Promovierende im Interview
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Der Einfluss außerschulischen Lernens auf geometrisches Wissen bei Grundschülern

Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer neuen Serie “Promovierende im Interview” berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren Sie ihr Arbeitspensum? Kerstin Sitter ist Doktorandin am Institut für Mathematik in Landau und untersucht, wie die Vernetzung von außerschulischem und schulischem Lernen in Verbindung mit Protokollen die Entwicklung geometrischen Wissens bei Viertklässlern unterstützen kann.

Beschreiben Sie ihre Forschung in drei Sätzen.

In meiner Dissertation untersuche ich, wie Viertklässler in einer außerschulischen Lernumgebung ihr geometrisches Wissen und Können mit Körpern dauerhaft ausbilden – und mithilfe von Protokollen festigen können. In der empirischen Untersuchung ging es daher für die Grundschüler mit dem Skizzenblock unter dem Arm in die außerschulische Lernumgebung nahe der Schule, wo sie ausgewählte Gebäude unter geometrischen Gesichtspunkten betrachten und erste Entdeckungen mit Hilfe des Skizzenblocks festhalten sollten. Später wurden die Aufzeichnungen im Klassenzimmer überprüft, vervollständigt und in einer abschließenden Reflexionsphase im Sitzkreis besprochen.

Der Einsatz solcher Protokolle soll den grundschülern gelfen, geometrisches Wissen sicher zu verinnerlichen. Protokoll: Kerstin Sitter

Der Einsatz dieser Protokolle soll den Grundschülern helfen, geometrisches Wissen sicher zu verinnerlichen. Protokoll: Kerstin Sitter

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Spannend ist für mich vor allem die Verbindung  von schulischem und außerschulischem Lernen. Es war toll zu sehen, wie die Schüler in der außerschulischen Lernumgebung ihre Beobachtungen im Skizzenbuch fixiert haben. Im normalen Unterricht sind geometrische Formen ja meist lediglich mit zweidimensionalen Abbildungen aus Schulbüchern vermittelbar. Interessant war auch, wie begeistert die Kinder über die entdeckten Formen diskutiert und sie später im sogenannten „Forscherheft“ ausgearbeitet und vervollständigt haben.

Warum haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Meine Betreuerin, Dr. Renate Rasch, Professorin am Institut für Mathematik hat mich nach Abschluss meines Studiums gefragt, ob ich eine Promotion anschließen möchte. Im ersten Moment konnte ich es gar nicht fassen, denn Frau Dr. Rasch war schon während des Studiums ein großes Vorbild für mich. Daher bin ich sehr glücklich, mich dafür entschieden zu haben. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und ist unglaublich bereichernd.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits zusätzlich zu Ihrer Promotion?

Ich habe bereits an einer Vielzahl von Tagungen teilgenommen, einerseits um mein Forschungsprofil zu schärfen, aber auch um andererseits mein Projekt einem kompetenten Publikum vorzustellen. Dazu zählen unter anderem die Jahrestagung der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM), die ich bereits zwei Mal besucht habe, sowie eine Tagung der Arbeitsgruppe für Empirische Pädagogische Forschung (AEPF). Im Sommer wird zudem ein Artikel in der Zeitschrift “Grundschulunterricht Mathematik” mit dem Titel „Grundfläche zeichnen, Spitze markieren, Kanten antragen – so einfach kann räumliches Zeichnen sein“ erscheinen. Derzeit begleite ich außerdem das SINUS-Fortsetzungsprojekt im Saarland „Module für den Geometrieunterricht“ von Frau Rasch. Zu meinen Aufgaben zählt hier die Evaluation der Wirksamkeit der erprobten Module.

Was sind ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

Natürlich will ich zunächst meine Promotion erfolgreich abschließen. Anschließend möchte ich eventuell noch einen Schritt in die Lehre wagen, danach aber mein Referendariat absolvieren und als Grundschullehrerin arbeiten. Der Beruf  ist nach wie vor mein Traumberuf. Ob ich irgendwann zurück an die Uni komme, wird sich zeigen. Wer weiß, vielleicht findet sich ja auch ein Kompromiss zwischen Uni und Schule. Ich bin gespannt.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Wichtig ist freilich der Spaß am Forschen, am wissenschaftlichen Arbeiten sowie Ausdauer und eine selbstständige, strukturierte Arbeitesweise. Zudem bedarf es Mut und Selbstbewusstsein. Für mich kostet es auch heute noch ein wenig Überwindung, vor einem Fachpublikum zu sprechen. Aber auch das habe ich gemeistert.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge ihrer Promotion?

Neben der Promotion bin ich in Abläufe und das Geschehen am Institut für Mathematik involviert. Ich betreue Studierende im Rahmen ihrer Bachelorarbeit, bin Beisitzerin bei Prüfungen und beteilige mich an der Organisation verschiedener Veranstaltungen. Weiterhin bin ich stellvertretendes Mitglied im Promotionsausschuss im Fachbereich 7.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

Ich habe bereits verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten des IPZ oder auch des Methodenzentrums in Landau wahrgenommen. Darunter zum Beispiel ein Methodenworkshop zum wissenschaftlichen Schreiben und ein Kurs zur Auswertung empirischer Daten. Zudem besuche ich hin und wieder Vorlesungen im Bereich der Forschungsmethodik, Diagnostik und Evaluation. Vor kurzem habe ich außerdem die GDM-Summerschool sowie einen Methodenworkshop in Gießen besucht.

Wie organisieren Sie ihr Arbeitspensum?

Ich bin ein sehr zielstrebiger Mensch, daher helfen mir Termine. Ich setze mir viele Deadlines und führe einen klaren Zeitplan. Morgens steht das Schreiben meiner Dissertation an erster Stelle, nachmittags setze ich mich an die Auswertung der Daten im Rahmen des SINUS-Fortsetzungsprojektes, betreue Studierende, kläre Organisatorisches oder gebe Interviews (lacht).

1 Kommentare

  1. Michaela Kirchner sagt

    Ich finde die neue Serie “Forschung vorgestellt” richtig spannend. Weiter so und ich freue mich schon auf die nächsten Berichte.

    Viele Grüße,
    Michaela Kirchner

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