Kolumne
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Auf den Pfaden des Lebens

Heute schreibt Campus-Reporterin Hannah Wagner. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant Heute schreibt Campus-Reporterin Hannah Wagner. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute philosophiert Hannah Wagner über das Leben, Veränderungen und Neuanfänge.

Ich stelle mir oft vor, dass unser Leben auf Pfaden und Wegen verläuft: Immer wieder kommen wir an Abzweige, müssen uns für die eine oder die andere Richtung entscheiden. Auf Autobahnen zieht unser Leben rasend schnell und geradlinig an uns vorbei, manchmal fahren wir auf Landstraßen und nehmen es gemächlich hin. Ab und zu kommen Hindernisse, die aus dem Weg geräumt werden müssen oder Weggefährten, die uns eine Weile begleiten, aber dann eine andere Abbiegung nehmen. Manchmal steht – ganz plötzlich oder lange erwartet – eine Tür vor uns. Sie ist das Symbol für ein Ende und einen Neuanfang. Haben wir den Mut und durchschreiten sie, lassen wir Vergangenes zurück und erfahren Veränderung.

Gerade stehe ich vor einer Tür

Bisher war ich immer engagiert. In der Schule war ich Klassen- und Stufensprecherin, organisierte eine AG und Veranstaltungen, wurde Vereinsvorsitzende meiner Pfadfindergruppe, war auf Bundes- und Landesebene aktiv. An der Uni war ich AStA-Referentin, erst für Kulturelle Bildung, dann Vorsitzende, studentisches Mitglied im Fachbereichsrat und im Senat. Zwei Nebenjobs, Uni, Seminare, Sport, soziale Verpflichtungen, Dinge, die mein Leben ausfüllten, zeitweise auch überfüllten. Jetzt stehe ich vor einer Tür: Ich habe alle Pflichten abgelegt, alles abgeschlossen, alles weggegeben. Ich habe die bekannten Wege hinter mir gelassen und bin auf der Suche nach einer anderen Richtung.

Im Leben öffnen und schließen sich immer wieder Türen - manchmal auch dort, wo wir es gar nicht erwarten. Foto: Hannah Wagner

Im Leben öffnen und schließen sich immer wieder Türen – manchmal auch dort, wo wir es gar nicht erwarten. Foto: Hannah Wagner

Ich bereue nichts

Das klingt hart. Und ich muss sagen: Oh ja, das ist es auch. Sehr sogar! Nach über zehn Jahren habe ich meine aktive Arbeit als Pfadfinderin beendet, nach viereinhalb Jahren alle Ämter in der Hochschulpolitik abgelegt, den letzten Arbeitstag gehabt, bin zum letzten Mal im Sportkurs gewesen und vorerst das letzte Mal über den Campus gelaufen. Zu behaupten, dass mir das leicht fiel, wäre eine Lüge. Und zu verheimlichen, dass ich die ein oder andere Träne vergoss, würde meinen bisherigen Aufgaben nicht gerecht. Denn so anstrengend und vollgepackt mein Leben auch war, ich habe mein Ideal gelebt: Soziales, politisches und gesellschaftliches Engagement als Fundament einer funktionierenden, demokratischen Gesellschaft. Ich bereue keine einzelne Sekunde. Alle Erfahrungen, die wir machen, werden für immer ein Teil von uns sein. Sie formen unseren Charakter und machen uns zu dem Menschen, der wir sind.

Manchmal aber müssen Dinge zu Ende gehen, damit Neues entstehen kann. Wir alle entwickeln uns. Ich für meinen Teil möchte jetzt auch für mich selbst weiterkommen. Hinter meiner nächsten Tür wartet ein Neustart: Ein Jahr Auslandsstudium in Athen. Ich werde in der griechischen Hauptstadt leben, die Sprache lernen, für meine Masterarbeit lesen, mich bilden, Sport machen, malen, feiern, genießen…

Ab jetzt entscheide ich

Ich bin in meinem Leben an einer Kreuzung angekommen und habe mich entschieden. Vielleicht wird es am Anfang ein wenig holprig. Der Weg ist nicht geebnet. Aber: Ich selbst bestimme die exakte Richtung und die Schnelligkeit. Ich werde einfach die Schuhe ausziehen und barfuß laufen, den Boden – das Leben – spüren. Dann werde ich in der Sonne liegen und eine Zitronenlimonade schlürfen. Oder auch mal die Pfade fernab des Weges erkunden und vielleicht irgendwann wieder auf eine Autobahn treffen. Doch dann ist es mir selbst überlassen, wie jedem anderen auch, ob ich in einen SUV steige und davon brause oder weiter gemütlich zu Fuß gehe.

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