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Neues Amt: Francesca Vidal ist Gleichstellungsbeauftragte der Universität

Seit April gibt es erstmals für alle drei Standorte der Universität eine zentrale Gleichstellungsbeauftragte. Das Amt wurde mit Privat-Dozentin  Dr. Francesca Vidal besetzt, die sich in den kommenden drei Jahren darum kümmern will, dass es an der Universität gerecht zugeht zwischen Mann und Frau. Ob und warum das nötig ist? „Eigentlich steht die Universität ganz gut da“, sagt Vidal. „Trotzdem gibt es noch viel Nachholbedarf.“ UniBlog sprach mit Vidal über ihre Arbeit, ihren Werdegang und ihre Vorbilder.

Gleichstellung ist an der Universität schon lange ein Thema: Bevor Vidal in das neu geschaffene Amt berufen wurde, kümmerten sich die Frauenreferentinnen der Campi und der Senatsausschuss für Gleichstellungsfragen um die Belange der Frauen in Wissenschaft und Forschung. Der Senatsausschuss sowie die Frauenreferentinnen sind weiterhin aktiv und arbeiten mit Vidal zusammen, sie kann zudem aber als zentrale Gleichstellungsbeauftragte campusübergreifend koordinieren, beraten und informieren.

Gleichstellungsbeauftragte: Ein Fulltime-Job

Die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragen umfasst im Grunde vier Aufgaben: An erster Stelle achtet sie darauf, dass bei geplanten Einstellungen Frauen mit gleicher Qualifikation keine Benachteiligung gegenüber männlichen Mitbewerbern erfahren. Es gebe zwar mittlerweile schon viele Frauen in Forschung und Lehre, doch gerade die W3-Professuren seien nach wie vor von Männern dominiert. „Deshalb möchte ich mehr Frauen motivieren, auch für sie ist eine Karriere bis ganz oben möglich“, sagt Vidal. Außerdem steht Vidal in Kommissionssitzungen beratend zur Seite, auch wenn das für sie heißt oft zwischen Landau, Koblenz und Mainz pendeln zu müssen. An dritter Stelle steht die Öffentlichkeitsarbeit auf der Agenda der Gleichstellungsbeauftragten. Daneben sei auch Vernetzung, zum Beispiel mit anderen Universitäten, ein wichtiger Punkt. Mit der Annahme des Amtes kann Vidal auch Maßnahmen an der Universität, ähnlich wie zum Beispiel das Karrierezentrum für Frauen (KARLA) am Campus Landau oder „Frauen in der Informatik“ am Campus Koblenz, initiieren und begleiten.

“Es sind immer noch wenig Frauen, die die universitäre Karriereleiter erklimmen”

Das Amt der Gleichstellungsbeauftragten habe sie nicht angestrebt, sagt sie. Aber nach reichlichem Überlegen habe sie sich entschlossen, die Aufgabe zu übernehmen auch wenn sie dafür nicht mehr so intensiv forschen kann. „Bisher habe ich mich mit der Frauenbewegung nur im kleinen Rahmen beschäftigt“, erklärt Vidal. Die Ziele die sie während ihrer dreijährigen Amtszeit erreichen möchte hat sie sich selbst hoch gesteckt: „Sensibilisierung ist sehr wichtig auf diesem Gebiet“, erklärt sie. Denn vieles was Frauen möglich ist, hätten sie sich schwer erkämpfen müssen. „Ich möchte nicht, dass Frauen sich zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen.“ Es sei für eine Gesellschaft fatal, dass sich Frauen solche Fragen überhaupt stellen. Die Universität biete aber eine gute Basis für ihre Arbeit. „Ich möchte Grundlagen weiter ausbauen und Strukturen schaffen“, sagt sie. „An der Universität Koblenz-Landau soll Gleichstellung selbstverständlich werden.“

„Es sind aber immer noch wenig Frauen, die die universitäre Karriereleiter erklimmen“, erklärt Vidal. Wie schwer es für Frauen sein kann, sich in einer vermeintlichen Männerdomäne wie der Wissenschaft zu behaupten, hat Vidal selbst erlebt. „Ich habe als eine der ersten Frauen im Fach Rhetorik an der Universität Tübingen promoviert“, erzählt sie. Als sie sich in Koblenz habilitierte, hatte sie schon zwei Töchter. „Ich will nicht leugnen, dass es für Frauen sehr schwierig ist, die wissenschaftliche Karriereleiter zu erklimmen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Das eine schließt aber das andere nicht aus: „Es ist eine Frage der Lebensorganisation und ich möchte vorleben, dass Frauen in der Wissenschaft erfolgreich sein können obwohl sie sich dazu entscheiden auch Mutter zu sein.“

Feminismus – ein Klischee?

Schlagwörter wie Frauenbewegung und Feminismus sind oftmals stereotyp besetzt. Man denkt vielleicht an Alice Schwarzer oder die Sexismus-Debatte zu Beginn des Jahres. „Dabei ist die Frauenbewegung viel differenzierter“, erklärt Francesca Vidal. „Ich lese nicht einmal die Emma.“ Vidals Vorbilder sind eher in der Philosophie zu finden. „Hannah Arendt gehört dazu“, erklärt sie. Oder auch Simone de Beauvoir. Vidal ist neben ihrer Arbeit an der Universität auch Präsidentin der Ernst-Bloch-Gesellschaft.  „Eigentlich wurde die Philosophie und ein solches Amt in der Vergangenheit eher von Männern dominiert“, so die neue Gleichstellungsbeauftragte. Auch Ernst Blochs Frau, Karola Bloch, inspiriert Vidal. „Ich bin Feministin durch die Art wie ich lebe“, rezitiert Vidal Karola Bloch. „Von Parolen halte ich aber nichts“, fügt sie hinzu. Die Frauenbewegung sei nicht nur differenzierter, sondern auch die Form habe sich gewandelt: „Heute beschäftigen Frauen ganz andere Themen als in den siebziger oder achtziger Jahren.“

Sarah Ochs

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