Studis & ihre Nebenjobs
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Zwischen CT und MRT: Nebenjob in der Radiologie

Timo Schweiker studiert Psychologie und arbeitet nebenbei als medizinisch-technischer Assistent in der Radiologie. Foto: Philipp Sittinger

Timo Schweiker studiert Psychologie und arbeitet nebenbei als medizinisch-technischer Assistent in der Radiologie. Foto: Philipp Sittinger

Mit der Erkennung von Schlaganfällen und Hirnblutungen kennt sich Timo Schweikert besonders gut aus. Der 27-Jährige arbeitet neben seinem Psychologiestudium am Campus Landau in seinem erlernten Beruf als medizinisch-technischer Assistent der Radiologie (MTAR).

Ihr Nebenjob ist außergewöhnlich und auch nicht für jeden zugänglich. Was genau machen Sie in der Radiologie?

Die Serie

Das WG-Zimmer, das eigene Auto, der Kinobesuch mit Freunden: Das alles will bezahlt werden. Viele Studierende verdienen sich neben der Unterstützung der Eltern und Bafög etwas dazu oder finanzieren ihr Studium komplett selbst. Uniblog stellt in einer Serie Studierende und ihre Nebenjobs vor. Von alltäglich bis kurios ist fast alles dabei. Bisher erschienene Artikel finden sie hier.

Ich arbeite als MTAR in der Neuroradiologie in der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), hauptsächlich in der Schnittbildtechnik. Dort werden mithilfe von CT und MRT Bilder von Kopf und Wirbelsäule der Notfallpatienten gemacht. Außerdem kümmere ich mich um Verlaufskontrollen, also um Aufnahmen von Patienten nach einem operativen Eingriff. Diese müssen in einem bestimmten Zeitfenster nach der Operation durchgeführt werden. In der Neuroradiologie kümmern wir uns um Kopf, Wirbelsäule und alles, was mit Nerven zu tun hat – Hirnblutungen und Schlaganfälle sind wohl die bekanntesten Beispiele.

Wie oft arbeiten Sie in der Woche?

Ich mache hauptsächlich Bereitschaftsdienste in der Notfalldiagnostik, bei denen ich 20 oder 24 Stunden am Stück in der UMM bin. Natürlich arbeite ich dann nicht die volle Zeit. Solange keine Arbeit da ist, kann ich mich anderweitig beschäftigen. Zum Schlafen gibt es nachts einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter. Gesetzliche Regelungen geben vor, wie lange man tatsächlich während seines Bereitschaftsdienstes arbeiten darf. Notfälle haben natürlich immer Vorrang.Wie oft ich in der Woche arbeiten gehe, kann ich selbst entscheiden. Meistens arbeite ich am Wochenende.

Ist man nach einer 24-Stunden-Schicht nicht total kaputt?

Das hängt ganz davon ab, wie der Dienst war. Es gibt Nächte, in denen man überhaupt nicht zum Schlafen kommt. Dann ist man am nächsten Tag natürlich kaputt. Das ist aber eher die Ausnahme. Meistens steht man alle paar Stunden auf, wenn ein Notfall kommt und legt sich danach wieder hin, sodass man durchaus ein wenig Schlaf kriegt. Während der vergangenen Semester habe ich häufig sonntagnachts gearbeitet und bin am nächsten Morgen zu Uni gegangen. Das hat gut funktioniert.

Was bereitet Ihnen am meisten Freude bei dieser Arbeit?

Ich finde es spannend, an den Aufnahmegeräten zu arbeiten und die Bilder zu sehen, die gemacht wurden. Besonders interessant sind alle Untersuchungen außerhalb des Standards, wie zum Beispiel Spektroskopie oder funktionale MRT-Aufnahmen. Außerdem gefällt mir die Arbeit mit den Patienten sehr gut.

Wer entscheidet denn, welche Aufnahmen gemacht werden?

Es gibt Indikationen, an die bestimmte Bilder geknüpft sind. Offiziell entscheidet der Radiologe, welche Untersuchung notwendig ist. Diese Entscheidung fällt auch vor dem Hintergrund des Strahlenschutzes, da wir natürlich keine Bilder machen wollen, die den Patienten unnötiger Strahlung aussetzen.

Wie kamen Sie an Ihren Nebenjob?

Mein ursprünglicher Plan war es, Medizin mit der Fachrichtung Psychiatrie zu studieren. Da der Studiengang zulassungsbeschränkt ist, entschloss ich mich zunächst für eine Ausbildung in einem ähnlichen Bereich. Daher machte ich nach der Schule eine Berufsausbildung zum medizinisch-technischen Assistenten der Radiologie am Uniklinikum Mannheim. Während der Ausbildung stellte ich jedoch fest, dass die Fragen, die mich interessieren, eigentlich nicht medizinischer, sondern psychologischer Natur sind. Darum entschied ich mich dann doch für einen Bachelor in Psychologie.

Was für Fragen sind das?

Als MTAR beschäftige ich mich viel mit Köpfen und Krankheitsbildern. Dabei interessieren mich Fragen wie: Was ist eigentlich der Kopf? Was ist das Bewusstsein?

Was verdienen Sie in diesem Nebenjob?

Mit Beginn meines Studiums wurde mein Arbeitsvertrag auf Werkstudenten-Basis umgestellt. Ich kann selbst entscheiden, wie viel ich im Monat arbeite. Daher verdiene ich natürlich auch unterschiedlich.

Haben Ihnen die Inhalte Ihrer Ausbildung im Studium geholfen?

Die Inhalte des Psychologiestudiums decken sich teilweise mit denen meiner Ausbildung. So musste ich zum Beispiel für Biopsychologie deutlich weniger lernen als meine Kommilitonen.

Kann man diesen Job weiterempfehlen? Braucht man bestimmte Voraussetzungen dafür?

Als Voraussetzung für den Job gilt die Berufsausbildung zum MTAR. Das liegt vor allem daran, dass man nur dann eigenständig mit radioaktiver Strahlung arbeiten darf, wenn man einen Strahlenschutzschein hat.

Was bringt Ihnen dieser Job für Ihr späteres Berufsleben?

Ich kann mir vorstellen, meinen Master im Bereich Neurowissenschaften zu machen, um die Forschung dort besser kennenzulernen.

Wie studienkompatibel ist Ihre Arbeit? Bitte vergeben Sie Sterne von 1 bis 5 (5 Sterne = super kompatibel).

Ich vergebe 4,5 Sterne. Ich bin zwar 24 Stunden am Stück weg, kann mir aber die Arbeitszeit selbst aussuchen. Mittlerweile ist es möglich, nur zwölf Stunden zu arbeiten. Man ist also sehr flexibel.

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