Kolumne
Schreibe einen Kommentar

Hollywood-Feeling im balinesischen Tempel

Heute schreibt Campus-Reporterin Lisa Leyerer. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant Heute schreibt Campus-Reporterin Lisa Leyerer. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute berichtet Lisa Leyerer von ihrem Urlaub auf Bali und wie sie während einer Tempel-Zeremonie zufällig selbst zur Attraktion wurde.

Bali. 14 Flugstunden von Deutschland entfernt, 5780 Quadratkilometer groß und mit einer Einwohnerzahl von rund vier Millionen Menschen. Zum Abschluss unserer Asienreise besuchten meine Begleitung und ich diese Trauminsel, auf der mittlerweile der Massentourismus Einzug gehalten hat. Viele Urlauber verbringen hier ihre Zeit, liegen am Strand, lernen aber weder Land noch Leute kennen. Für uns ist diese Art von Urlaub ein Graus. Dementsprechend mieden wir, so gut es ging, die typischen Ausflugsziele, die in Reiseführern empfohlen werden. Vielmehr lockten uns die Insidertipps.

Unser erstes Ziel war das bedeutendste hinduistische Heiligtum Indonesiens, der Muttertempel aller balinesischen Tempel: “Pura Besakih” am Hang des heiligen Berges “Gunung Agung”. Einmal im Jahr wird hier bei Vollmond eine große Tempelzeremonie zelebriert, zu der alle Hinduisten Balis kommen, um ihre Vorfahren zu ehren. Das Fest fand genau an dem Tag statt, an dem wir die Anlage besuchten. Über etliche Stufen erstrecken sich die verschiedenen Tempel. Aus Respekt vor den Gläubigen hüllten wir uns in einen Sarong – ein Tuch, das man sich um Hüfte und Beine wickelt – und sahen uns die Opferzeremonien vom Eingang aus an. Es war spannend, interessant und seltsam zugleich. Frauen trugen große Körbe gefüllt mit Opfergaben auf dem Kopf, fremde Melodien erklangen aus allen Ecken, den Gläubigen wurde Wasser und Reis auf Gesicht und Stirn geträufelt. Für uns war das eine völlig neue Erfahrung.

1, 2, 3 Superstar

Diese beeindruckenden Kulisse mussten wir natürlich auch fotografisch festhalten. Das Motiv: Ich auf einer Treppe vor dem Tempel. Ich brachte mich in Position und setzte ein Foto-Lächeln auf, als sich plötzlich ein balinesisches Ehepaar näherte. Der Mann postierte sich zaghaft neben mich und lächelte ebenfalls in meine Kamera. Ich nahm es mit Humor und so posierten wir beide eben so, als hätten wir gemeinsam den Urlaub verbracht. Ein Klick, Foto im Kasten. Als wir weitergehen wollten, gab uns die Frau unserer neuen Bekanntschaft ein Zeichen. Auch sie wollte ein Foto mit uns, aber mit ihrer Kamera. Klick, fertig. Oder auch nicht: Es dauerte keine zwei Minuten, und wir mutierten von Normalo-Touristen zum Top-Motiv der Balinesen. Immer mehr Menschen kamen auf uns zu und baten um ein Foto. Kleine Mädchen tanzten schüchtern um uns herum und riefen uns ein “Hellou” entgegen, bevor sie kichernd wieder zu ihren Eltern zurück liefen. Die Menschen grüßten uns mit einem herzlichen “Welcome to Bali”. So schnell kann es gehen. Wir besuchen den heiligsten Tempel Indonesiens während einer Feier, die nur einmal im Jahr stattfindet, und die Hauptattraktion waren wir.

Unser kurzer Hollywood-Moment war nicht nur witzig, aufregend und außergewöhnlich, sondern gab uns auch einmal mehr das Gefühl der Dankbarkeit, als Gast dieses wunderbare Land entdecken zu dürfen – fernab von geführten Touristen-Touren, Stränden mit Eintrittsgebühr und inszeniertem Südsee-Feeling. Wir tauchten ein in die Kultur der Insel und machten den Einheimischen eine Freude. Neben der Erinnerung bleibt jetzt nur noch die Frage: An welchen Wänden wir wohl im Bilderrahmen hängen werden?

Schreibe einen Kommentar