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1 Studi, 1 Kind, 1 Stunde

Im vergangenen Jahr ist sie gestartet und hat sich inzwischen zu einem festen Termin für rund 70 Studierende entwickelt: Die Rede ist von der ehrenamtlichen Nachhilfe für sozial schwache Schüler in Koblenz. Jennifer Retz und Viktoria Schäfer leiten am Campus Koblenz in Zusammenarbeit mit Michael Meixner von der Hochschule Koblenz die Ortsgruppe der bundesweiten Aktion “Studenteninitiative für Kinder”.

“Im Studi-Newsletter ist auf die Aktion hingewiesen worden: Ehrenamtliche für Koblenz gesucht”, erinnert sich Jennifer Retz. “Viktoria und ich sind zum ersten Treffen gegangen und wollten eigentlich nur mitarbeiten. Plötzlich waren wir die Initiatoren”, berichtet Jennifer Retz und schmunzelt. Spontan sind die zwei Studentinnen und ziemlich engagiert: Sie besuchten einen Gründerworkshop in Mannheim, warben für die Initiative, suchten Sponsoren und Spender, sprachen mit Schulen und Lehrern und konnten inzwischen 70 Kommilitonen von der Idee begeistern: Ehrenamtliche Nachhilfe für sozial schwache Kinder zu geben und ganz nebenbei die Theorie des Studiums praktisch anwenden zu lernen.

Rund 70 Studierende vom Standort Koblenz und der Hochschule auf der Karthause engagieren sich ehrenamtlich. Foto: Privat

Rund 70 Studierende vom Standort Koblenz und der Hochschule auf der Karthause engagieren sich ehrenamtlich. Foto: Privat

Studierende werden zur Bezugsperson

Jeder Studierende der Initiative betreut einen Schüler. Diese sind zuvor von den Klassenlehrern ausgesucht worden und stammen meist aus einem sozial schwachen oder schwierigen Umfeld und haben oft einen Migrationshintergrund. “Diese Familien können sich bezahlte Nachhilfe nicht leisten, die Kinder rutschen in der Schule mehr und mehr ab. Wir versuchen, dem entgegen zu wirken”, erklärt Retz. Doch oftmals ist es nicht nur die reine Nachhilfe, die den Kindern hilft, sich im Schulaltag wieder zurecht zu finden, sondern der Studierende als Bezugsperson. “Die Kinder treten auch mal mit Fragen und Probleme an uns heran, die gar nichts mit der Schule zu tun haben”, berichtet Retz. Das sei auch ein großer Vorteil der ehrenamtlichen Nachhilfe durch Studierende: Denn diese sind näher dran an den Kindern und Jugendlichen: “Sie sehen uns irgendwo auch als Freunde oder zumindest als großen Bruder oder Schwester.”

Absprache mit Lehrern ist wichtig

Die Kinder kommen von insgesamt vier Koblenzer Schulen, der Clemens Brentano Realschule Plus, der Goethe Realschule Plus in Lützel sowie der Grundschule in Wallersheim und der St. Kastor in der Innenstadt. “Die Schulen wurden zufällig ausgewählt, zeigen sich aber höchst engagiert und kooperativ”, berichtet Retz, die mit den Lehrern und Schulleitern in ständigem Kontakt steht. Sie bieten auch Räume für die Nachhilfe an, denn eine neutrale Umgebung eignet sich fürs Lernen besser, weiß Retz. Meist treffen sich Studierende und Schüler einmal pro Woche, manchmal auch öfter, beispielweise vor Klassenarbeiten oder in besonders dringenden Fällen.

Retz leitet die Initiative zusammen mit Viktoria Schäfer und Michael Meixner von der Koblenzer Hochschule. Inzwischen gibt es über 70 Ehrenamtliche, die ebensoviele Schüler betreuen und mit ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zur Schulbildung der Kinder und Jugendlichen leisten. Dass es vielfach über die normale Nachhilfe hinaus geht, zeigt auch eine Aktion zum vergangenen Weihnachtsfest: Die Studierenden bastelten für jeden Schüler eine Weihnachtstüte und befüllten sie mit Farbkästen, Stiften und allerlei Unterrichtsmaterial. “Die Tüten haben wir an die Kids verschenkt. Sie haben sich riesig gefreut”, erinnert sich Retz mit einem Lächeln.

Anerkennung für Lehramts-Studierende

Als erste Universität bundesweit erkennt die Universität Koblenz-Landau das Engagement für die Initiative als eines der orientierenden Praktika an, die im Rahmen des Bachelor of Education (Lehramt) absolviert werden müssen. Nachgewiesen werden muss mindestens ein halbes Jahr kontinuierliche Arbeit als Nachhilfelehrer. “Dies sollte nicht der Anreiz für die Arbeit sein, aber es ist doch eine tolle Würdigung des Ehrenamtes”, freut sich Retz über die Entscheidung der Universität.

Hannah Wagner

Die  “Studenteninitiative für Kinder” ist eine bundesweite Aktion mit Ortsgruppen in rund 40 deutschen Städten und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Über 4000 Studierende engagieren sich ehrenamtlich in Schulen und Kinderheimen. Auch die Ortsgruppe Koblenz sucht weiterhin engagierte Studierende, dich eine Stunde in der Woche erübrigen können. Nähere Informationen und Anmeldungen können unter folgender E-Mail-Adresse erfragt werden: sfk@koblenz.de

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