Kolumne
Schreibe einen Kommentar

Helau und Alaaf

Heute schreibt Campus-Reporterin Nina Seel. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

Heute schreibt Campus-Reporterin Nina Seel. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute fragt sich Nina Seel, wer eigentlich die fünfte Jahreszeit erfunden hat und warum wir uns zu Fasching, Fastnacht und Karneval verkleiden und mit Konfetti bewerfen.

Es ist soweit, die Jecken und Narren sind los. In vielen Regionen Deutschlands wird wieder Fasching, Fastnacht oder Karneval gefeiert, wahlweise auch Fasnet oder Fastelovend. Die Herkunft des Namens liegt nah, wie ich bei meiner Begriffsrecherche herausfand: Er geht auf das althochdeutsche fasta wie Fastenzeit und naht wie Nacht oder Vorabend zurück, die Tage vor Beginn der Reinigung und Läuterung. Der Begriff Fasching reiht sich ein und meint den Fastenschank – den letzten Ausschank von Alkohol am Vorabend der Fastenzeit. Der Karneval hat seinen Ursprung im lateinischen carne levare – Fleisch wegnehmen, da in der Zeit des Fastens auch darauf verzichtet werden sollte. Es ist ein rituelles Fest, kulturell und religiös in vielen Regionen der Welt verankert. Vorläufer davon wurden schon vor 5000 Jahren in Mesopotamien gefeiert, die Ägypter und die Griechen zelebrierten das Erwachen des Frühlings und bei den Römern tauschten Herren und Sklaven die Rollen und feierten den Gott Saturn. Beim öffentlichen Gelage bewarfen sie sich mit Rosen – wie wir mit Konfetti. Aus der keltischen Religion entspringt die Idee der Vertreibung des Winters: Man verkleidete sich als Geist oder Kobold und machte Lärm mit Holzstöcken und Rasseln.

Fünf Tage Ausnahmezustand vor der Fastenzeit

Auch heute ist im Ausnahmezustand der fünften Jahreszeit alles erlaubt: Politiker werden in Büttenreden durch den Kakao gezogen, jeder darf sich über jeden lustig machen. Es geht darum, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Ob Cowboy und Indianer, Marienkäfer und Biene, Katze und Maus, Clown und Pirat, der Kreativität in der Maskerade sind keine Grenzen gesetzt. Wir feiern Fastnacht als Brauchtum, mit dem noch einmal ausgelassen die Zeit vor der vierzigtägigen Fastenzeit begangen wird. Nach wenigen Tagen ist der Spuk vorbei: Mit dem Aschermittwoch beginnen die sechs Wochen der Enthaltsamkeit in Vorbereitung auf das christliche Osterfest. Papst Gregor der Große legte diesen Zeitraum um das Jahr 600 in Erinnerung an Jesus Christus fest, der 40 Tage in der Wüste verbrachte.

Mein Highlight sind jedes Jahr die selbstgemachten Kreppel meiner hessischen Oma: Mit ihnen werden die eigentlichen tollen Tage donnerstags zur Weiberfastnacht eingeleitet. Je nach Region heißen sie auch Berliner, Krapfen und Pfannkuchen, mit Marmelade gefüllt und mit Puderzucker bestreut, durften sie schon früher zuletzt am fetten Dienstag verzehrt werden. Das Gebäck wirkt übrigens auch den Nachwehen der Feierlichkeiten von der Weiberfastnacht bis zum Rosenmontag sehr gut entgegen. In diesem Sinne werde ich in diesem Jahr erst als Matrosenmädchen die hessische Fassenacht begehen und es mir im Anschluss mit Omas Kreppeln auf dem Sofa gemütlich machen. Noch einmal ausgelassen feiern und genießen, bevor bis Ostern Fasten auf dem Programm steht und das große Reinigen von Körper und Geist beginnt. In diesem Sinne: Helau!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.