Studis & ihre Nebenjobs
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Zwischen Fischtreppe und Mikroplastik

Der Austausch mit den Besuchern und die interaktiven Workshops machen Gianna Villa besonders Freude bei ihrem Nebenjob als Besucherbetreuerin im Mosellum. Fotos: Bettina Böhmer

Der Austausch mit den Besuchern und die interaktiven Workshops machen Gianna Villa besonders Freude bei ihrem Nebenjob als Besucherbetreuerin im Mosellum. Fotos: Bettina Böhmer

Mit Nebenjobs in der Unterwasserwelt kennt sich Gianna Villa aus. Die 22-jährige Studentin der Kulturwissenschaft am Campus Koblenz arbeitet seit Oktober 2021 als Besucherbetreuerin im Mosellum, einem Museum, das sich mit Wanderfischarten befasst. Vorher war sie in einem Sea Life Centre beschäftigt, wo sie ihre jetzige Chefin kennenlernte. Ihr Vorwissen über die Tiere im Wasser und Erfahrungen mit Führungen sind ein dickes Plus bei ihrem jetzigen Job im Mosellum.

Hier werden die Mosel und ihre Fischwelt lebendig: Schifffahrt, Stromerzeugung und Fischwanderungen im Moseltal sind als Spannungsfeld Mittelpunkt des Mosellums. Die Erlebniswelt des interaktiven Museums ist an eine Fischtreppe, auch Fischpass genannt, angeschlossen. Diese Fischtreppe ist die älteste, aber gleichzeitig modernste ihrer Art an der Mosel. Sie entstand in den 1960ern, wurde 2011 renoviert und ist ein wichtiger Faktor für den Erhalt des Lebensraums Fluss.

Eine Fischtreppe ist eine Einrichtung an Fließgewässern. Sie hilft Fischen auf ihrer Wanderung flussaufwärts, Barrieren in Form von Wasserkraft- oder Stauanlagen zu überwinden.

Eine Fischtreppe ist eine Einrichtung an Fließgewässern. Sie hilft Fischen auf ihrer Wanderung flussaufwärts, Barrieren in Form von Wasserkraft- oder Stauanlagen zu überwinden.

Kostenloses Wissen, nicht nur für Schulklassen

Über die heimische Unterwasserwelt aufzuklären, ist ein Teil von Gianna Villas Nebenjob: Schulklassen vermittelt sie im Mosellum nicht nur, weshalb Staustufe und Fischpass bedeutend für den Erhalt des Fischbestandes in Flüssen sind, sie klärt außerdem über das gesamte Ökosystem Wasser auf und macht deutlich, wovon es bedroht wird. So erfahren die Schüler:innen in einem Workshop, wo sich Mikroplastik versteckt und wie es die Natur belastet. Die Jugendlichen lernen wie man Kosmetika selbst ohne die Verwendung von Kunststoff herstellen kann und mit welchen Apps sich bewusster einkaufen lässt. Dieser Teil der Arbeit gefällt Gianna am meisten, weil die Veranstaltungen interaktiv sind und mit vielen Anschauungsmaterialien gearbeitet wird.

Doch nicht nur Schulklassen kommen ins Mosellum. Durch seine Lage am Moselufer schauen auch viele Spaziergänger spontan in die Ausstellung oder interessierte Erwachsenengruppen buchen eine Führung. Das Museum ist barrierefrei gestaltet. „Durch unseren kostenlosen Eintritt sind wir so allen Leuten zugänglich.“

Kein Anglerlatein, sondern wirklich große Fische

Die Fakten, die sie in der Ausstellung vermittelt, spielen für Gianna auch in ihrem Alltag eine Rolle: So nutzt sie die App aus dem Workshop privat beim Einkauf. Kritisches Hinterfragen nimmt sie mit in ihr Studium, wenn es beispielsweise darum geht, wie Bauwerke am Wasser oder Wasserkraftwerke die Fauna eines Flusses beeinflussen.

Wenn die Fangkammern geleert werden, wird es im Mosellum besonders spannend. Die Leerung findet in regelmäßigen Abständen statt, damit kontrolliert werden kann, welche Fische in der Mosel unterwegs sind. Ein beeindruckender Fang wurde hier am Tag der offenen Tür gemacht, erinnert sich Gianna: „Da war ein riesiger Wels drin. Er war 1,46 Meter lang!“ Im Ausstellungsbereich „Unter Wasser“ befinden sich die Panoramafenster des Museums auf einer Ebene mit der Stauanlage. Dort sind vor allem im Frühjahr Fische zu sehen, besonders große Brassen halten sich lange vor den Fenstern auf.

Allein unter Naturwissenschaftsstudierenden

An diesem Tisch werden die Standorte der 11 Staustufen an der Mosel abgebildet. „Wenn man sich überlegt, dass die Fische die alle überwinden müssen, ist es kein Wunder, dass die Bestandszahlen abnehmen“, erklärt Gianna dazu.

An diesem Tisch werden die Standorte der 11 Staustufen an der Mosel abgebildet. „Wenn man sich überlegt, dass die Fische die alle überwinden müssen, ist es kein Wunder, dass die Bestandszahlen abnehmen“, erklärt Gianna dazu.

„Bei uns arbeiten fast nur Studierende der BioGeoWissenschaften oder Lehramtsstudierende für Biologie“, sagt Gianna. Auf den ersten Blick hat das Vermitteln von naturwissenschaftlichen Zusammenhängen nicht viel mit ihrem Studium der Kulturwissenschaften gemeinsam. Doch bei genauerer Betrachtung findet Gianna Überschneidungen mit ihrem Studiengang bei Themen wie Tourismus, den kulturellen Facetten einer Stadt und dem Museum als kulturelle Einrichtung.

Durch ihr Vorwissen in diesen Bereichen war Gianna bestens auf den Job als Besucherbetreuerin im Mosellum vorbereitet. Eigeninitiative zur Weiterbildung und das Interesse, mit Menschen in Kontakt zu sein, sind weitere Voraussetzungen für die Arbeit.

Ihren Nebenjob würde Gianna sehr empfehlen: „Das Team ist sehr herzlich und fürsorglich, die Arbeit körperlich nicht anstrengend und die Arbeitszeiten entsprechen den Öffnungszeiten des Museums.“ So lässt sich der Nebenjob optimal mit dem Studium vereinen, da man nach einer Schicht auch noch die Kraft und Konzentration hat, Aufgaben für die Uni zu erledigen. „Und es gibt hier Tageslicht“, freut sie sich. „Das ist für ein Unterwassermuseum nicht selbstverständlich.“

Bettina Böhmer

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