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Herbstlich melancholisch: Die Band Polaroad im Porträt

Andreas Babiak und Julia Mähler sind die Band Polaroad. Die zwei Koblenzer Studierenden begeistern mit melancholisch-herbstlichen Tönen. Foto: Adrian Müller Andreas Babiak und Julia Mähler sind die Band Polaroad. Die zwei Koblenzer Studierenden begeistern mit melancholisch-herbstlichen Tönen. Foto: Adrian Müller

Polaroad heißt die Band der zwei Studierenden Julia Mähler und Andreas Babiak. Seit drei Jahren präsentieren sie ihre melancholisch-tiefsinnigen Songs auf kulturellen Veranstaltungen in Koblenz. Wenn sie auftreten, ist es wie eine Reise durch ihre Gefühle und Gedanken, die um Erwachsenwerden, Sehnsucht und Liebe kreisen. Auch ihr Leben am Campus verarbeiten sie in ihrer Musik. Uniblog hat die zwei Studierenden privat getroffen, dort, wo sie sich zum Proben und Plaudern treffen: In ihrem Wohnzimmer.

Gedämpftes Licht, eine Tasse Tee dampft auf dem Tisch, im Hintergrund brennen Kerzen. Den herbstlichen Temperaturen zum Trotz ist es angenehm warm in dem liebevoll eingerichteten Wohnzimmer. Andreas Babiak (26) hat auf einem Stuhl in der Mitte des Zimmers Platz genommen und spielt auf der Gitarre. Neben ihm sitzt Julia Mähler (24). Viel Platz ist in der kleinen Wohnung nicht, das Bett steht direkt neben ihr. Aber genau so mögen es die zwei Freunde: Entspannt und privat, so, als wäre jede Probe ein kleines Wohnzimmerkonzert. Eine Atmosphäre, die zum musikalische Stil von Polaroad passt.

Babiak: Wenn ich unseren Stil in einer Jahreszeit ausdrücken wollte, wäre es herbstlich. Unsere Musik passt super zu dieser kühleren Jahreszeit und hat oft einen sehr ernsten, melancholischen Ton.

Mähler: Wir machen durchweg alles selbst, nichts kommt fertig von anderen. Das ist uns besonders wichtig. Nur so können wir authentisch sein, denn unsere Musik ist ein Spiegel unserer Gefühlswelt. Wenn man genau hinhört, kann man sehr viel von uns erfahren.

Ein aus Gefühlen und Gedanken gesponnenes Kunstwerk

Polaroad schreiben ihre Songs ausschließlich selbst. Ihnen ist es wichtig, dass jeder von ihnen dabei seinen eigenen Kopf behält und die eigenen Texte singt. Babiak komponiert die Melodien, Mähler spielt Klavier und verziert die Songs mit kleineren Instrumenten: Xylophon, Rassel, Klanginstrumente. Was eben gerade passt. Eine professionelle musikalische Ausbildung haben sie nicht. Den Prozess bis zum fertigen Song sehen sie dennoch als Kunst, die sich mit ihrem privaten Leben auseinander setzt.

Mähler: Wie das mit der Kunst im Allgemeinen eben ist: Man hat eine Inspiration oder möchte eine bestimmte Stimmung oder Atmosphäre einfangen und sie auf Papier bringen. Dabei geht es natürlich oft um das Thema Liebe. Aber auch um Gedanken und Ängste, die in unserem Studentenleben wichtig sind: Wo gehört man hin? Wer ist man? Wo will man hin?

Babiak: Mein Song „Even if“ zu Beispiel handelt von einer Person, die ich zufällig auf unserem Campus getroffen habe und in deren Augen ich mich verliebt habe. Auch wenn der Blickkontakt immer wieder da war, hat sich keiner getraut, den anderen anzusprechen.

…I do believe that I know you, cause I know your eyes. And I do believe that our eyes do tell the storys of our lives… But even if your eyes are stunning and even though my tears are running, it seems like we are fools cause we don’t try to break the rules…

Mähler: Ich verarbeite in dem Song „Göteborg“ mein Auslandssemester in Schweden. Es war eine sehr intensive Erfahrung. Ich musste in der Ferne ein Leben komplett neu anfangen, habe mich unendlich frei gefühlt, mit der Möglichkeit, alles zu machen. Aber natürlich hatte ich auch Heimweh nach Freunden, Familie und dem Vertrauten. Diesen Zwiespalt habe ich versucht aufzufangen.

…I was lonely, I was free. With the world next to me. Shot some holes in my heart, try beating far apart… Try to overcome my insecures, this place changed my design of life. Winter reveals what I really miss, scenes of beauty healed the mind…

Auftritte in aller Freundschaft

Nicht nur in den Texten besteht eine direkte Verbindung zur Universität und dem Studierendenalltag. Schon drei Mal sind Polaroad während dem Tag der Kulturwissenschaft am Campus in Metternich aufgetreten, am KaleidosKOp– und Confluentes-Festival in der Koblenzer Innenstadt und während der Veranstaltungsreihe Tonzimmer. Immer mit dabei die Aufregung vor und während dem Auftritt.

Mähler: Vor dem ersten Song ist man immer aufgeregt, danach geht es besser. Die Auftritte sind sehr spannend, meistens passiert etwas, womit man nicht gerechnet hat: Entweder versagt die Technik, man vergisst den Text oder die Akustik passt nicht.

Babiak: Unsere Auftritte sind, eben genau wie unsere Songs auch, sehr ruhig, da müssen die Rahmenbedingungen schon passen. Wenn alles stimmt, haben wir durch den persönlichen Ton unserer Lieder immer eine ganz besondere Verbindung zu unserem Publikum.

Mähler: Es ist interessant zu realisieren, dass einem Menschen zuhören, während man seine Geschichte erzählt. Dadurch lernt man viel über sich selbst und das Verhältnis zu anderen. Was für uns zwei aber auch sehr wichtig ist: Wir gehen als Freunde auf die Bühne, haben Spaß dabei und genießen die Zeit.

Polaroad: Auf der Straße zum Erfolg?

Die beiden Studierenden glauben, dass sie durch diese Einstellung und ihre direkte Verbindung zur Uni ein Alleinstellungsmerkmal in der Koblenzer Region haben. Sie sehen sich als Künstler, die eben das machen, woran sie Freude haben. Dazu haben sie als Studierende genügend Freiraum: Zeit, um an einem Lebensplan zu arbeiten, Musik zu machen und mit Polaroad erfolgreich zu werden.

Mähler: Wir hätten sicherlich nichts dagegen, viele Menschen zu erreichen und falls etwas in diese Richtung passiert, würden wir das dankend annehmen. Aber primär sind wir Künstler und wollen uns mit unserer Musik ausdrücken. Vor kurzem haben wir uns professionelles Equipment zugelegt, um ein erstes Musikvideo für Youtube zu produzieren. Was Auftritte angeht, folgt sicherlich bald der ein oder andere Termin.

Drei Jahre machen die Zwei nun schon zusammen Musik und es hat von Anfang an gut harmoniert. Nachdem sie sich kennengelernt haben, fanden sie schnell zur Musik, sangen gemeinsam und experimentierten. Und eine weitere Leidenschaft teilen die zwei Koblenzer: Ihre Vorliebe für Skandinavien und Reisen, woher auch der Name Polaroad kommt.

Babiak: Polaroad ist tatsächlich eine Mischung aus unserer Skandinavien-Sehnsucht und dem Fernweh, das uns antreibt, verbunden mit der Unsicherheit, ob man schon dort angekommen ist, wo man hin will. Zugleich ist es eine Anspielung auf unsere gemeinsame Vorliebe für analoge Fotografie. Der Name ist vielfältig, authentisch und intim – genau wie unsere Musik.

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