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Tablets für Senioren: Neue Studie des IWM vorgestellt

Das Institut für Wissensmedien (IWM) der Universität Koblenz-Landau hat in Zusammenarbeit mit vier Industriepartnern und der Landesseniorenvertretung Rheinland-Pfalz eine Studie durchgeführt, um Tablets für Senioren zu testen. Jetzt liegen die Forschungsergebnisse vor.

Gekonnt schiebt Wolfgang Bayer die Bilder auf dem Tablet PC mit dem Finger weiter, vergrößert einzelne Ausschnitte und wählt verschiedene Applikationen. Er ist eine der 19 Testpersonen, die sich drei Monate lang im Rahmen der Studie mit modernster Technik beschäftigten. “Ich bin sehr zufrieden, die Zeit war lehrreich für mich”, berichtet der Westerwälder.

Wolfgang Bayer ist 60 Jahre alt und einer der Probanden. Er kann heute schon sehr gut mit dem Tablet umgehen und hat sich selbst eins gekauft. Foto: Adrian Müller

Wolfgang Bayer ist 60 Jahre alt und einer der Probanden. Er kann heute schon sehr gut mit dem Tablet umgehen.

Eine Testgruppe nutzte die Oberfläche von Doro – einem schwedischen Unternehmen, das auf seniorengerechte Handys spezialisiert ist – die altersgerecht angepasst wurde. Die andere Hälfte testete eine Android-Bedienung. Anhand von teilnehmender Beobachtung, Fragebögen und Nutzungsprotokollen zeigte sich deutlich, dass sich Tablets durch ihre Handlichkeit und vor allem auch durch den Touchscreen sehr gut für Senioren und deren Internetnutzung eignen. Allerdings sollte eine Bedienoberfläche geschaffen werden, die hinsichtlich ihrer Funktionsvielfalt in einer Art Stufensystem den Bedürfnissen und Vorkenntnissen der Nutzer angepasst und mit fortschreitender Erfahrung individuell erweiterbar ist. “Ganz wichtig ist auch ein angemessener Support, der die Senioren bei Fragen und Problemen unterstützt”, betont Dr. Peter Ferdinand, wissenschaftlicher Mitarbeiter im IWM und Leiter des Projekts.

Gespannt verfolgen die Teilnehmer der Studie die Vorstellung der Forschungsergebnisse. Foto: Adrian Müller

Gespannt verfolgen die Teilnehmer der Studie die Vorstellung der Forschungsergebnisse.

Doch es gab auch Kritik an der Nutzung von Tablets: Zum einen im Bereich des Datenschutzes und des Netzausbaus, aber vor allem könnten Textdokumente nicht ausreichend bearbeitet werden. Bayer hat schon etwas mehr Erfahrung im Umgang mit PCs und stellt fest: “Man muss immer bedenken, dass die Tablets nur ein Zusatz zum Computer oder dem Laptop sind, ein Ersatz können sie nicht sein.”

Seniorenverband zeigt sich zufrieden

Nils Lipprandt von der Deutschen Telekom ist zufrieden mit dem Ergebnis der Studie und sieht darin wichtige Erkenntnisse, um neue Konzepte für seniorengerechte Tablets zu entwickeln. Auch Horst Weller von der Landesseniorenvertretung Rheinland-Pfalz blickt positiv in die Zukunft: “Wir hoffen, ein Mehr an Wissen erlangt zu haben, um die Geräte in Zukunft gezielt für die Sicherheit und Lebensqualität unserer Senioren einzusetzen.”

Insgesamt 19 Senioren haben an der Studie teilgenommen und drei Monate lang Tablets getestet. Foto: Knut Jackowski

Insgesamt 19 Senioren haben an der Studie teilgenommen und drei Monate lang Tablets getestet. Foto: Knut Jackowski

Tablets sollen die Hürden der Technik verringern

Derzeit nutzen rund 37 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und über 70 Prozent der über 70-Jährigen das Internet und seine Technik nicht. „Dabei finden sich heutzutage viele Dienstleistungen des alltäglichen Lebens im Netz, die den Senioren verschlossen bleiben“, erklärt Ferdinand. “Tablets können die Hürden der modernen Technik verringern, so unsere Ausgangsthese.”

Für die wissenschaftliche Durchführung und Leitung ist die Universität Koblenz-Landau verantwortlich, die eng mit vier Industriepartnern zusammenarbeitet: Samsung, Deutsche Telekom, Doro und mObserve, einer Firma, die Notruf-Funktionen für ältere Menschen entwickelt. Außerdem beteiligt waren die Landesseniorenvertretung Rheinland-Pfalz und das Ministerium des Innern, Sport und Infrastruktur.

Hannah Wagner

 

1 Kommentare

  1. Andreas sagt

    Vielen Dank für den interessanten Post. Ich würde mich über einen Link zu den Forschungsergebnissen freuen. Wie ich selbst sind möglicherweise viele Angehörige auf der Suche nach Möglichkeiten, ihren älteren Angehörigen einen niedrigschwelligen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Hiebei können uns Ihre Ergebnisse möglicherweise hilfreiche Einsichten liefern, zB welche Konzepte/UI-Metaphern mehr Schwierigkeiten verursachen als andere. Ich kann mir vorstellen, dass viele Jüngere dbzgl zu hohe Erwartungen an das Anpassungsvermögen Ihrer älteren Angehörigen haben.

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