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Zeitsprung: Im Landauer Fort um 1700

Im Wald nahe dem Uni-Campus versteckt liegen die alten Festungsmauern des Landauer Forts. Bei dessen Besichtigung kann man viel über die Geschichte der Stadt lernen. Fotos: Enya Höffner Im Wald nahe dem Uni-Campus versteckt liegen die alten Festungsmauern des Landauer Forts. Bei dessen Besichtigung kann man viel über die Geschichte der Stadt lernen. Fotos: Enya Höffner

Wo heute Studierende in Hörsälen und Seminarräumen sitzen, standen einst die Zelte französischer Soldaten: Der Campus der Universität in Landau wurde auf dem Gelände des ehemaligen Forts errichtet – eine Militäranlage aus der Zeit um 1700, als Landau der östliche Vorposten Frankreichs war und zur Festung ausgebaut wurde.  Wer eine Reise in die Geschichte der Stadt machen möchte, sollte sich den Führungen der Evangelischen Studierendengemeinde Landau anschließen. Studierendenpfarrerin Anja Lebkücher engagiert dafür Dr. Appel, Historiker und unter anderem für das Büro für Tourismus Landau tätig. Er erklärt anschaulich, wie es vor 300 Jahren im Fort aussah. Campus-Reporterin Enya Höffner hat sich mit auf Spurensuche begeben.

Landaus Geschichte beginnt im 13. Jahrhundert. Die Stadt wurde zum Schutz der Burg Landeck gegründet und entwickelte sich von da an zu einer ansehnlichen Reichsstadt. Die Stifts- und die Augustinerkirche sowie die Katharinenkapelle zeugen noch heute von der damaligen Blütezeit. Das 14. und 15. Jahrhundert waren von den engen Beziehungen zum Elsass und der daraus hervorgehenden Handelsverbindung geprägt. Diese gewann im Dreißigjährigen Krieg an Bedeutung: Nach dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648 machte Frankreich seine Ansprüche auf zehn Reichsstädte im Elsass, darunter auch Landau, geltendm und erhob sich zur dominierenden Macht Europas.

1688 begann der Bau der Landauer Festung. Die französichen Machthaber beschlossen, die mittelalterlichen Stadtmauern abzutragen und eine Bastion in Form eines Achtecks zu errichten. Die Planungsposition hatte der französische Festungsbaumeister Vauban inne, der noch für über 400 weitere Projekte, darunter auch die Festungsstadt Neuf-Brisach, verantwortlich war. Innerhalb von nur vier Jahren stellten zehntausend Soldaten und Tagelöhner die Festung fertig.

Zeugnisse der Geschichte

Ein zentraler Bereich des Festungssystems und von Beginn an Teil des Konzeptes waren die Überschwemmungskessel. Mithilfe dieses Grabensystems konnte innerhalb kürzester Zeit das Gelände geflutet und dem Gegner das Angreifen erschwert werden. Noch heute sind Teile davon zu sehen: Nahe der Universität, schräg gegenüber des Zoo-Eingangs, befinden sich Überreste eines Grabens, und im Ostpark liegt der letzte Überschwemmungskessel Landaus. Der Zoo selbst beherbergt nicht nur Tiere sondern auch ein Stück Stadtgeschichte. Am Eingang ist eine Mauer zu sehen, die vor über 200 Jahren das Ende des Außenwalls bildete. Die der Stadt zugewandte Mauer war nicht geschlossen, um im Falle eines Angriffes einen schnellen Rückzug zu ermöglichen. Auch die Zoowiese, auf der heute die Dromedare ihrer Tagesroutine nachgehen, war ursprünglich Teil der Festung. Sie bildete ein sogenanntes Glacis, ein leicht ansteigendes Gelände, auf dem die Gegner den Verteidigern durch fehlende Deckung ausgeliefert waren.

Studierendenpfarrerin Anja Lebkücher führt gern interessierte Studis durch die Gänge der alten Festung.

Studierendenpfarrerin Anja Lebkücher organisiert die Führungen durch die Gänge der alten Festung.

Auf weitere Teile der ehemaligen Mauer stößt man in dem kleinen Waldgebiet, das direkt an das Uni-Gelände grenzt. Überreste von Ravelins sowie Tore und kleine Unterführungen gliedern sich in die Landschaft ein. Die bauliche Ästhetik schien den Franzosen trotz aller Eile wichtig zu sein: Eines der größeren Tore zeigt ein Muster aus gelbem und rotem Sandstein. Zusätzlich weisen die Steine eine Wölbung auf, sie wurden also aufwändig präpariert, bevor sie in die Mauer eingesetzt wurden.

Ebenfalls versteckt liegt der Bismarckturm, 1910 zu Ehren des ersten Reichskanzlers erbaut. Bei diesem Turm handelt es sich jedoch um einen zweiten Versuch: Der erste Bismarckturm war im Jahr zuvor, kurz vor dem Richtfest, in sich zusammengestürzt.

Kilometerlange Gänge unter der Erde

Highlight der Führung durch die Fortanlage ist die Besichtigung eines Minengangs. Diese Gänge wurden vielfach angelegt, an die 20 Kilometer unterirdischer Gänge sollen sich unterhalb Landaus befinden. Zwar wurden die meisten Minengänge im Zuge der Festungsschleifungen gesprengt, ein paar sind jedoch noch erhalten – und immer wieder werden längst vergessene Gänge entdeckt.

 Ein wenig gruselig und spannend zugleich: Die Minengänge aus der Zeit der französischen Herrschaft.

Ein wenig gruselig und spannend zugleich: Die Minengänge aus der Zeit der französischen Herrschaft.

Ende der französischen Herrschaft = Ende der Festung

1815, als Folge des Wiener Kongresses, geriet Landau wieder unter deutsche Herrschaft und wurde ein Teil des Königreichs Bayern. Die Landauer jedoch waren inzwischen stark von der französischen Lebenskultur geprägt und hatten Schwierigkeiten, sich mit der bayrischen Kultur anzufreunden. Landau war nun keine Grenzstadt mehr, die Festungen wurden nach und nach geschliffen und die Stadt konnte sich ausdehnen. Dabei wurde ein Großteil der Festungsanlage zerstört, einzig Überreste des Forts sowie das deutsche und das französische Tor zeugen noch heute von Landaus bewegter Geschichte.

Das Landauer Büro für Tourismus bietet ebenfalls Führungen durch „Landauers Fort und Minengänge“ sowie „Landaus Unterwelt – Lunette 41“.

Enya Höffner

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