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Alltagstrubel im Klassenzimmer: Praktikum an einer Förderschule

Melina Drews studiert im Master Förderschullehramt. Für den Uniblog berichtet sie von ihrem Praktikum an der Heinrich-Böll-Schule in Frechen. Foto: Philipp Sittinger

Melina Drews studiert im Master Förderschullehramt. Für den Uniblog berichtet sie von ihrem Praktikum an der Heinrich-Böll-Schule in Frechen. Foto: Philipp Sittinger

Verhaltensauffällige Kinder sind im regulären Schulunterricht oft nicht gut aufgehoben. An Förderschulen finden all die Schüler einen Platz, die im Alltag einer normalen Grundschule nicht zurechtkommen. Wie der Unterricht an einer Förderschule aussieht, hat Lehramtsstudentin Melina Drews in einem Praktikum erlebt.

Wer sind Sie?

Mein Name ist Melina Drews und ich bin 23 Jahre alt. Ich studiere im ersten Mastersemester Förderschullehramt mit den Schwerpunkten Sozialemotionale und Ganzheitliche Entwicklung. 

Wo haben Sie ihr Praktikum absolviert?

Die Serie

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Ich habe ein freiwilliges Praktikum an der Heinrich-Böll-Schule in Frechen gemacht. Es handelt sich dabei um eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Sozialemotionale Entwicklung. Die Kinder, die hier zur Schule gehen, brauchen besonders viel Aufmerksamkeit und individuelle Förderung in einem Maß, das die Lehrer an normalen Schulen nicht leisten können. Wie an den meisten Förderschulen sind die Klassen an der Heinrich-Böll-Schule sehr klein, sodass alle Kinder genügend Beachtung und Unterstützung bekommen.

Was waren ihre Aufgaben?

Während der drei Wochen, die ich hospitierte, habe ich die Schüler einer dritten Klasse in allen Unterrichtsfächern begleitet und die Lehrer in der Einzelbetreuung der Kinder unterstützt. Das war sehr sinnvoll, da ich so die Kinder gut kennengelernt und mitbekommen habe, wie sie sich in verschiedenen Fächern und Situationen verhalten. Vor allem am Anfang habe ich viel zugeschaut und die Lehrkräfte dabei beobachtet, wie sie mit den starken Persönlichkeiten umgegangen sind. Wirklich beeindruckend war die lockere, aber zugleich bestimmende Art, mit der die Lehrer die Klassen im Griff haben. Die Kinder haben eine Person vor sich, die ihnen sehr viel Offenheit und Verständnis entgegenbringt, aber gleichzeitig durchgreifen kann, wenn es nötig ist.

Was hat Ihnen am besten gefallen?

Am schönsten war der Musikunterricht mit den Kindern. Während meines Praktikums war das Thema Vivaldis  Vier Jahreszeiten. Da ich mich sehr für Musik interessiere und das Fach später gerne selbst unterrichten würde, war es sehr interessant mitzubekommen, wie klassische Musik an der Förderschule vermittelt wird. Nach einem theoretischen Teil, in dem die Kinder ihr Wissen zeigen konnten, wurden die Stühle beiseite geräumt, sodass sie auf der frei gewordenen Fläche ausgelassen zu den Vier Jahreszeiten tanzen konnten. Das hat ihnen sehr viel Spaß gemacht. Ich kann mir gut vorstellen, meinen Musikunterricht als Lehrerin später ähnlich zu gestalten.

Welche Konzepte haben Sie überzeugt?

Für sinnvoll halte ich die Tagesziele, die sich die Schüler im Einzelgespräch mit den Lehrern selbst überlegen müssen. Jedes Kind hat drei Tagesziele, die es morgens vor dem Unterricht laut aufsagen und nach der letzten Schulstunde reflektieren muss. Die Ziele sind immer daran orientiert, was die Schüler gut können und woran sie noch arbeiten müssen. Sie werden erst gewechselt, wenn sie erreicht wurden. Darüber freuen sich die Kinder natürlich immer sehr. Überzeugt hat mich außerdem der Einsatz von Walkie-Talkies in brenzligen Situationen. Wenn ein Kind im Unterricht oder auf dem Schulhof so aggressiv wird, dass ein Lehrer alleine nicht dagegen ankommt, kann er über sein Walkie-Talkie nach Unterstützung rufen. Dann kommen innerhalb kürzester Zeit weitere Lehrer zu Hilfe.

Was haben Sie aus diesem Praktikum mitgenommen?

Meine Zeit an der Förderschule hat mir außerordentlich gut gefallen und war ausschlaggebend für meine Entscheidung, im Masterstudium den Förderschwerpunkt Sozialemotionale Entwicklung zu wählen. Ich kann daher nur wirklich jedem empfehlen, zusätzlich zum Pflichtpraktikum auch viele freiwillige Praktika zu machen. Sie helfen einem dabei, sich zu orientieren und für sich selber herauszufinden, was man sich von seinem späteren Berufsleben wünscht.

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