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Auf den Spuren von… Julian Vollbracht, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sonderpädagogik

Julian Vollbracht leitet Seminare zum Thema „Möglichkeiten der Förderung“. Dort sollen Studierenden sich mit den Bestandteilen systemischer Beratung auseinandersetzen. Foto: Philipp Sittinger

Julian Vollbracht leitet Seminare zum Thema „Möglichkeiten der Förderung“. Dort sollen Studierenden sich mit den Bestandteilen systemischer Beratung auseinandersetzen. Foto: Philipp Sittinger

Julian Vollbracht hat nach seinem Abschluss nicht den üblichen Weg über das Referendariat in den Lehrerberuf eingeschlagen. Stattdessen verfolgte er seine Interessen und arbeitet heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter am sonderpädagogischen Institut am Campus Landau. Im Interview erzählt er von seinen Aufgaben, sowie den Vorzügen und Herausforderungen seiner Arbeitsstelle.

Sie sind wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sonderpädagogik am Campus Landau: Wie sind Sie an den Job gekommen?

Während des Studiums habe ich gemerkt, dass es für mich noch ungeklärte Fragen gibt. Fragen, die über das hinausgehen, was gelehrt wird und mit denen ich mich weiter beschäftigen wollte. Als ich dann Anfang des Jahres meinen Abschluss in der Tasche hatte, war gerade eine neue Stelle am Institut für Sonderpädagogik geschaffen worden, auf die ich mich bewarb.

Was sind Ihre Aufgaben?

Die Serie

Alumni-Porträts. Foto: Miguel Bruna/UnsplashWie soll es nach dem Abschluss weitergehen? Inspiration bieten Alumni der Universität Koblenz-Landau: In unseren Porträts erzählen sie von Karriere, Arbeitsalltag und Erinnerungen an die Studienzeit.

Ich leite zwei Seminare zum Thema Möglichkeiten der Förderung. Dort sollen die Studierenden eine selbst durchgeführte systemische Beratung mit Schülern reflektieren und sich mit den Bestandteilen systemischer Beratung auseinandersetzen. Außerdem betreue ich Haus- und Bachelorarbeiten und bin als Zweitprüfer tätig. Hinzu kommen interne Arbeiten am Institut, wie zum Beispiel die Organisation von Kooperationstreffen mit externen Dozierenden. Um Fachwissen anzureichern und mich weiterzubilden, lese ich natürlich auch sehr viel.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Das ist wirklich sehr unterschiedlich, da ich mir meine Arbeitszeiten größtenteils selbst einteilen kann. Eigentlich beginne ich jeden Arbeitstag damit, die E-Mails zu beantworten, die ich von Studierenden und Dozierenden bekomme. Mit der Vorbereitung auf die Seminare fange ich ungefähr drei Tage vor dem jeweiligen Termin an. Und wenn keine unmittelbaren Aufgaben anstehen, lese ich, beschäftige mich mit aktueller Fachliteratur und vergleiche die unterschiedlichen Perspektiven. Mittwochs halte ich meine Sprechstunde, aber natürlich bin ich auch außerhalb davon mit der Betreuung der Studierenden beschäftigt. Außerdem stehen unter der Woche häufiger offizielle Treffen des Instituts an.

Ihre Zeit als Student am Campus Landau ist noch nicht lang her. Ist es ein komisches Gefühl, nun selbst als Dozent zu unterrichten?

Auf jeden Fall. Vor allem, da einige Studierende so alt wie ich oder sogar älter sind. Viele von ihnen kenne ich aus meiner eigenen Studentenzeit – es ist schon merkwürdig, ein Seminar zu leiten, in dem ehemalige Kommilitonen sitzen.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Momentan ist es noch recht ungewohnt, mich in meiner neuen Position zurecht zu finden. Am schwierigsten finde ich es aber, neben der alltäglichen Arbeit auch mein eigenes Interessengebiet zu verfolgen, mir bewusst Zeit dafür zu nehmen und mich auf diesem Feld weiterzubilden.

Welches Themengebiet ist das?

Ich beschäftige mich hauptsächlich mit der systemisch-konstruktivistischen Erkenntnistheorie im Zusammenhang mit Lernen und Lernprozessen. Aus dieser Perspektive kann Lernen als ein eigenständiger Konstruktionsvorgang beschrieben werden, der abhängig von den Emotionen, Erfahrungen und der inneren Struktur des Einzelnen ist. Somit stellt sich die Frage, wie ich als Pädagoge Lernprozesse unterstützed begleiten kann und wie ich den Gegenüber zu jenen anrege. Nicht nur das “Was?” interessiert, sondern vor Allem das “Wie?”.

Wussten Sie schon zu Studienbeginn, was Sie später machen wollen?

Ehrlich gesagt nicht. Ich wusste immer, dass mich das wissenschaftliche Arbeiten interessiert. Aber ich hätte zu Studienbeginn nie gedacht, dass sich diese Chance für mich ergeben würde. Natürlich war gerade am Anfang der Lehrerberuf ein Traumjob, aber ich habe mir während des Studiums eigentlich immer offen gelassen, was ich danach tun möchte.

Bei einem Lehramtsstudium ist der Lehrerberuf ja eigentlich immer die erste Assoziation…

Ja, natürlich. Und ich würde es auch auf keinen Fall ausschließen, dass ich mein Referendariat mache und als Lehrer arbeite. Aber das Studium ist ein mehrjähriger Prozess, indem sich die eigene Perspektive verändert. Es tun sich neue Wege und Möglichkeiten auf, die man sich vor Studienbeginn nicht vorstellen konnte. Ich habe gemerkt, dass ich mich intensiver mit meinem Interessensgebiet beschäftigen möchte und danach schaue, wohin mein weiterer Weg mich führt.

Warum haben Sie sich für ein Studium an der Universität Koblenz-Landau entschieden?

Das hat sich damals nach meinem Bachelorstudium in Erfurt so ergeben. Die Stadt und die Universität waren von der Größe und dem Umfeld sehr angenehm für mich, das hat einfach gut gepasst.

Welche Rolle spielt Ihr Studium für Ihre Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter?

Da ich meinen Master hier an der Universität gemacht habe, spielen die Inhalte meines Studiums natürlich eine sehr große Rolle für meine Arbeit. Hinzu kommt auch, dass ich dadurch die Strukturen der Uni schon vor Arbeitsantritt sehr gut kannte, was gerade am Anfang unglaublich hilfreich ist.

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihre Alma Mater und an Ihre Studienstadt Landau zurückdenken?

Als Erstes muss ich da an die Wohlfühl-Atmosphäre und die Entspanntheit denken. Und daran, wie selbstwirksam man sich, meiner Meinung nach, in so kleinen Städten fühlt. Es gibt so viel mehr Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen, und man hat das Gefühl, dass jede einzelne Tat viel mehr Gewicht hat.

Was haben Sie im Studium gelernt, was nicht in den Lehrbüchern zu finden ist?

Dass es kein Problem ist, auf manche Fragen nicht so zu antworten, wie es von einem erwartet wird. Im Studium wird oft gefordert, dass man bestimmte Lösungswege anwendet, um Probleme anzugehen und zu einem Ergebnis zu kommen. Dabei wird wenig Raum gelassen, sich selbst Alternativen zu überlegen. Es ist wichtig, sich bewusst dagegen zu stellen, und individuelle Vorgehensweisen dennoch beizubehalten. Gerade da in der heutigen Zeit häufig gefordert wird, dass man auf bestimmte Art und Weise funktioniert.

Der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Den Mut zu haben, seinem Bauchgefühl zu vertrauen und seinen eigenen Weg zu gehen. Egal, was andere tun und sagen.

Ihr schönstes Erlebnis an der Universität Koblenz-Landau?

Das ist eine schöne Frage, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das mein erster Tag an der Uni war. Ich bin mit dem Gefühl nach Landau gekommen, dass es schon feste Cliquen gibt und dass es schwer wird, neue Kontakte zu knüpfen. Aber gleich am ersten Tag bin ich von vielen Leuten angesprochen worden und habe direkt Freunde gefunden, mit denen ich heute sogar zusammen wohne.

Generalist oder Spezialist – auf was sollten Studierende Ihres Faches bei der Wahl der Schwerpunkte achten?

Ich denke, dass sollte jeder für sich selbst beantworten. Gerade, wo es so viele Auswahlmöglichkeiten gibt, sollte man sich nicht von anderen beeinflussen lassen, sondern für sich selber herausfinden, was am besten zu einem passt.

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter interessieren?

Wenn man im Studium Fragen für sich entdeckt, die man erforschen möchte und bei denen man sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden gibt, dann ist die Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter definitiv eine gute Möglichkeit, sich diesen zu widmen. Auch der Blick hinter die Kulissen der Universität ist eine interessante Erfahrung. Man sollte sich trauen, andere Wege einzuschlagen und das tun, was sich für einen persönlich gerade richtig anfühlt.

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