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Projekt Menschenrechtsbildung: Gleiches Recht für alle?

Prof. Dr. Matthias Bahr und Christine Schowalter wollen mit dem Projekt Menschenrechtsbildung das Thema Menschenrechte im Uni-Alltag präsent machen und angehenden Lehrern Zusatzqualifikationen vermitteln. Foto: Philipp Sittinger

Prof. Dr. Matthias Bahr und Christine Schowalter wollen mit dem Projekt Menschenrechtsbildung das Thema Menschenrechte im Uni-Alltag präsent machen und angehenden Lehrern Zusatzqualifikationen vermitteln. Foto: Philipp Sittinger

Die Menschenrechte sind seit 70 Jahren in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO verankert. Das aktuelle Weltgeschehen wirft jedoch immer stärker die Frage auf, ob und wie sie umgesetzt werden. Das Projekt Menschenrechtsbildung am Campus Landau sensibilisiert Lehramtsstudierende für das Thema.

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren, so steht es in Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Wir haben Rechte, die wir aufgrund unseres bloßen Menschseins für uns in Anspruch nehmen dürfen. Wir sind alle gleich, sagt das Prinzip der Egalität. Das heißt, unabhängig davon, welche Herkunft und Religion wir haben, besitzen wir den Anspruch, unsere Rechte gegenüber Staaten und Regierungen durchzusetzen. Wenn Medien täglich von Krieg und Gewalttaten berichten, kann man jedoch den Eindruck gewinnen, dass die Menschenrechte an vielen Orten in der Welt keine Bedeutung mehr haben. „Zwar wurden sie 1948 von den Vereinten Nationen unterzeichnet, jedoch sind sie noch heute keine Selbstverständlichkeit“, berichtet Christine Schowalter, Koordinatorin des Projekts Menschenrechtsbildung. „Gerade weil sie immer wieder infrage gestellt und verletzt werden, ist es so wichtig, über sie aufzuklären.“

Gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Bahr, Professor für Katholische Theologie mit dem Schwerpunkt Religionspädagogik, und weiteren Kollegen aus dem Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, macht sie das Thema am Campus Landau greifbar. 2014 gestartet, verfolgt das Projekt das Ziel, Bildung über, durch und für Menschenrechte in den universitären Kontext einzubetten. Es geht uns darum, Wissen über die Menschenrechte zu verbreiten und sie im täglichen Leben präsent zu haben. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, sie von der ideellen auf eine reale Ebene zu holen“, verdeutlicht Schowalter das Ziel des Projekts.

Für Frieden in der Welt

Hinter dem Projekt steht auch die Frage, wie man erreichen kann, dass die Weltgemeinschaft friedlich zusammenlebt und jeder die gleichen Chancen erhält. Über kulturell und religiös geprägte Eigenheiten hinweg verpflichtet der Katalog Menschen, Regierungen und Staaten in aller Welt und gilt damit als universal. Die 30 Artikel umfassen bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. „Insgesamt wird damit die Wertigkeit und die Würde des Menschen in den Mittelpunkt gestellt“, fasst Bahr den Kern der Erklärung zusammen. „Alle Artikel zielen darauf ab, dass es einen institutionellen Rahmen, also vor allem staatliche Ordnungen gibt, die uns ermöglichen, diese Rechte in einem gesicherten Umfeld zu leben. In Deutschland vergisst man das möglicherweise, weil man sie hier für selbstverständlich hinnimmt.“ Bei uns sind zentrale Menschenrechte als Freiheits- und Persönlichkeitsrechte seit 1949 im Grundgesetz verankert.

Von der Uni in die Schulen

Ergänzend zu den 30 Artikeln gibt es weitere Konventionen für besonders schützenswerte Gruppen, deren Rechte gesondert festgehalten werden. Dazu gehören zum Beispiel die Antirassismus- und die Anti-Folterkonvention sowie Konventionen für die Rechte von Frauen, Menschen mit Behinderungen, Wanderarbeitern und Kindern. Die Idee, junge Menschen über ihre Rechte aufzuklären, wird im Rahmen des Landauer Projekts mit dem Zertifikat Menschenrechtsbildung unterstützt. “Die kulturelle Vielfalt in den Schulen nimmt zu und es ist wichtig, den Schülern Modelle an die Hand zu geben, wie ein gutes Miteinander funktionieren kann. Deshalb sprechen wir mit dem Zertifikat in erster Linie Lehramtsstudierende an, um Schülern das Thema näher zu bringen”, erläutert Bahr.

Die Besonderheit in Landau liegt in der Idee, fächerverbindend zu arbeiten: “Wir wollen die Menschenrechtsbildung nicht als eigenständiges Fach behandeln, sondern erachten es als sinnvoller, das Thema in mehrere Fächer einzubinden und die Frage zu stellen: Aus welcher Perspektive kann ein Fach die Frage nach dem menschenrechtlichen Zusammenleben beantworten?” Am Beispiel des Studienfachs Religion erklärt der Theologe Bahr: “Indem die Schüler konkrete Initiativen wie zum Beispiel die Bahnhofsmission kennenlernen, die unabhängig von kultureller Herkunft, religiöser Orientierung und sozialem Hintergrund ein Für- und Miteinander praktiziert, lernen sie, wie ein menschliches, friedliches Zusammenleben funktionieren kann.”

Weitere Möglichkeiten für die Umsetzung in anderen Schulfächern wurden in der kürzlich veröffentlichten Handreichung zur Menschenrechtsbildung für Schule und Unterricht entwickelt. Dafür haben Studierende, Lehrer, Dozierende, Wissenschaftler, Schulleiter und Museumspädagogen Beiträge mit konkreten Ideen für den Unterricht verfasst.

Jubiläumsjahr 2018

Auch für alle Interessierten, die kein Lehramt studieren, hält das Projektteam im 70. Jubiläumsjahr der Verabschiedung der UN-Charta einige Aktionen rund um das Thema Menschenrechte bereit. Das vielseitige Angebot zeigt: Die Bedeutung der Menschenrechte als verbindende Klammer der Weltgemeinschaft ist ungebrochen und findet Raum in vielfältigen Kontexten.

Nina Seel

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