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Rückblick und Ausblick: Ein Gespräch mit Ulrich Sarcinelli

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne heißt es frei nach Hermann Hesse: Am 15. April übergibt Prof. Dr. Ulrich Sarcinelli nach vier Jahren sein Amt als Vizepräsident an seinen Nachfolger Prof. Dr. Ralf Schulz. UniBlog-Reporterin Sarah Ochs ist mit Sarcinelli auf eine kleine Zeitreise gegangen.

Es war Ihnen immer ein Anliegen, die Universität stärker mit Stadt und Region zu verbinden und den Wissenschaftsstandort zu stärken. Wenn Sie zurück blicken: Ist Ihnen Ihr Vorhaben gelungen?

Ulrich Sarcinelli: Ich habe daran gearbeitet und ich glaube, dass ich – natürlich zusammen mit vielen Mitstreitern auch in der Hochschulleitung – einiges bewegen konnte. Wir hatten ein großes Defizit, was die Wahrnehmung der Universität in Stadt und Region angeht. Dieses Defizit war beidseitig. Ich glaube, dass die Universität gelernt hat, wesentlich stärker in die Öffentlichkeit zu gehen. Aber auch Stadt und Region haben gemerkt, dass ein Universitätsstandort nicht nur kulturell, sondern auch ökonomisch für die Attraktivität gerade auch der Region außerordentlich wichtig ist.

Gibt es noch Nachholbedarf? An welchen Stellen muss nachgebessert werden und wie soll sich die Verzahnung von Universität und Region in Zukunft entwickeln?

Es ist nie etwas so gut, dass es nicht auch noch besser werden könnte. Die Universität ist ein sehr dynamisches System. Sie wird sich weiter entwickeln. Wir haben in den letzten Jahren viel erreicht, das wird nicht das Ende sein. Man braucht starke Partner in der Region und in der Stadt und ich denke, da wird es immer wieder wichtig sein, dass die Kommunikation zwischen Hochschulleitung und den entsprechend Verantwortlichen sehr dicht ist und eine Vertrauensgrundlage besteht, vor allem, wenn es darum geht, gemeinsam für wichtige Ziele – etwa bei der Verbesserung der Infrastruktur – zu kämpfen.  Der erfolgreiche Kampf um das neue Laborgebäude ist ein gutes Beispiel.

Sie haben mit den von Ihnen ins Leben gerufenen Veranstaltungen (Semesterpolitikum, Hambacher Gespräche etc.) viele bekannte Gesichter aus Wirtschaft, Politik und Medien nach Landau geholt.

Nicht zu vergessen die „Akademiegespräche“, die jetzt „Landauer Akademiegespräche“ heißen und bei denen jetzt die Stadt als Mitveranstalter im Boot ist.

Was wird nun daraus?

Das sind alles Formate, die wir mit der Zeit entwickelt haben und die gut ankommen. Vielleicht hatte ich da auch etwas günstigere Voraussetzungen als das eine oder andere Fach, weil sich ein Politikwissenschaftler natürlich auch mit vielen gesellschaftspolitischen Fragen beschäftigt, die ein öffentliches Interesse erwecken. Diese Formate werden weiter im Rahmen des Frank-Loeb-Instituts gepflegt. Der Kollege Sigmar Schmidt hat die Leitung des Instituts übernommen. Es wird auch neue inhaltliche Akzente geben. Das finde ich gut.

Bereits wenige Monate nach Ihrem Amtsantritt begannen Sie, Ihre Idee der „CampusSchule“ – wo universitäre Forschung und Lehre mit der Praxis aus öffentlichen Schulen verknüpft werden soll – in die Tat umzusetzen.

Es ist mir ein starkes Anliegen, dass sich die Universität auch für die Zukunft ihrer Tradition bewusst bleibt. Immerhin studieren deutlich über die Hälfte der Studierenden im Lehramt. Und nach der Reform im Rahmen des Bologna-Prozesses stellt die Frage, wie sich die Universität im Kontakt mit der Schulpraxis positioniert, eine für uns wichtige hochschul- und wissenschaftspolitische Herausforderung.

Wie sehr ist die CampusSchule heute an der Universität etabliert?

Die Idee ist mit Interesse aufgenommen worden. Es laufen viele Projekte. Die Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Realschule plus klappt sehr gut. Sie war die erste mit dem Label „CampusSchule“ ausgezeichnete Schule. Es ist außerdem beschlossen, dass die Grundschulen aus Landau Stadt „CampusSchulen“ werden. Und es wird  in Kürze einen Auswahlprozess geben, bei dem sich Gymnasien und Integrierte Gesamtschulen um diesen Status bewerben können.

Wie soll sich das Projekt weiter entwickeln?

Wir wollen mittelfristig alle Schularten in dieses Projekt integrieren und ich denke, dass das ein wichtiges, weiteres strukturbildendes Element einer modernen Lehrerbildung sein kann, bei dem wir unsere besonderen Stärken, die wir gerade auch am Campus Landau haben, mehr als bisher zur Geltung bringen können. Schließlich verfügen wir am Campus über eine breite Palette von renommierten Einrichtungen, in denen von der Grundlagenforschung (z.B. DFG-Graduiertenkolleg) über forschungsbezogene Praxis (z.B. Lernlabore) bis hin zu vielfach prämierten außerschulischen Lernorten mit attraktiven Bildungsangeboten (z.B. Zooschule) schon jetzt eine ausgezeichnete Arbeit geleistet wird. 

Vier Jahre Forschungsvize: Wie lautet Ihr Resümee?

Bilanzierend kann ich sagen, dass ich einen außerordentlich spannenden Umbruchprozess an dieser Universität erlebt habe. Wir konnten in den letzten vier Jahren auch ein paar neue Akzente im Bereich der Forschung setzen. So ist es uns gelungen, zwei neue campusübergreifende Forschungsschwerpunkte mit der Hochschulleitung ‚auf die Schiene‘ zu setzen. Der eine ist der Schwerpunkt „Medien, Kommunikation und Politik“. Der andere ist ein neuer geisteswissenschaftlicher Schwerpunkt, bei dem Kolleginnen und Kollegen aus Philosophie, Theologien und Germanistik zusammen arbeiten.

Ist denn dieser neue geisteswissenschaftliche Forschungsschwerpunkt schon konkret?

Forschungsschwerpunkte beschließt der Senat. Das ist auch im Falle des neuen geisteswissenschaftlichen Schwerpunktes inzwischen geschehen. So wie die Informatik, die Umweltwissenschaften, die Psychologie, die Kommunikations- und Sozialwissenschaften zum Forschungsprofil beitragen, wird auch dieser neue Schwerpunkt ein wichtiges Element sein, um im schärfer werdenden wissenschaftlichen Wettbewerb national und international erfolgreich zu sein. Deshalb haben wir auch diesen neuen Forschungsschwerpunkt zur Förderung im Rahmen der Forschungsinitiative III, einem wichtigen Förderinstrument der Landesregierung zur Verbesserung der Forschung und Ausstattung der Universitäten, empfohlen und sind zuversichtlich, dass dem entsprochen wird.

Viele Studenten haben ihre Vorlesungen sehr gern besucht. Können sie darauf hoffen, dass Sie auch im Ruhestand noch welche halten?

Das Sommersemester markiert für mich erst einmal einen Schnitt. Ich  muss mir bewusst machen, dass eine neue Lebensphase beginnt. Ab dem Wintersemester würde ich dann gern eine Lehrveranstaltung anbieten. Vielleicht ein forschungsbezogenes Oberseminar zu einem Thema, das mich besonders interessiert.  Aber wenn ich gebeten werde, springe ich vielleicht auch mal mit einer Grundlagen-Vorlesung ein. Das habe ich immer mit großer Begeisterung gemacht.

Wenn sie die vergangenen vier Jahre Revue passieren lassen: Was war Ihr schönstes Erlebnis als Vizepräsident, was war nicht so schön?

Oh, das ist eine schwierige Frage. Man hat natürlich viele Erlebnisse. Ein einzelnes herauszugreifen, fällt mir schwer.

Fragen wir neutraler: Was sticht denn besonders aus Ihren Erinnerungen hervor?

Als ich zum Wintersemester 95/96 nach Landau kam, hätte ich nicht für möglich gehalten, dass wir irgendwann dort stehen, wo wir heute stehen. Ich hatte die Verantwortung für den Studiengang Lehramt an Grund- und Hauptschulen in meinem Fach. Mittlerweile bilden wir für alle Schularten aus. Wir haben einen florierenden sozialwissenschaftlichen Studiengang, auf den ich ein bisschen stolz bin, weil ich ihn anstoßen habe. Wir haben in der Forschung generell und in der Drittmittelanwerbung speziell geradezu dramatisch zugelegt. Wir haben neue forschungsstarke Bereiche in den Umweltwissenschaften installiert. Ein Verdienst vor allem des neuen Vizepräsidenten mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus den Umwelt- und Naturwissenschaften. Natürlich gibt es auch Dinge, über die man sich ärgert, aber das ist in jedem System so und vergisst man dann gern eher als die Dinge, auf welche die Universität mit Recht stolz sein kann.

Das klingt ja schon ein bisschen wehmütig. Was überwiegt? Freude oder Wehmut?

Weder noch, meine Gefühlslage kann ich noch gar nicht so richtig beschreiben. Es ist eher ein Zustand der Verunsicherung, pensioniert wird man schließlich nur einmal. Ich war insgesamt über 46 Dienstjahre im öffentlichen Dienst. Univ.-Prof. i.R. zu sein, das ist für mich ein sehr ungewohnter Zustand. Ich  werde mir jedenfalls Zeit lassen, die Dinge neu zu sortieren.

Gibt es etwas, das Sie Ihrem Nachfolger Prof. Dr. Ralf Schulz mit auf den Weg geben möchten?

Eigentlich nicht. Ich habe ihn als einen sehr zielstrebigen, ambitionierten und durchsetzungsstarken Kollegen kennen und schätzen gelernt. Und ich weiß, dass ihm die weitere wissenschaftliche Profilierung des Landauer Campus wie unserer Universität insgesamt mit ihren traditionellen Stärken ebenso wie mit ihren neueren wissenschaftlichen Profilen gleichermaßen am Herzen liegen. Vor allem in Sachen Forschung und Internationalisierung wird er eigene Akzente. Insofern braucht er da keine besondere Wegweisung durch mich.

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