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Multiple Choice, Klausur, Hausarbeit: Profs geben Tipps für die Prüfungszeit

Am Semesterende ist Prüfungszeit. Foto: S. Hofschlaeger/ pixelio.de Am Semesterende ist Prüfungszeit. Foto: S. Hofschlaeger/ pixelio.de

Am Ende jedes Semesters geht es in den Prüfungsmarathon. Ob Hausarbeit oder Multiple-Choice-Test: Wer die Prüfung meistern möchte, muss sich gründlich vorbereiten. Drei Landauer Dozenten geben Tipps und Tricks und antworten auf die wichtigsten Fragen: Wie bereite ich mich am besten vor? Und: Wie komme ich souverän durch die Prüfung?

Der Multiple-Choice-Text

Prof. Dr. Jürgen Wiechmann lehrt im Bereich der Bildungs- und Erziehungswissenschaften. Unter anderem begleitet er die Lehramtsstudenten am Campus Landau durch einen Multiple-Choice-Test. In langjähriger Erfahrung kennt er die Tücken und die Vorteile eines solchen Testverfahrens.

Welche Schwierigkeiten bringt ein Multiple-Choice-Test mit sich?

Welche Antwort ist die richtige? Foto: Thorben Wenger/ pixelio.de

Welche Antwort ist die richtige? Foto: Thorben Wenger/ pixelio.de

Wiechmann: Viele Studenten lesen durch die Aufregung in der Klausur die Fragen nicht richtig durch. Das ist eine häufige Falle. Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn man den Stoff nur auswendig gelernt hat und nicht wirklich versteht. Um die Aufgaben lösen zu können, muss man Wissen auch anwenden und auf andere Situationen übertragen können. In Multiple-Choice-Tests kann man keinen Wortschwall produzieren und hoffen, dass dabei unter anderem auch die richtigen Begriffe fallen.

Wie kann sich ein Student am besten auf so einen Test vorbereiten?

Nicht anders als sonst. Er muss ordentlich studieren. Das bedeutet, Veranstaltungen besuchen, aktiv mitmachen, Literatur lesen und sich damit kritisch auseinandersetzen.

Gibt es Geheimtipps, die Sie den Studenten mitgeben können?

Gute Erfahrungen habe ich mit Lerngruppen gemacht. Verständnisprobleme oder Wissenslücken werden im Wiederholen in einer Gruppe schnell entdeckt. Hilfreich ist es auch, sich selbst Aufgaben zu konstruieren oder sich einen älteren Multiple-Choice-Test anzuschauen. In meiner Vorlesung gebe ich sogar Übungen raus, die meistens auf dem Prinzip des Multiple-Choice basieren. Wer diese Übungen macht, kann beim Lernen den Aufgabentyp besser einschätzen.


Die Hausarbeit

In vielen Seminaren muss als Leistungsnachweis ein Hausarbeit erbracht werden. Prof. Dr. Robert Gaschler hat in seinen Seminaren im Fachbereich der Psychologie schon viele davon korrigiert.

Zu Beginn steht die Themenwahl. Was sollte man hier beachten?

Gaschler: Wenn der Student sich ein Thema selbst aussucht, sollte er dies nach seinen Interessen machen, aber gleichzeitig auch beachten, ob es überhaupt Literatur zu dem Thema gibt. Man sollte klar formulieren, wo man hin will, Fragen formulieren und sich überlegen, ob diese beantwortet werden können. Wenn man diesem roten Faden folgt, läuft man weniger Gefahr, das Thema zu unterschätzen.  Aber auch wenn ein Thema von Dozentenseite aus vorgegeben wird, kann man eigene Schwerpunkte setzen und gute Literatur suchen, die einem gefällt.

Auf was sollte ich bei der Ausarbeitung ganz besonders achten?

Ganz klar sollten Formalia beachtet werden. So etwas wie Schriftgröße und -art, Zeilenabstand und Blocksatz sind nicht als Schikane zu sehen, sie fördern den Lesefluss. Man sollte auch versuchen, nicht zu viel zu schreiben, sondern wirklich nur Wesentliches herausfiltern und zu benennen. Gerade wenn man viel Literatur hat, bietet es sich an, die wichtigsten Infos klar zu formulieren und zu strukturieren. Gute Orientierung schafft man sich auch durch die Fragen, die man vorher formuliert hat. Man sollte immer im Blick haben, welche man schon beantwortet hat und was noch aussteht. Was man auch nicht vergessen sollte, ist, dass es dem Leser Spaß machen soll. Wer sich in Details und Fachjargon verliert, der kann das Thema mal jemanden, der nichts mit dem Themengebiet zu tun hat, erklären. Dadurch merkt man schnell, was wichtig für das Verständnis ist und was nicht.

Kann man das Schreiben von Hausarbeiten überhaupt üben?

Vielen Studierenden hilft es, auch mal eine Hausarbeit auf Englisch zu schreiben. Das zeigt oftmals großen Erfolg. Wer die Sprache nicht kann, reduziert automatisch auf das Wesentliche. Häufig gibt es im Englischen auch bessere Literatur zu speziellen Themen. Und gut in der Vita macht es sich auch.

Und wenn man eine Schreibblockade hat, was dann?

Meine Empfehlung ist, sich Zeit einzuplanen, in der man nichts anderes macht. Auch wenn es mal nicht richtig klappen will, sollte man sich weiter mit dem Thema beschäftigen. Man kann ja auch Daten auswerten oder Zusammenfassungen der Literatur machen. Das bringt einen weiter, auch wenn kein Text für die Hausarbeit produziert wurde. Es ist auch hilfreich, seine Fortschritte zu dokumentieren. Dann sieht man, was man schon alles gemacht hat und hat ein klares Ziel vor Augen, was noch zu tun ist.


Die mündliche Prüfung

Prof. Dr. Jan Georg Schneider betreut am Campus Landau zahlreiche mündliche Prüfungen im Fach Germanistik. Er bereitet die Studierenden nicht nur darauf vor, sondern prüft sie auch. Worauf es ihm als Prüfer ankommt und was eine mündliche Prüfung von anderen Prüfungsarten unterscheidet, erklärt er im Interview.

Ganz schön viel Wissen, dass da in den Kopf oder auf's Papier muss. Foto: Lupo_pixelio.de

Ganz schön viel Wissen, dass da in den Kopf oder auf’s Papier muss. Foto: Lupo/ pixelio.de

Wie bereitet man sich am besten auf eine mündliche Prüfung vor?

Man muss sich klar machen, dass eine mündliche Prüfung keine reine Abfrage von gelerntem Wissen ist, sondern dass sich nach Möglichkeit ein anregendes Gespräch ergeben soll. Es reicht also nicht, Inhalte nur auswendig zu lernen. Der Stoff muss verstanden werden, denn die Prüfer können nachhaken. Man sollte sich schon zuvor Beispiele zurechtlegen, an denen man etwas erläutern kann. In der Prüfung selbst fallen einem möglicherweise spontan sonst keine ein. Wer an einem einfachen Beispiel einen komplizierten Sachverhalt erklären kann, zeigt, dass er das Thema wirklich verstanden hat.

Ein Tipp zur Vorbereitung? 

Man kann sich in Lerngruppen organisieren und den Stoff diskutieren. So kann man auch eine Prüfungssituation nachstellen, sich konkrete Fragen ausdenken und überprüfen, ob man diese richtig erklären kann. Vielen fällt es auch schwer, das richtige Maß zwischen einer umfassenden Erklärung und einer kurzen Erläuterung zu finden. Mitstudierende können einem oft ganz gut rückmelden, ob man in einem angemessenen Umfang antwortet.

Welchem Studententyp liegt diese Prüfungsart?

Von Vorteil ist es, wenn man gut darin ist, schnell und spontan zu reagieren. Es wird schließlich nur ein Bruchteil dessen geprüft, was vorher gelernt wurde, aber auf diesen Bruchteil muss man sich gut einstellen können. Gerade Studenten, die eloquent und kommunikativ sind, fällt eine mündliche Prüfung leichter. Aber nur rhetorisch geschickt zu sein, reicht nicht aus. Man muss das Thema verstanden haben.

Mündliche Prüfungen erscheinen oft undurchsichtig in der Bewertung. Worauf achten Prüfer?

Das hängt stark vom Thema ab. Ich achte generell stark darauf, dass die Fachbegriffe beherrscht werden, in eigenen Worten erklärt und voneinander abgegrenzt werden können. Am besten stellt man sich vor, es jemanden zu erklären, der nicht vom Fach ist, dann erkennt man besonders gut, ob man den jeweiligen Sachverhalt wirklich verständlich erläutert hat. Und, wie schon gesagt, ist es wichtig, dass die Studierenden den gelernten Stoff auf andere Wissensgebiete übertragen und auf Beispiele anwenden können.

Rosa Stecher

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