Promovierende im Interview
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Elternzeit: Neuland für Männer?

Carolin Scheifele forscht in ihrer Promotion zum Thema Elternzeit für Männer. Foto: Philipp Sittinger

Carolin Scheifele forscht in ihrer Promotion zum Thema Elternzeit für Männer. Foto: Philipp Sittinger

Welche Rolle soll ein Mann nach der Geburt seines Kindes übernehmen? Geldverdienen oder Kinderbetreuung und Hausarbeit? Carolin Scheifele ist 27 Jahre alt, studierte Psychologin und beschäftigt sich in ihrer Promotion mit Faktoren, die beeinflussen, ob Männer Elternzeit nehmen oder nicht. Dass sie dabei ein gesellschaftlich relevantes Thema verfolgt, spornt sie umso mehr an.

Die Serie: Sie forschen, organisieren Tagungen oder schreiben Fachartikel: In unserer Serie “Forschung vorgestellt” berichten wir über Promovierende und ihre Forschung an unserer Universität. Und fragen: Was ist ihr Thema? Was sind ihre Leidenschaften? Wieso haben sie sich für eine Promotion entschieden? Wie organisieren sie ihr Arbeitspensum?

Bitte beschreiben Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen.

Meine Dissertation trägt den Arbeitstitel Paternal leave: An examination of the internal route to men’s participation in communal roles. Ich fokussiere mich darin auf die Elternzeit bei Männern. Momentan können wir erleben, wie sich die gesellschaftlichen Geschlechterrollen verschieben. Immer mehr Frauen streben zum Beispiel Führungspositionen an. Bei Männern ist dieser Wandel im gleichen Ausmaß nicht festzustellen. Das betrifft die Pflege, den Haushalt oder die Elternzeit. Gründe hierfür können externe Faktoren sein, wie die Bezahlung oder das öffentliche Prestige. Ebenso können individuelle Vorstellungen von Männlichkeit und Fürsorge im Familienleben maßgebend sein. Anhand von Laborexperimenten möchte ich zunächst feststellen, welche Aspekte ausschlaggebend dafür sind, dass Männer Interesse daran haben Elternzeit zu nehmen. Danach werde ich im Feld Daten von angehenden Eltern erheben, um herauszufinden, welche Faktoren beeinflussen wie Paare Elternzeit aufteilen.

Elternzeit bei Männern klingt nach einem hochaktuellen Thema.

Das ist einer der Gründe, warum mich dieses Thema brennend interessiert. In großen Teilen der Medien wird es diskutiert, denn die Elternzeit hat Auswirkungen auf zahlreichen Ebenen. Angefangen bei den Kindern, über den Partner, bis hin zu den eigenen Kollegen und den Männern selbst. Es gibt Hinweise darauf, dass sogar die traditionellen Rollenvorstellungen der Großeltern durch die Elternzeit des Mannes liberaler werden.

Denken Sie, dass Sie bei Ihren Probanden mit Vorurteilen zu kämpfen haben werden?

Zunächst interessiere ich mich für den Ist-Zustand. Es geht mir darum, die Prozesse zu verstehen und neue Einsichten zu gewinnen. Mit Vorurteilen kämpfen werde ich eher nicht mit den Probanden. Das würde bedeuten, dass ich eine konkrete Agenda verfolgen würde. Stattdessen konzentriere ich mich auf eine möglichst objektive Forschung. Ich denke, dass beispielsweise Studierende dem Thema offener gegenüberstehen als andere. Mein Anspruch ist es aber, einen gesellschaftlichen Querschnitt zu verfolgen. In Deutschland liegt die Quote der Elternzeit bei Männern bei etwa 30 Prozent. Die Gründe hierfür gilt es zu erforschen.

Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Abgesehen davon, dass ich es für ein gesellschaftlich hoch relevantes Thema halte, habe ich ein persönliches Interesse daran. Mir war klar, dass ich eine Promotion im Bereich der Genderforschung anstrebe. Da es bisher weniger Forschung zur Rolle von Männern gibt, wollte ich mich auf diesen Bereich fokussieren. Ich halte die Position des Mannes für ebenso wichtig und entdeckenswert.

Haben Sie schon Ergebnisse, über die Sie berichten können?

Da ich erst seit April 2018 promoviere, kann ich bisher von keinen Ergebnissen berichten. Ich habe mein Exposé fertig, mein Konzept ist aufgestellt und im anstehenden Semester beginnt die Datenerhebung.

Wieso haben Sie sich für eine Promotion entschieden?

Ich habe bereits früh erkannt, dass mir das wissenschaftliche Arbeiten Spaß macht. Dazu zählt sowohl die Theorie als auch die Praxis. Seit meinem Bachelorstudium verfolge ich dieses Ziel. Ich habe an mehreren internationalen Forschungspraktika teilgenommen. Meine ersten führten mich nach Tansania und Uganda, wo ich die Evaluation eines Trainings zum Thema Entrepreneurship durchführte. Im Master absolvierte ich am Center for Social and Cultural Psychology an der KU Leuven in Belgien ein Praktikum. Dort habe ich vor allem an Forschungsprojekten mitgewirkt. Hier habe ich mit Prof. Dr. Colette van Laar meine Zweit-Betreuerin gefunden.

Wie wird Ihre Promotion finanziert?

Aktuell wird meine Promotion über eine 50-Prozent-Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitseinheit Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftspsychologie am Campus Landau finanziert. Es sind außerdem Anträge auf Forschungsgelder in Planung.

Welche zusätzlichen wissenschaftlichen Aktivitäten planen oder machen Sie bereits neben der Promotion?

Im Moment arbeite ich mit Kollegen, zum Beispiel meiner Doktormutter Professor Dr. Melanie Steffens, an einigen Papern.  Außerdem bin ich an einer länderübergreifenden Datenerhebung beteiligt. Es geht dabei um Einstellungen zur Aufteilung von Arbeit von Frauen und Männer aus über 50 Nationen. Des Weiteren plane ich die Teilnahme an wissenschaftlichen Tagungen, sobald erste Ergebnisse vorliegen. Ein Workshop in Saarbrücken und ein Forschungsaufenthalt in Belgien sind ebenso in Planung.

Was sind Ihre beruflichen Pläne für die Zukunft?

Ich kann mir vorstellen weiterhin in der Wissenschaft tätig zu sein. Da dies aufgrund befristeter Stellen mit viel Unsicherheit verbunden ist, halte ich mir andere Möglichkeiten offen. Wohin ich stattdessen gehen sollte, weiß ich bislang noch nicht genau.

Was sollten Studierende mitbringen, die an eine Promotion denken?

Eine Kombination aus inhaltlichem Interesse und Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten halte ich für das Wichtigste. Ansonsten wird die Promotionsphase nicht leicht werden. Schließlich handelt es sich um einen langen Prozess. Um selbstständig arbeiten zu können ist es gut, motiviert und selbstdiszipliniert zu sein. Ebenso sollte man kritisch denken und gleichzeitig kreative Ideen einbringen können, um einen neuen Beitrag zur Forschung zu leisten. All diese Aspekte sind aber auch während der Promotion ausbaubar und erlernbar.

Welche Aufgaben ergeben sich noch im Zuge Ihrer Promotion?

Ich konzentriere mich auf die anstehende Datenerhebung. Außerdem bin ich in der Lehre tätig und habe letztes Semester das Bachelor-Kolloquium und -Propädeutikum unserer Arbeitseinheit geleitet. Hier können die Studierenden ihre Forschung vorstellen und das nötige Handwerkszeug zum Aufsetzen ihrer Abschlussarbeit erlernen. Dieses Semester bin ich als Teaching Assistent tätig. Ich unterstütze eine US-amerikanische Forscherin vor Ort bei ihren Seminaren und dem organisatorischen Ablauf an der Universität Koblenz-Landau.

Was unternehmen Sie, um sich zusätzlich zu qualifizieren?

Ich plane an diversen Workshops und Summer Schools teilzunehmen und nutze die zahlreichen Angebote des Interdisziplinären Promotionszentrums. Vor kurzem wurde ich dort in den Beirat gewählt, um die Interessen der übrigen Promovierenden zu vertreten. Über Online-Kurse und das Methodenzentrum der Universität bilde ich mich in Statistik sowie Programmierung weiter.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf?

Ich starte den Tag meistens mit den großen Aufgaben meiner Promotion, da ich zu dieser Uhrzeit besonders leistungsstark bin. Nachmittags bereite ich die Lehre vor und arbeite Termine ab. Oft ist das Tagesgeschäft auch abhängig von meinen Betreuerinnen, wenn ich zum Beispiel auf Feedback warte. Ich orientiere mich an einem übergeordneten Zeitplan und stecke mir Zwischenziele, die ich kurzfristig erreichen will. Das ist aber nur möglich, indem man einen gesunden Ausgleich zur Forschung findet. Für mich ist das Yoga, Reiten und Mountainbiken. Im besten Fall in Verbindung mit meinem Partner oder Freunden. Wenn manchmal etwas Zeit für mich bleibt, freue ich mich besonders.

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