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Ein Auslandssemester in Dänemark

Lena Merkle im Palmengarten in Kopenhagen. Foto: privat Lena Merkle im Palmengarten in Kopenhagen. Foto: privat

Lena Merkle ist 21 Jahre alt und studiert im sechsten Semester Kulturwissenschaft. Das vierte Semester verbrachte sie an der Københavns Universitet. Seitdem ist sie ein Dänemark-Fan. Im Uniblog berichtet sie über ihre Erfahrungen und erklärt, warum sich ein Besuch in Kopenhagen immer lohnt.

Bezeichnend für Kopenhagen ist wohl das Wahrzeichen der Stadt: Die Kleine Meerjungfrau, eine Bronzefigur an der Uferpormenade, ist gerade knapp über einen Meter groß und doch ein echtes Kunstwerk. Auch die Stadt selbst ist mit 1,5 Mio. Einwohnern sicherlich kein Riese und dennoch jeden Besuch wert. Die dänische Hauptstadt ist wunderschön und schafft es, moderne Bauten mit historischen Gebäuden zu kombinieren: An jeder Straßenecke findet man einen Park, das Meer beginnt noch in der Stadt.

Die kleine Meerjungfrau ist das Wahrzeichen von Kopenhagen. Der Dichter H.C. Andersen, auf den die Geschichte zurückgeht, ist bis heute einer der bekanntesten Dänen überhaupt. Foto: Lena Merkle

Die kleine Meerjungfrau ist das Wahrzeichen von Kopenhagen. Der Dichter H.C. Andersen, auf den die Geschichte zurückgeht, ist bis heute einer der bekanntesten Dänen überhaupt. Foto: privat

Kopenhagen ist die Stadt der Fahrradfahrer und auch die Metro fährt rund um die Uhr. Mit zahlreichen Museen, Ladenstraßen und Clubs hat Kopenhagen auch sonst alles, was man sich wünschen kann – man muss es sich aber auch leisten können. Der skandinavische Staat schlägt bei einfach allem, wofür man Geld zahlen muss, voll zu. Fährt man über die Øresundsbron ins nahe gelegene Malmö, wird alles noch viel teurer. Dafür sind die Studierenden über die Uni kostenlos krankenversichert und wer hier sein gesamtes Studium absolviert, wird sogar vom Staat gefördert.

Die Dänen sind freundlich und sehr bodenständig. Menschen, die ihren Reichtum zur Schau stellen, sucht man hier vergebens – und das, obwohl der Großteil der Dänen sehr gut verdient und Arbeitslosigkeit kaum ein Thema ist. Selbst die dänische Königin ist für ihre Bodenständigkeit bekannt: Dronning Margarethe lässt sich bevorzugt in Gummistiefeln fotografieren. Das Volk liebt sie dafür.

Das Meer beginnt bereits in der Stadt. Im Hintergrund ist einer der schönsten Kirchtürme Kopenhagens zu sehen. Foto: privat

Das Meer beginnt bereits in der Stadt. Im Hintergrund ist einer der schönsten Kirchtürme Kopenhagens zu sehen. Foto: privat

Bodenständig sind die Dänen auch in anderen Dingen: Das nationale Wort (haben andere Nationen so etwas eigentlich auch?) ist hyggelig, was so viel wie gemütlich bedeutet und die bevorzugte Art bezeichnet, wie Dänen ihre Abende verbringen. Das Lieblingsessen der Dänen ist Smørbrød, Graubrot mit Belag und die Lieblingsblume ist – das Gänseblümchen.

Die sozialwissenschaftliche Fakultät der Uni Kopenhagen. Das Gebäude war früher ein Krankenhaus. Die Zimmer, die zu klein für Seminarräume sind, wurden zu unzähligen Arbeitsräumen umfunktioniert. Foto: Lena Merkle

Die sozialwissenschaftliche Fakultät der Uni Kopenhagen. Das Gebäude war früher ein Krankenhaus. Foto: privat

Besonders gefallen hat mir auch die Uni, wo Kurse mit acht bis 15 Studierenden die Regel sind und man mit seinen Dozenten, die man – so wie alle Menschen in Dänemark – duzt, auch mal einen Kaffee trinken geht. Auch werden regelmäßig Menschen aus Wirtschaft und Politik oder bekannte Dozenten zu Gastvorträgen, Fragerunden oder Kooperationsprojekten eingeladen. Freie, gute Bildung ist hier ein Grundwert.

Vor einige Rätsel hat mich jedoch die dänische Sprache gestellt. Ich würde sagen, dass Dänisch eine durchaus erlernbare Sprache ist, wenn sie einem auch nicht gerade in den Schoß fällt. Doch gerade als Deutscher hat man einige Vorteile, sowohl was die Grammatik als auch das Vokabular angeht. Ich habe etwa ein halbes Jahr vor Beginn des Erasmus-Semesters mit dem Lernen begonnen. In  Kopenhagen angekommen erlebte ich  jedoch eine herbe Überraschung, denn wer Dänisch lesen kann, kann noch lange keine Unterhaltung verstehen. Spaß macht es trotzdem.

Ich muss zugeben, dass ich vor meinem Auslandssemester nie daran gedacht habe, ausgerechnet nach Dänemark zu gehen. Mein Wunsch war eigentlich Schweden, doch die Erasmuspartnerschaft bestand mit Kopenhagen. Die meisten Menschen, denen ich davon erzählte, waren eher verblüfft, dass ich mir kein außergewöhnlicheres Land ausgesucht habe. Meiner Erfahrung nach haben Süddeutsche Dänemark kaum auf dem Schirm. Und gerade Norddeutsche denken, dass Dänemark gar nicht wirklich als Ausland gilt. Es lässt sich wohl nicht bestreiten, dass Dänemark sicherlich nicht das exotischste Land für einen Studienaufenthalt ist. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt, so sehr, dass ich es gar nicht erwarten kann, diesen Sommer wieder einige Wochen in Dänemark zu verbringen. Das ist auch einer der Vorteile von Erasmus: Die Ziele sind schnell und einigermaßen günstig zu erreichen.

Amager Strand mit Blick auf die Øresundsbron. Dieser Strand hat seine eigene Metrohaltestelle. Foto: privat

Amager Strand mit Blick auf die Øresundsbron. Dieser Strand hat seine eigene Metrohaltestelle. Foto: privat

Ich würde jedem empfehlen, einmal Kopenhagen zu besuchen und die skandinavische Lebensweise zu erleben. Wer dort ist, sollte sich folgende Dinge auf keinen Fall entgehen lassen:

  • Der Tivoli ist einer der ältesten Freizeitparks der Welt und trotz der Tatsache, dass er im Sommer von Touristen überflutet wird, lohnt sich ein Besuch.
  • Roskilde ist eine Stadt in der Nähe von Kopenhagen, die mit einem berühmten Dom, einem Wikingermuseum und einem der größten Musikfestivals Europas aufzuwarten hat.
  • Die Ny Carlsberg Glyptotek hat beides, eine beeindruckende Kunstsammlung und ein schönes Gewächshaus und ist sonntags kostenlos.
  • Das beste Eis gibt es in der Ismageriet. Besonders gut und besonders dänisch: Rhabarbereis. Die schönste Strecke, um es zu genießen, führt von Kopenhagen an der Küste entlang immer Richtung Norden.
Zu Mittsommer werden überall in der Stadt Feuer angezündet - auch auf dem Wasser. Foto: privat

Zu Mittsommer werden überall in der Stadt Feuer angezündet – auch auf dem Wasser. Foto: privat

Am besten erlebt man die Stadt, wenn man längere Zeit dort verbringt. Daher kann ich ein Auslandssemester in Kopenhagen jedem nur empfehlen. Und wenn man es einrichten kann, sollte man über Mitsommer fahren und sich die Feuer bei Sonnenschein ansehen – abends um 11.

Protokoll: Inga Stapel

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