Campusleben
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Herausforderung Datenschutz

Arbeiten, mit Freunden kommunizieren, einkaufen - alles geschieht heute online und mit jedem Klick hinterlassen wir eine Spur im Netz. Wie wir unsere Privatsphäre im Internet schützen können, verrät Dr. Michael Möhring im Interview. Foto: unsplash/rawpixel Arbeiten, mit Freunden kommunizieren, einkaufen - alles geschieht heute online und mit jedem Klick hinterlassen wir eine Spur im Netz. Wie wir unsere Privatsphäre im Internet schützen können, verrät Dr. Michael Möhring im Interview. Foto: unsplash/rawpixel

Würde Goethes Faust in heutigen Tagen spielen, lautete die Gretchenfrage wohl: „Wie hältst du es mit dem Datenschutz?“ Der Datenschutzbeauftragte des Campus Koblenz, Dr. Michael Möhring, ist Experte auf diesem Gebiet und gibt Tipps, wie man seine Privatsphäre trotz Datenkraken im Internet schützt.

Der Datenschutz ist ein wichtiger Teil Ihres beruflichen Lebens. Was interessiert Sie persönlich an diesem Thema?

Mich interessiert besonders, wie Informationstechnik und der Umgang mit Daten sich in der Praxis auf das gesellschaftliche Leben auswirken. Ich denke, sich mit der rein technischen Seite der Informatik auseinanderzusetzen, ist nicht genug. Erst das Zusammenspiel mit der Lebenswelt der Menschen macht das Ganze interessant. Das spiegelt sich auch in meiner Tätigkeit als Dozent hier an der Universität wider. Im jährlichen Rhythmus biete ich die Veranstaltungen Datenschutz und Informationsgesellschaft an. Außerhalb der Universität ist mir als Mitglied des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) das Thema der Wechselbeziehung zwischen Informationstechnik und Gesellschaft ebenfalls wichtig.

Was sind Ihre Aufgaben am Campus?

Ich bin der Ansprechpartner bei Datenschutzfragen, im wissenschaftlichen Bereich zum Beispiel bei der Erhebung empirischer Daten zu Forschungszwecken. Häufig werde ich auch von der Verwaltung angesprochen, zum Beispiel vom Studierendensekretariat oder dem Prüfungsamt. Sollen zum Beispiel Daten aus KLIPS auch für andere Zwecke verwendet werden, muss ich prüfen, ob die rechtlichen Grundlagen das zulassen und wenn ja, unter welchen Bedingungen das geschehen kann. Dann geht es um Fragen wie: Braucht man eine Einwilligung der betroffenen Personen? Wenn ja, wie muss diese aussehen? In meinen Aufgaben verbinde ich also die technisch-organisatorische mit der juristischen Seite. Auch den Studierenden bin ich gern als Ansprechpartner bei Datenschutzfragen behilflich.

Was macht ihre Arbeit besonders?

Ich würde sagen, dass vor allem die Anfragen aus dem wissenschaftlichen Bereich die Arbeit hier besonders machen. Durch die Forschung, die an der Universität Koblenz-Landau betrieben wird, werden viele, teils sehr sensible Daten aus ganz unterschiedlichen Kontexten konzentriert. Dabei müssen rechtliche Grundsatzprinzipien eingehalten werden. Wenn ich zu einem Fragebogen eine Datenschutzerklärung formuliere, geht es aber nicht nur darum, eine rechtliche Absicherung zu schaffen. Ich muss mir auch Gedanken darüber machen, wie ich diese Maßnahmen den Beteiligten am besten nahe bringe. Das kann darüber entscheiden, ob ein Vertrauensverhältnis zwischen Forschenden und Befragten entsteht und eine Datenerhebung überhaupt erst möglich wird. Es geht eben nicht nur um Daten, sondern immer auch um Menschen.

Der Diplom-Informatiker Dr. Michael Möhring ist neben der Forschung und Lehre für das Institut Wirtschafts- und Verwaltungsinformatik auch mit dem Datenschutz am Campus Koblenz betraut. Foto: Natalie Henzgen

Der Diplom-Informatiker Dr. Michael Möhring ist neben der Forschung und Lehre für das Institut Wirtschafts- und Verwaltungsinformatik auch mit dem Datenschutz am Campus Koblenz betraut. Foto: Natalie Henzgen

In welche Datenfallen geraten Studierende am häufigsten?

Generell legen Menschen heutzutage eine sehr große Offenheit im Umgang mit ihren persönlichen Daten an den Tag. Studierende sind da keine Ausnahme. Zum Beispiel werden die Social Media-Plattformen zunehmend zur Studienorganisation genutzt und im Zuge dessen Daten bei Facebook hochgeladen, die besser auf den institutseigenen Kommunikationsplattformen aufgehoben wären. Die bequeme Handhabung solcher Plattformen ist verführerisch. Trotzdem sollte man darauf achten, gewisse Inhalte nicht leichtfertig in die Außenwelt zu tragen.

Wem nutzen meine Daten und wofür?

Apps werden vielleicht kostenlos angeboten, sind aber nicht umsonst. Zahlen muss ich meist mit meinen persönlichen Daten, die erhoben, genutzt und an Dritte weitergegeben werden. Häufig sind das Unternehmen aus dem privatwirtschaftlichen Bereich. Die können sich dafür interessieren, welche Webseiten ich besuche, welche Apps ich nutze oder wie mein Suchverlauf auf Google aussieht. Auf Grundlage dieser Daten konzipieren diese Unternehmen personalisierte Werbung. Da werden einem passend zur kürzlich gekauften Stereoanlage Anzeigen für Lautsprecher und Kopfhörer präsentiert. Das kann ich als störend oder nützlich empfinden – auf jeden Fall aber wird meine Aufmerksamkeit gezielt in eine ganz bestimmte Richtung gelenkt.

Welche Tipps haben Sie im Bezug auf Datenschutz im Alltag?

Grundsätzlich hilft es schon, wenn man sich einfach ab und zu die Frage stellt: „Brauche ich das wirklich?“ Viele Apps und Messenger-Dienste sind zwar komfortabel, aber auch die reinsten Datenkraken. Ich glaube, man könnte auf einige davon verzichten, ohne, dass es einem weh tut. Ist es wirklich notwendig, dass eine Taschenlampen-App meinen Standort speichert? Mit einer kurzen Änderung der Standardeinstellungen kann ich so etwas unterbinden. Darüber hinaus sollte man sichergehen, dass die Betriebssysteme, die man verwendet, die neuesten Updates haben. Seinen Browser kann man unter dem Reiter Datenschutz so einrichten, dass keine Daten an Dritte weitergeleitet, Cookies unterbunden und Suchverläufe automatisch gelöscht werden. Zusätzlich gibt es sogenannte Anti-Tracking-Add-Ons wie Disconnect, Ghostery oder NoScript die man kostenlos auf seinem Rechner oder Smart-Phone installieren kann. Diese Programme zeigen vorhandene Tracker an und machen es möglich, selbst zu entscheiden, ob man die Weitergabe der Daten möchte oder nicht. Bewährt hat sich auch die Devise: Nicht auf alles klicken, was wie ein Link aussieht.

Ist der Trend hin zum gläsernen Mensch noch aufzuhalten?

Die massenhafte Erhebung und Verarbeitung von Daten wird kaum aufzuhalten sein und die Sensibilisierung der Nutzer ist definitiv eine Herausforderung. Es kann ja auch viele Vorteile mit sich bringen, seine persönlichen Daten zur Verfügung zu stellen. Ich denke da zum Beispiel an Fitness-Tracker, die einem verraten, wie schnell man gelaufen ist und wieviele Kalorien man verbrannt hat. Diese Herausforderung sollte uns aber nicht entmutigen. Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie das Bewusstsein der Menschen in Bezug auf den Datenschutz steigern. Diese Erfolge lassen sich auch auf internationaler Ebene beobachten. Im Jahr 2016 hat die EU sich nach langen Debatten und Verhandlungen endlich auf eine gemeinsame Datenschutz-Grundverordnung geeinigt. Das ist ein Meilenstein.

Ich bin überzeugt, dass der Datenschutz auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen und Fortschritte machen wird. Privatsphäre wird ein Wert innerhalb unserer Gesellschaft bleiben. Meiner Meinung nach braucht eine pluralistische Gesellschaft neben dem öffentlichen Diskurs immer auch geschützte Räume des Andersseins. Dafür werden wir den Datenschutz in Zukunft mehr denn je brauchen.

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