Was studieren?
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Was studieren: Doppeltes Wissen im Zwei-Fach-Bachelor

Nick Oestreich studiert in Landau den Zwei-Fach-Bachelor. "Ich finde es gut, dass ich diese Zeit hatte, mich zu orientieren." Foto: Lisa Leyerer Nick Oestreich studiert in Landau den Zwei-Fach-Bachelor. "Ich finde es gut, dass ich diese Zeit hatte, mich zu orientieren." Foto: Lisa Leyerer

Wenn die eigenen Interessen breit gefächert sind, fällt die Entscheidung für ein Studienfach manchmal nicht leicht. Hier bietet der Zwei-Fach-Bachelor viele Möglichkeiten: In diesem Studiengang können zwei Hauptfächer frei miteinander kombiniert werden, über ein Wahlfach lassen sich zusätzliche Kompetenzen erwerben. Nick Oestreich hat sich für den Zwei-Fach-Bachelor in Landau entschieden und fühlt sich dank seiner Fächerkombination optimal auf das Berufsleben vorbereitet.

Die Serie: Abiturienten stehen viele Möglichkeiten offen. Studieren oder eine Ausbildung beginnen, Uni oder FH? Und welches Fach ist für mich das Richtige? In unserer Serie “Was studieren?” stellen Studierende der Universität Koblenz-Landau ihren Studiengang vor. 

Sie studieren im Zwei-Fach-Bachelor Betriebspädagogik, Wirtschaftswissenschaften und das Wahlfach Interkulturelle Bildung. Was ist das Besondere am Zwei-Fach-Bachelor?

Man hat die Möglichkeit, zwei Fächer, die einen interessieren, relativ frei miteinander zu kombinieren. Außerdem ist der Zwei-Fach-Bachelor ein Studiengang, durch den man sich bereits nach dem Bachelor qualifiziert und fit für den Arbeitsmarkt fühlt. Man kann aber selbstverständlich auch ein Master-Studium anschließen.

Woher kommt Ihre Begeisterung für Ihre Fächer? Warum diese Kombination?

Ich hatte mich zunächst für ein Jura-Studium in Mainz eingeschrieben. Als ich nach zwei Semestern merkte, dass das nicht das Richtige für mich ist, habe ich intensiv überlegt, in welche Richtung ich gehen möchte. Wirtschaftswissenschaften fand ich schon immer interessant, eine Beschränkung auf dieses Fach wäre mir jedoch zu sehr von der Mathematik dominiert gewesen. Deswegen schien der Zwei-Fach-Bachelor wie für mich gemacht. Für Betriebspädagogik habe ich mich entschieden, weil es einerseits thematisch gut zu Wirtschaftswissenschaften passt und andererseits, weil mich Themen wie Organisationsentwicklung, Führungskräfteentwicklung, Unternehmenskultur und Change-Management interessieren. Ich habe damals die Studienordnung gegoogelt und so herausgefunden, dass das die essenziellen Themen des Studiengangs sind. Die Kombination von Wirtschaftswissenschaften und Betriebspädagogik ist auch bei Arbeitgebern gern gesehen, denn sie ermöglicht, dass ich zu Personalthemen auch einen wirtschaftlichen Bezug herstellen kann. Interkulturelle Bildung habe ich gewählt, weil ich an anderen Kulturen interessiert bin und weil ich überzeugt bin, dass interkulturelle Kompetenzen im Zuge der aktuellen politischen Lage an Bedeutung gewinnen.

Warum haben Sie sich für den Studienort Landau entschieden?

Nachdem für mich feststand, dass ich nicht mehr Jura studieren möchte, habe ich nach Studiengängen gesucht, bei denen man mehr Wahlmöglichkeiten bezüglich der Planung des Studiums hat. Der Zwei-Fach-Bachelor in Landau bietet genau das: Zu Beginn entscheidet man sich für seine zwei Basisfächer, dann hat man bis zum dritten Semester Zeit, sich darüber klar zu werden, welches Wahlfach man belegen möchte. Ich finde es gut, dass ich diese Zeit hatte, mich zu orientieren. Im ersten Semester hätte ich mich wahrscheinlich anders entschieden. Ich konnte noch nicht so gut einschätzen, welches Wahlfach gut zu mir und meinem Studium passt. Zudem kann man im Rahmen des Zwei-Fach-Bachelors einige Fächer bereits im Sommersemester beginnen, was gut zu meiner persönlichen Situation gepasst hat.

Was machen Sie genau in Ihrem Studium?

Im Wesentlichen setzt sich mein Studium aus drei Komponenten zusammen: Meine Basisfächer Betriebspädagogik und Wirtschaftswissenschaften, mein Wahlfach Interkulturelle Bildung sowie den Profilbereich, bestehend aus Schlüsselkompetenzkursen, Praktika, Studium Generale und Coachings. In den Basis- und Wahlfächern besuche ich Seminare und Veranstaltungen und schreibe anschließend eine Klausur oder Hausarbeit oder lege eine mündliche Prüfung ab. Gerade die Mischung der Prüfungsformen bringt mir viel. Es schadet nie, bereits eine wissenschaftliche Arbeit vor der Bachelorarbeit zu schreiben oder auch mal mündlich geprüft zu werden.

Im Rahmen des Profilbereichs absolviere ich diverse Kurse, in denen ich meine Kompetenzen in Bereichen, die mich interessieren, erweitere. Dieses Semester habe ich beispielsweise die Schlüsselkompetenzkurse „Bewerbertraining“ und „Medienkompetenz & Personal Branding“ besucht. In den Veranstaltungen wurden meine Bewerbung, mein Anschreiben und mein Lebenslauf gecheckt. Ich habe auch gelernt, wie man einem Personaler im Gedächtnis bleibt und jede Menge Informationen zu Plattformen für den Jobeinstieg erhalten.

Was gefällt Ihnen am besten?

Mir macht es Spaß, mich neben den regulären Verantsaltungen freiwillig an der Universität zu engagieren. Das kommt gut im Hinblick auf spätere Bewerbungen und ich kann eine Menge mitnehmen. In diesem Semester absolviere ich das „Student Advisor“-Programm und werde nächstes Semester einen Flüchtling betreuen. Das ist eine hervorragende Möglichkeit, meine interkulturellen Kompetenzen neben dem Studium praktisch zu schulen.

Was ich ebenso prima finde, ist die Kooperation mit dem „Kompetenzzentrum für Studium und Beruf“ (KSB). Das KSB ist unter anderem Ansprechpartner für den Profilbereich des Zwei-Fach-Bachelors. Dadurch hat man nicht das Gefühl, am Anfang komplett auf sich allein gestellt zu sein. Durch die Supervision-Coachings, die zu Beginn, in der Mitte und am Ende des Studiums stattfinden, hat man die Möglichkeit, seinen aktuellen Stand im Studium zu reflektieren. Man redet in entspannter Athmosphäre darüber, welche Schritte man noch gehen muss, um dem Studienabschluss näher zu kommen. Auch bei einem Fachwechsel innerhalb des Zwei-Fach-Bachelors oder bei sonstigem Redebedarf bezüglich der Organisation des Studiums ist das KSB eine gute Anlaufstelle.

Welche Fähigkeiten sind in Ihrem Studium besonders gefragt?

Das unterscheidet sich je nach Fach. In Wirtschaftswissenschaften sind vor allem eine ökonomische Denkweise und grundlegende mathematische Kenntnisse gefragt. In Betriebspädagogik muss man in den Veranstaltungen meist einen Vortrag halten, was ich als großen Vorteil sehe, da man später im Beruf in der Regel auch nicht um das Präsentieren herum kommt. Außerdem ist es in Betriebspädagogik wichtig, verschiedene Modelle zu beschreiben und auseinander halten zu können. Im Profilbereich lernt man anhand der Coachings und dem Besuch von Veranstaltungen im Rahmen des Studium Generale, sich selbst zu reflektieren und einzuschätzen. Man wird sich über die einzelnen Etappen bewusst, die man bereits geschafft hat, aber auch über die Aufgaben, die man noch vor sich hat.

Würden Sie sagen, dass das Studium des Zwei-Fach-Bachelors anstrengender oder anspruchsvoller ist als ein Bachelor-Studium mit einem Hauptfach?

Da gibt es keinen Unterschied, denn unabhängig davon, für welchen Bachelorstudiengang ich mich entscheide, muss ich 180 ECTS-Punkte erwerben. Bei einem normalen Bachelor beziehen sich die Studienleistungen eben auf ein Studienfach, im Zwei-Fach-Bachelor gliedern sie sich auf die beiden Basisfächer, das Wahlfach und den Profilbereich.

Was möchten Sie nach der Uni machen?

Nach der Uni würde ich sehr gerne im Bereich der Personalentwicklung arbeiten, am liebsten in einem mittelständischen Unternehmen. Eventuell mache ich anschließend noch einen Master in Landau.

Wie bereiten Sie die Studieninhalte auf Ihr zukünftiges Berufsleben vor?

Die Veranstaltungen in Betriebspädagogik sind meist sehr praxisnah. So musste ich beispielsweise dieses Semester in einem Seminar einen fiktiven Workshop in einem Unternehmen gestalten. In Wirtschaftswissenschaften geht es um grundlegende Modelle und Ansichten. Es wird in den Veranstaltungen aber fast immer ein Bezug zur aktuellen Wirtschaftspolitik hergestellt, sodass ich Artikel in einer Wirtschaftszeitschrift mittlerweile bis ins Detail verstehe. Des Weiteren lernt man die betriebswissenschaftlichen Grundlagen und Organisationsformen von Unternehmen kennen. Durch den Profilbereich fühle ich mich optimal auf das Berufsleben vorbereitet. Man hat die Möglichkeit, ein langes oder zwei kurze Praktika zu absolvieren, wodurch man den Alltag in einem Unternehmen kennen lernen kann. Auch hier wird man vom Team „Studieren mit Profil“ unterstützt, zum Beispiel durch ein Praktikumsreflexionsgespräch. Durch die Praktika kann man herausfinden, in welchen Bereich man später arbeiten möchte.

Konnten Sie schon Praxis-Luft schnuppern?

Ich arbeite für die Projekte STAIR und Take_IN, die beide beim KSB angesiedelt sind. Take_IN beschäftigt sich mit einer zielgruppenorientierten Kompetenzbildung sowie der Integration und Studienstarthilfe von Randgruppen an der Universität in Landau. Bei STAIR geht es um die Arbeitsmarktintegration von ausländisch Studierenden. Hier konnte ich meine Fähigkeiten aus dem Studium in der Praxis schon gut anwenden.

Welchen Tipp geben Sie denjenigen, die noch auf der Suche nach dem passenden Studienfach sind?

Es ist wichtig, die Informationsangebote der Universitäten zu nutzen, gerade wenn man sich noch nicht beworben hat. Am besten schaut man sich einige Veranstaltungen des Wunschstudiengangs einfach mal an. Also reinsetzen und hören, ob man sich für die Inhalte begeistern kann. Eine andere Möglichkeit ist, sich den Campus anzuschauen und Studierende anzusprechen, wie sich ihr Studiengang gestaltet. So bekommt man realistische Einblicke und kann sich ein gutes Bild machen.

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