Kolumne
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Back to the roots: Hallo, Kinderzimmer!

Heute schreibt Campus-Reporterin Carolin Höring. Zeichnung: Carolin Höring. Heute schreibt Campus-Reporterin Carolin Höring. Zeichnung: Carolin Höring.

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute berichtet Carolin Höring über einen Ausflug back to the roots: In ihr altes Kinderzimmer.

Viele von uns kennen es: Man beginnt zu studieren und startet in einen völlig neuen Lebensabschnitt, vor allem, wenn man das vertraute elterliche Nest verlässt und in die eigenen vier Wände zieht. Ob WG-Zimmer oder eigene Wohnung, an die neu gewonnene Freiheit gewöhnt man sich früher oder später. Mein Freund und ich wohnen seit drei Jahren zusammen in einer Altbauwohnung und fühlen uns pudelwohl. Unsere Eltern wohnen in der Nähe – der Abschiedsschmerz war beim Auszug nicht allzu groß. Plötzlich aber saßen wir wieder in unseren alten Kinderzimmern. Wer die Zeit zurückgedreht hat? Na, die Handwerker!

Wie alles begann

Die Mieter unter uns beschwerten sich über feuchte Decken. Die Ursache fand man bedauerlicherweise in unserem Badezimmer. Es stellte sich heraus, dass die Wasserrohre seit Jahren undicht sind und der Boden regelmäßig unbemerkt geflutet wurde. Die Handwerker rückten also an, um den Wasserschaden zu beheben. Die Arbeiten sollten nur wenige Tage dauern, damit hätte man leben können. Doch je länger die Handwerker da waren, desto schlimmer wurde die Lage. Sie entdeckten, dass das Wasser bereits morsche Holzbalken verursacht hatte. Das bedeutete: Einsturzgefahr. Und das wiederum bedeutete: Alles musste raus – auch wir.

Die anfänglich kleine Renovierung entpuppte sich als größere Sache. In Aussicht stand ein nagelneues Bad. Super, das wurde ja auch Zeit! Nur blöd, dass das ungefähr ein bis zwei Wochen dauern sollte. Niemand will so lange auf seine Dusche verzichten (hoffe ich zumindest). Aber gut. Unsere Eltern wohnen ja nicht weit weg, da kann man ja mal zwei Wochen dort duschen.

Zu früh gefreut

Leider sollte das Badezimmer komplett erneuert werden (ja, auch mit Toilette). Deshalb beschlossen wir kurzerhand, zu unseren Eltern zurück zu ziehen. Ein bis zwei Wochen sind ja wirklich nicht lang. Wenn aus zwei Wochen aber vier werden und aus vier acht, dann sieht die Sache schon wieder anders aus. Aber auch Handwerker können sich schließlich mal verschätzen.

Sind wir doch mal ehrlich: Unsere Eltern sind toll. Sie sind immer da, wenn man sie braucht und dafür lieben wir sie. Und trotzdem haben wir uns schon längst an unsere Unabhängigkeit und Freiheit gewöhnt und die wollen wir nicht mehr hergeben. Aber in diesem Fall gab es erst kein Zurück mehr. Zurückversetzt ins Anfangsstadium unserer Beziehung, besuchten wir uns nun wieder gegenseitig und schlichen spät abends durch die Häuser, um unsere Eltern bloß nicht zu wecken. Wenn der Freund an der Tür klingelt, fühlt man sich selbst nach sieben Jahren Beziehung wieder wie beim ersten Date. Als wäre das nicht schon genug, passt man sich wieder automatisch dem Tagesablauf und den Gewohnheiten seiner Eltern an. Und auch mit deren Fürsorge muss man lernen, neu umzugehen. Zum Beispiel, wenn man eigentlich schon etwas vorhatte, aber seiner Mama nur schwer das mit viiiel Liebe gezauberte Abendessen abschlagen kann.

Zurück in die Freiheit

Je mehr Zeit vergeht, desto mehr sehnt man sich nach der einmal gewonnenen Freiheit (und Zweisamkeit). Und wenn nach acht Wochen der erlösende Moment kommt, auf den man sich so lange gefreut hat, ist das Glück wieder perfekt: Zurück in der eigenen Wohnung, kann man sich an Kleinigkeiten erfreuen… den eigenen Fernseher, die eigene Küche und natürlich das neue Badezimmer. Jetzt ist alles wieder, wie es sein soll. Schön war es trotzdem bei euch, liebe Eltern. Einmal mehr habt ihr bewiesen: Auf euch ist Verlass.

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