sydney bei Nacht.

Die berühmte Oper von Sydney bei Nacht.

Geschichten im Gesundheitsbereich? Was auf den ersten Blick vielleicht komisch klingt,  ist es keineswegs. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Geschichten ein wirkungsvoller Weg sind, um Informationen zu vermitteln und so Einstellung und Verhalten zu verändern. Studien im Gesundheitsbereich konnten beispielsweise zeigen, dass Geschichten Leuten helfen können, das Rauchen aufzugeben oder sie dazu motiviert, ein gesünderes Sexualverhalten an den Tag zu legen.

In meiner Zeit an der University of New South Wales (UNSW) stand der Austausch mit den dortigen Mitarbeitern im Vordergrund und es war sehr spannend, Einblicke in die stark angewandte Forschung des Instituts zu gewinnen. Da es sich um eine sehr heterogene Arbeitsgruppe mit Psychologen und unter anderem Soziologen handelte, gewann ich auch interessante Einblicke in neue Methoden. Außerdem bekam ich die Möglichkeit, einen Vortrag über mein Dissertationsprojekt zu halten. Besonders spannend war es, Fragen und Rückmeldungen von Nicht-Psychologen zu erhalten, da ich meine Arbeit in der Regel zuvor einem recht homogenen Fachpublikum präsentiert habe.

Food-Tempel statt Kantinen-Look

Der australische Unialltag unterscheidet sich deutlich von dem in Landau. Angefangen bei der kosmopolitischen Gruppe der Studierenden und den vielen fremden Sprachen, die über den Campus schwirren, bis hin zur Mensa, die überhaupt nichts mit den denen in Deutschland gemeinsam hat. In Australien gibt es mehrere sogenannte Food Courts, die Speisen aus allen Ecken der Welt anbieten. Auch der Uni-Sport ist anders organisiert als an deutschen Universitäten: Auf dem Campus gibt es ein riesiges Fitnessstudio mit zwei Pools, das von einem extern Betreiber geführt wird und Universitätsangehörigen den Eintritt zu rabattierten Preisen anbietet.

Der wohl berühmteste Einwohner des Landes: das Känguruh.

Der wohl berühmteste Einwohner des Landes: das Känguru.

Mein Büro teilte ich mit einer Doktorandin und zwei Praktikanten. Von letzteren erfuhr ich, dass in den sozialwissenschaftlichen Fächern kaum Klausuren geschrieben werden. Dafür stöhnen die Studierenden unter einer Vielzahl von Assignments, bei denen das Ziel zu sein scheint, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Text zu produzieren, da die Wortlimits recht hoch angesetzt wurden. Kurz vorm Ende meines Forschungsaufenthalts wurde ich Zeuge der Graduation-Feierlichkeiten, die zwei Wochen andauerten. Jeden Tag feierte eine andere Fakultät ihre Masterstudierenden, die den Campus, gekleidet in Roben und mit Doktorhüten, ausfüllten und oft ihre komplette Familie im Gepäck hatten. Es wurden Fotos geschossen, Hüte geworfen und Graduation-Bears (ein Teddy-Bär mit Robe und Doktorhut) verkauft, die vor allem bei den asiatischen Absolventen auf große Begeisterung stießen.

Vorsicht, Kangaroo crossing! Straßen umrandet vom roten australischen Sand.

Vorsicht, Kangaroo crossing! Straßen umrandet vom roten australischen Sand.

Road Trip entlang der Küste

Nach meiner Zeit an der UNSW hatte ich noch die Gelegenheit, das Land zu erkunden. Neben einem kurzen Abstecher an die Ostküste verbrachte ich den Großteil der Zeit an der Westküste. Glücklicherweise waren im November wenig Touristen unterwegs, so dass man die wunderschönen Orte häufig für sich alleine hatte. Ich reiste mit einem kleinen Campingbus, übrigens eine Art des Reisens, die ich sehr empfehlen kann. Der gute Bus hatte schon einige Kilometer auf dem Buckel und seine Komfortgeschwindigkeit lag bei etwa 80 Stundenkilometern. Da das Limit meist auf 100 beschränkt ist, war das Tempo kein wirkliches Problem. Von einem Ort zum anderen fuhr ich oft Stunde um Stunde, ohne einem anderen Auto zu begegnen. Wenn mir aber doch mal ein anderes Fahrzeug begegnete, hob ich, genauso wie die Australier, die Hand zum Gruß.

Ein Strand, der nur aus Muscheln besteht: der Shell Beach in Westaustralien.

Ein Strand, der nur aus Muscheln besteht: der Shell Beach in Westaustralien.

Neben der wunderbaren Natur, den trockenen roten Wüsten, den traumhaften Stränden und den vielen Nationalparks hat mich die Tierwelt am meisten beeindruckt: Wilde Kängurus, Wallabies, Dingos, Emus, Wombats, Quokkas auf Rottnest Island, eine Vielzahl von bunten Vögeln und Pinguine. Australien ist ein beeindruckendes Land, das so viel zu bieten hat und ich bin mir sicher, dass dies nicht meine letzte Reise an diesen Ort war.

Ein Quokka hautnah.

Ein Quokka hautnah.

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