Kolumne
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Der Sinn im Unsinn

Einfach mal loslassen und die Dinge nicht so ernst nehmen - darum geht es in unserer heutigen Kolumne. Foto: Fotolia/lassedesignen Einfach mal loslassen und die Dinge nicht so ernst nehmen - darum geht es in unserer heutigen Kolumne. Foto: Fotolia/lassedesignen

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Lisa Engemann hat festgestellt, dass Unsinn durchaus Sinn machen kann und sogar dabei hilft, den Ernst des Lebens locker zu nehmen.

Ich habe mein Leben gern unter Kontrolle. So geht es vielen Menschen, deshalb analysieren wir unseren Körper, unser Verhalten, unsere Psyche. Big data hilft dabei, denn im Smartphone vereint sich unser inneres und äußeres Leben. Wir wollen alles im Blick behalten und verstehen, was vor sich geht. Was wir nicht verstehen, erklären uns Wissenschaftler, Gurus und andere Experten. Die Lebensziele sind ehrgeizig, die Erwartungen groß. Alles, was wir tun, tun wir, um schöner, erfolgreicher, mächtiger oder was auch immer zu sein. Dafür investieren wir viel Zeit und Geld. Überall schreit es uns entgegen: „Kauf mich und befolge meinen Rat, dann wirst du ein tolles Leben haben.“ I make you sexy, versprochen. Keine Minute wird verschwendet, unser Handeln ist möglichst effizient. Nichtstun ist out.

Okay, das sollte reichen. Vielleicht erkennt der ein oder andere hier sein Spiegelbild. Wenn nicht, umso besser. Allen anderen geht es so wie mir. Wir nehmen das Leben ernst und wollen immer das Richtige tun. Sind wir deshalb glücklicher, als diejenigen, die keinen Wert auf Perfektion, zeitliche Effizienz oder eine kontrollierte Work-Life-Balance legen? In meinen Augen nicht. Je mehr wir darüber nachdenken, wie wir erfolgreicher und glücklicher Leben können, desto verkrampfter nähern wir uns dem Burn-out. Was läuft da schief?

Locker lassen tut gut

Zum Erwachsenwerden gehört das Grübeln über die Zukunft. Bei mir hat das dazu geführt, dass ich vor allem Dinge tue, von denen ich glaube, dass sie mich besser machen und meinem Leben einen Sinn geben. Schließlich habe ich Ziele, aus mir “soll mal was werden”. Dinge, die in meinen Augen sinnlos sind, habe ich deshalb links liegen gelassen und verächtlich auf Unterhaltung geschaut, die nur eines im Sinn hat: zu unterhalten. Nicht zu bilden, aufzuklären oder zu reflektieren. Keine tiefgründigen, komplizierten und anspruchsvollen Botschaften, die übermittelt werden. Primitiv und sinnlos, einfach Blödsinn. Zum Beispiel beglücken uns Radiosender mit „Holzi, Holzi, Holz!“. Die 257ers können mit diesem Lied über Holz für das Alter vorsorgen, denn sie werden dafür gefeiert. Gefeiert werden auch Spaßrapper aus den Niederlanden für einen Song, der keine andere Message hat als Kontrollverlust. Oder doch? Ich habe das Gefühl, sie alle wollen mir sagen: „Lass doch mal los!“ Und zwar nicht im Tonfall eines Coaches. Sondern auf die kindische, blödsinnige und ineffiziente Art: „Dreh mal durch, laber mal Mist.“ Viele wissen es noch nicht, aber sie haben Unsinn bitter nötig. Wenn wir alles ernst nehmen und nur für richtig halten, wenn es nach vernünftigen Kriterien wichtig erscheint – wo bleibt da der Spaß am Leben? Auf der Strecke.

Es ist nach wie vor wichtig, sich ernsthafte Gedanken zu machen. Und ich bin ein großer Fan von effizient genutzter Zeit und ehrgeizigen Plänen. Aber das Rationale braucht auch mal eine Pause. Warum nicht mal etwas machen, das ganz spontan und völlig sinnfrei ist? Dadurch passiert nichts Schlimmes. Ehrlich nicht, außer vielleicht, dass der versteifte Homo oeconomicus sich vor Lachen nicht halten kann. Und jetzt alle: „Holzi, Holzi, Holz!“

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