Kolumne
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Kulturwissenschaft – Und was macht man damit?

Heute schreibt Natalie Henzgen. Heute schreibt Natalie Henzgen.

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute geht Natalie Henzgen der Frage auf den Grund, warum Geisteswissenschaftler ins Kreuzverhör genommen werden, wenn es um ihre berufliche Zukunft geht.

Wenn man ausgeht und neue Bekanntschaften macht, ist es bloß eine Frage der Zeit, bis die unvermeidliche Frage gestellt wird: „Und was studierst du?“ Für die einen ist das eine höfliche Nachfrage. Für mich ist es häufig der Beginn einer qualvollen Debatte. Wer ein Fach wie Kulturwissenschaft studiert, sieht sich oft mit Nachfragen konfrontiert, besonders im Bezug auf etwaige Berufsziele. Manche machen sich die Mühe, nach den Inhalten meines Studiums zu fragen, bevor sie ein vernichtendes Urteil über meine beruflichen Chancen fällen. Die meisten glauben aber sofort zu wissen, dass meine Lage vollkommen hoffnungslos ist. In den sechs Jahren, in denen ich Kulturwissenschaft studiere, sind mir viele katastrophale Prognosen in Bezug auf mein späteres Berufsleben begegnet. Hier meine Top 3 Kommentare:

1. „Und wann machst du deinen Taxi-Schein?“

2. „Damit wird es aber schwer werden, eine Stelle zu finden“

3. „Du solltest besser reich heiraten.”

Das Repertoire an unpassenden Bemerkungen ist endlos. Oft habe ich mich bei dem Gedanken ertappt, zu behaupten, ich studiere Lehramt, Jura oder gar Medizin. Also einen Studiengang, der das spätere Berufsziel bereits im Namen trägt und damit lästige Nachfragen im Keim erstickt. Hat man einige Male in einem Club versucht, bei 100 Dezibel lauter Musik über seine Karrieremöglichkeiten zu diskutieren, gewinnt diese Alternative an Reiz. Für mich bestätigt sich regelmäßig, was Umberto Eco bereits im Jahr 1988 wusste: „Offensichtlich werden wir Geisteswissenschaftler nicht für seriöse Profis gehalten, wir sind Tagediebe.“ Argumentieren hilft da wenig. Die Strategie, mein Gegenüber mit einer genauen Beschreibung meines Studiengangs zu überzeugen, ist in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt. Selbst die eloquenteste Darlegung von „berufsbezogenen Schlüsselqualifikationen“, wie sie mein Modulhandbuch auslobt, kann Menschen nicht von der geheimen Überzeugung abbringen, dass ich meine Zeit vergeude.

Kein Grund zur Panik

Die Realität straft die Skeptiker zum Glück immer wieder Lügen. Das wurde mir vor allem bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Instituts für Kulturwissenschaft bewusst. Dort konnte ich mich von den bunten beruflichen Werdegängen der anwesenden Alumni eines besseren belehren lassen. Keine Taxifahrer, sondern Marketing-Projektmanager, Journalisten und Mitglieder des Stadtmarketings sprachen dort von ihren Erfahrungen als KuWi-Absolventen. Lauter Beispiele dafür, dass Geisteswissenschaftler nicht um ihre berufliche Zukunft fürchten müssen.

Zusätzlich bestätigt haben mich Erfahrungen, die ich während meiner Praktika sammeln konnte. Unternehmen suchen keine Universitätsabschlüsse, sondern Menschen. Man punktet mit einem selbstsicheren Auftreten, Offenheit und Flexibilität im Umgang mit neuen Aufgaben. Ob man diese Qualitäten in einem Studium der Kulturwissenschaft, der Politikwissenschaft oder der Kommunikationswissenschaft erlangt hat, war für viele der Abteilungsleiter, mit denen ich gesprochen habe, zweitrangig. Mein Fazit nach sechs Jahren KuWi-Studium und nervenzehrenden Party-Gesprächen: Niemand sollte sich durch die Skepsis anderer aus der Ruhe bringen lassen. Jeder Studiengang hat seine Vor- und Nachteile in Bezug auf das spätere Berufsleben und wir alle werden damit leben müssen. Die Praxis zeigt: Der Großteil der Absolventen tut das sehr erfolgreich.

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