Kolumne
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Mein Leben mit To Do-Listen

To-Do-Listen können uns helfen, Pläne zu schmieden und Aufgaben zu strukturieren. Zu viele davon führen allerdings schnell zu einer unüberschaubaren Zettelwirtschaft. Foto: Colourbox.de To-Do-Listen können uns helfen, Pläne zu schmieden und Aufgaben zu strukturieren. Zu viele davon führen allerdings schnell zu einer unüberschaubaren Zettelwirtschaft. Foto: Colourbox.de

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute macht sich Nina Seel Gedanken über Fluch und Segen von To-Do-Listen.

Jeder schreibt sie. Ob manuell oder digital, in Form von langen Stichpunktlisten oder kleinen Klebezetteln. Sie sollen helfen, unsere Gedanken zu sortieren und unseren Alltag zu strukturieren. Vor allem aber sollen sie dafür sorgen, dass wir nie etwas Wichtiges vergessen, was wir unbedingt noch erledigen wollen: Die To-Do-Liste ist ein echter Alleskönner. Auf ihr notieren wir, was wir für noch unser nächstes Referat recherchieren wollen, dass wir Oma noch anrufen müssen und dass wir dringend noch die Bewerbung für das Praktikum schreiben sollten. Die Betonung liegt auf noch. Meist stehen Punkte auf der Liste, die wir nicht unmittelbar durchführen, sondern jene, die – noch – nicht erledigt sind, aber zeitnah abgehakt werden sollen.

Segen: Durchstreichen und Abhaken

So versetzt uns die Listenschreiberei zeitweise in Stress. Zu viele To-Dos üben Druck aus und vermitteln das Gefühl: “Das schaffst du sowieso nicht alles auf einmal!” Dass Multitasking nicht die beste Vorgehensweise ist, musste ich schon ein paar Mal schmerzlich erfahren. Meine Devise lautet deshalb: Eins nach dem anderen, so bewältigt man seine Pflichten effizienter und ist produktiver, statt zwischen mehreren Dingen hin und her zu switchen.

Es wäre ein Leichtes, alle To-Dos gleich im Smartphone oder Google-Kalender zu speichern, um sämtliche Vorhaben und Termine auf einen Blick zu sehen und sich möglicherweise weniger zu verzetteln. Ich gehöre aber eher zur nostalgischen Fraktion und schreibe ganz altmodisch mit Kuli in meinen Collegeblock. Der große Vorteil von handgeschriebenen Listen ist, dass man die Punkte durchstreichen kann. Und durchstreichen macht glücklich. Abhaken, zu den Akten.

Fluch: Kurzlebigkeit und große Pläne

Das ist natürlich ein Stück weit Selbstbetrug. Obwohl To-Do-Listen eine gewisse Kurzlebigkeit haben, lassen sich einige Notizen nicht ganz so fix durchstreichen. Steht dort “Bachelorarbeit fertig schreiben”, während man gerade erst sein Exposé beim Betreuer eingereicht hat, dann wird dieser Punkt zu einer wiederkehrenden, sich monatelang hinziehenden Qual auf jeder neuen Liste. Mal abgesehen davon, dass wir diesen Punkt doch nicht wirklich vergessen würden.

Ein weiteres Problem: Diese Listen haben einen Hang dazu, sich zu verselbstständigen. Aus einem simplen Einkaufszettel wird ein ganzer Katalog für die Geburtstagsgeschenke des gesamten Kalenderjahres. Die wöchentliche Uni-Liste entwickelt sich zu einem Plan mit den ganz großen Aufgaben im Leben. Wir wollten ja noch das Studium beenden, eine Weltreise machen, Kinder kriegen und alt werden. Wie viele Jahre wollen wir darauf warten, diese Dinge abzuhaken? Und fühlt sich ‘abgehakt’ nicht nur befreiend, sondern eben auch nach “Haken dran, keinen Gedanken mehr daran verschwenden” an? Es wäre bei diesen sehr wichtigen Stationen in unserem Leben ziemlich traurig, wenn wir sie einfach nur erledigen würden wie den wöchentliche Hausputz.

Einfach mal machen

Was, wenn wir vor lauter Listen die Aufgaben nicht mehr sehen? Wenn wir uns buchstäblich so verzetteln, dass man gar nichts mehr schafft? Wie wäre es, die Listen Listen sein zu lassen und einfach zu tun, was uns als nächstes in den Sinn kommt? Die wirklich wichtigen Dinge haben wir ohnehin im Kopf: Der Hunger erinnert uns daran, einkaufen zu gehen. Der nächste Elternbesuch kündigt sich an – wir sollten mal wieder das Bad putzen. Schon seit drei Tagen nichts für die Uni gemacht? Da kommt das schlechte Gewissen von ganz allein. Vielleicht sollten wir einfach ein bisschen mehr Done aus dem To-Do machen, ohne mit dem Schreiben und Verschönern unzähliger Listen so viel Zeit zu vergeuden, in der wir die Dinge längst hätten erledigen können. Wenn wir die To-Do-Liste mehr als intelligente Gedankenstütze und weniger als unabdingbaren Fahrplan für unser Leben betrachten, können wir sie vielleicht doch beibehalten. Das hätte zumindest den Vorteil, dass ich auch endlich den Punkt “Kolumne schreiben” auf meiner Liste abhaken könnte.

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