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GeKOS: Stark für Integration

Als erstes Mentorenprojekt in Rheinland-Pfalz ist GeKOS in die universitäre Lehre eingebunden. Prof. Dr. Heike de Boer hat die wissenschaftliche Leitung inne. Organisiert wird GeKOS von dem Koblenzer Promovenden Benjamin Braß. Foto: Marius Adam Als erstes Mentorenprojekt in Rheinland-Pfalz ist GeKOS in die universitäre Lehre eingebunden. Prof. Dr. Heike de Boer hat die wissenschaftliche Leitung inne. Organisiert wird GeKOS von dem Koblenzer Promovenden Benjamin Braß. Foto: Marius Adam

Interkulturelles Verständnis und Aufgeschlossenheit sind heute überall gefragt: In fast allen gesellschaftlichen Bereichen treffen wir auf fremde Kulturen und Lebenswelten. Gerade für angehende Lehrer, die sich später in der Schule mit der Integration von Flüchtlingskindern befassen werden, ist der Erwerb solcher Kompetenzen unabdingbar. Das Projekt “Gemeinsam entdecken Kinder ihren Ort mit Studierenden”, kurz GeKOS, bietet diese Möglichkeit. Eingebunden in die universitäre Lehre im Fachbereich 1 (Bildungswissenschaften) am Campus Koblenz positioniert es sich gegen Fremdenfeindlichkeit.

Seit einem halben Jahr betreut die Koblenzer Studentin Giulia Schmitz einen achtjährigen Jungen mit Fluchthintergrund aus Rübenach. Wenn die Zwei zusammen unterwegs sind, gibt es viel zu entdecken: Sie spazieren am Bach entlang, beobachten Schafe, besuchen den städtischen Wildpark, spielen gemeinsam oder erkunden die Natur und die Umgebung von Koblenz. “Am Anfang war er sehr schüchtern, aber inzwischen erzählt er von sich aus von der Schule und ist sehr neugierig auf alles, was es zu entdecken gibt”, erzählt Schmitz. Die 24-jährige und der Flüchtlingsjunge sind in den letzten sechs Monaten ein richtiges Team geworden.

Initiiert wurde dieses Tandem durch das Projekt „Gemeinsam entdecken Kinder ihren Ort mit Studierenden“ (GeKOS). Dessen Ziel ist es, eine aktive Unterstützung im Bereich der Integration zu leisten und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Als erstes Mentorenprojekt dieser Art in Rheinland-Pfalz ist es in die universitäre Lehre der Grundschulbildung am Campus Koblenz eingebunden und wissenschaftlich begleitet durch Prof. Dr. Heike de Boer und die wissenschaftlichen Mitarbeiter Benjamin Braß und Henrik Bruns.

Die Universität positioniert sich

“Im Frühjahr 2015 war die Flüchtlingsthematik medial präsent und es kam die Frage auf, wie man sich als lehrerbildende Institution positioniert”, berichtet Braß von der Anfangsidee des Projekts. “Wir wollen ein Zeichen setzen gegen Fremdenfeindlichkeit und für das voneinander und miteinander Lernen”, ergänzt de Boer. Flüchtlingskinder sind in Deutschland vom ersten Tag an schulpflichtig und müssen in den Schulalltag integriert werden. Da dies nicht nur durch einen theoretischen Diskurs erreicht werden kann, sondern aktiv gestaltet werden muss, wurde GeKOS in die universitäre Lehre eingebunden. So können angehende Lehrer besser auf den späteren Schulalltag vorbereitet werden. “Es ist eine Gewinn für beide Seiten”, weiß Braß, der als Projektkoordinator die Organisation inne hat. “Die Studierenden setzen sich mit kulturellen Thematiken auseinander und die Kinder erhalten eine direkte Hilfestellung bei der Integration.”

Engagiert: Giulia Schmitz (24) hat die Patenschaft für einen 8-jährigen Jungen übernommen. Foto: Adrian Müller

Engagiert: Giulia Schmitz (24) hat die Patenschaft für einen 8-jährigen Jungen übernommen. Foto: Adrian Müller

Vertrauen ist der Anfang

Während zwei sogenannter “Start days” an der Grundschule in Rübenach und der Medardus-Grundschule in Bendorf, die für GeKOS mit der Universität kooperieren, wurden die Eltern über das Projekt informiert. “Von Anfang an haben wir mit den Flüchtlingshelfern und Lehrern vor Ort zusammengearbeitet, Übersetzer akquiriert und Kontakt zu den Eltern gesucht, denn Vertrauen ist der erste wichtige Schritt zum Erfolg”, erzählt Braß.

Die 42 Studierenden nahmen zunächst an Einführungsveranstaltungen mit verschiedenen Experten-Vorträgen teil, um gut vorbereitet zu sein. Im Oktober 2015 startete dann die praktische Arbeit in den Grundschulen. “Acht Monate besteht das Betreuungsverhältnis, im derzeit ersten Durchlauf also noch bis Juli. Im kommenden Wintersemester geht es dann in die zweite Runde”, erklärt Braß die Struktur des Projekts.

Gewinn für Studierende und Kinder

Wie Schmitz treffen sich auch die anderen Studierenden mit ihrem Tandem-Partner einmal pro Woche, um gemeinsam zwei bis drei Stunden zu verbringen. Dann stehen gemeinsame Unternehmungen an, Plätzchen backen, spielen und vor allem viel Deutsch sprechen. “Bei Kindern gibt es meist keine großen sprachlichen Barrieren”, berichtet Schmitz von ihrer Aufgabe. “Für sie ist es viel einfacher, als für Erwachsene, eine andere Sprache zu lernen. Wir gehen dabei spielerisch vor und lernen auf informelle Weise.”

Neben dem sprachlichen Aspekt des Tandems fungieren die Studierenden auch als Ansprechpartner für die Kinder und bieten Orientierung in der zunächst fremden Umgebung. Auch die angehenden Lehrer profitieren vom Projekt: “Unsere Studierenden erhalten einen Einblick in andere und fremde Kulturen und die persönlichen Fluchtgeschichten und Hintergründe der Kinder, wodurch sich ihre Perspektive ändert und schulisch-normative Erwartungen daran angepasst werden”, verdeutlicht de Boer. Begleitet wird die praktische Arbeit vor Ort durch drei Veranstaltungen zur Aufarbeitung und Reflexion der Erlebnisse mit den Flüchtlingskindern.

Ein positiver Projektstart

Noch bis 2020 läuft das GeKOS-Projekt in Koblenz. Finanziert wird es durch die Ministerien für Bildung und Integration des Landes Rheinland-Pfalz sowie die Schöpflin Stiftung. Als Pendant gibt es in Landau das Projekt SpraKult, das sich ebenfalls mit der Flüchtlingsthematik und deren Auswirkungen für die Lehrerbildung befasst.

“Das Projekt ist gut angelaufen”, resümiert Braß das vergangene halbe Jahr. “Die Studierenden berichten von vielen positiven Erfahrungen.” De Boer bekräftigt: “Das Projekt ist enorm wichtig für die Professionalisierung unserer zukünftigen Lehrer.” Auch für die Studentin Schmitz ist jede Woche ein kleines Highlight und Beweis dafür, dass GeKOS positive Wirkung zeigt: “Es ist unglaublich, wie viel Dankbarkeit einem entgegengebracht wird. Die ganze Familie wartet immer schon auf mich und die Mutter bedankt sich viele Male für die Zeit, die ich mit ihrem Sohn verbringe.” Auch wenn die offizielle Partnerschaft im Juli endet, ist sich die Studentin sicher, dass sie und ihr kleiner Partner auch weiterhin in Kontakt bleiben und gemeinsame Ausflüge machen werden.

Ab dem Wintersemester 2016/17 startet GeKOS in die zweite Runde. Interessierte Studierende finde Informationen auf der Homepage des Projekts oder können eine Email an die Verantwortlichen schreiben: gekos@uni-koblenz.de

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