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Irgendwas ist immer: Ein Ehepaar im Dienst der Uni

Ingrid und Peter Endres sind seit 42 Jahren verheiratet und verstehen sich auch am Arbeitsplatz gut. Foto: Lisa Engemann Ingrid und Peter Endres sind seit 42 Jahren verheiratet und verstehen sich auch am Arbeitsplatz gut. Foto: Lisa Engemann

Ihr Gesicht ist das Erste, was Besucher der Universität Koblenz-Landau in Koblenz kennenlernen: Seit 35 Jahren sitzt Ingrid Endres an der Pforte und ist Herrscherin über die Einfahrtschranke und die Telefonzentrale. Auch ihr Mann Peter Endres arbeitet am Campus im Stadtteil Metternich: Er ist Hausmeister und somit ein viel beschäftigter Mann. Uniblog traf das Ehepaar Endres zum Gespräch über ein Berufsleben im Dienste der Uni.

Kurz vor Feierabend atmen Ingrid und Peter Endres einmal tief durch: Ihr Arbeitstag war heute von einer großen Veranstaltung bestimmt. Viele Leute, die sich an der Universität nicht auskennen, kamen mit Fragen an das offene Fenster neben der Schranke zum Universitätsgelände. Pförtnerin Ingrid Endres half, wo sie konnte. Ihr Mann Peter Endres erzählt, er habe heute die Räume für die Veranstaltung vorbereitet und „in aller Herrgottsfrühe Stellwände parat gestellt“. Seit 1980 ist er der Ansprechpartner, wenn am Campus Schränke kaputt gehen, Schlüssel nicht passen oder – wie heute – Räumlichkeiten für besondere Anlässe hergerichtet werden müssen. Zwei Jahre später folgte ihm seine Frau an die Uni – seit 35 Jahren arbeiten sie gemeinsam hier.

Zeugen der Zeit

Seitdem hat sich am Campus viel verändert. „Wir haben mit 850 Studierenden und 200 Mitarbeitern angefangen. Es war gemütlich, wie in einer kleinen Familie: Jeder kannte jeden“, erinnert sich Peter Endres. Heute ist die Universität größer – und damit ist auch die Familie gewachsen: „Dadurch ist manches anonymer geworden.“ Dennoch pflegen die Endres private Freundschaften mit Kollegen, die seit Jahren bestehen: „Ich spreche kein Englisch, und wenn jemand kommt, der nur Englisch spricht, rufe ich meine lieben Kollegen an“, berichtet Ingrid Endres.

Das Miteinander am Campus ist dem Ehepaar nicht nur unter Kollegen wichtig, sie schätzen auch die vielfältigen Kontakte mit Menschen von der Universität und außerhalb. Für viele von ihnen ist Ingrid Endres die erste Anlaufstelle: Von der Restaurantempfehlung bis zur Kontaktvermittlung zwischen Studierenden und den Instituten hat sie schon alles gemacht. „Es kam sogar mal einer, der wollte wissen, wo seine Prüfung jetzt stattfindet“, berichtet sie lachend. Peter Endres bezeichnet sich selbst als Mädchen für alles: „Wir Hausmeister sind für alles da.“ Der Campus macht viel Arbeit, irgendwas ist immer. Unterstützung erhält Peter Endres von einem zweiten Hausmeister und zwei Angestellten, gemeinsam teilen sie sich die Früh- und Spätschichten.

In fast vierzig Jahren Berufserfahrung sind die Endres vielen verschiedenen Charakteren begegnet und haben dabei einige Menschenkenntnis erlangt. Ganz selten verlaufen die Begegnungen am Campus auch mal unerfreulich ab, „aber so ist das in der Arbeit mit Menschen nun mal“, betont Peter Endres gelassen. Seine Frau war in jungen Jahren noch nicht so selbstbewusst, aber auch sie hat gelernt, Respektlosigkeit höflich, aber bestimmt zurückweisen: „Man kann schon mal einen schlechten Tag haben. Früher habe ich mich über so etwas länger geärgert – mit dem Alter kommt Gelassenheit“, erzählt sie. Für Peter Endres ist Hausmeister ein Traumjob: Obwohl gelernter Tischler, sieht er im Hinblick auf seine Gesundheit und das Alter im öffentlichen Dienst einen guten und sicheren Arbeitsplatz. Das Ehepaar schätzt die Vielseitigkeit an ihrer Arbeit: „Kein Tag ist wie der andere, es wird nie langweilig“, freuen sich die beiden. „Außerdem hält der Umgang mit den vielen jungen Leuten uns fit.“

Gemeinsame Arbeit, gemeinsame Hobbies

„Nach der Arbeit gehen wir gerne walken oder relaxen auch einfach mal“, erzählt Ingrid Endres und schaut verschmitzt. „Reisen ist unsere große Leidenschaft“, betont ihr Mann mit leuchtenden Augen. Er erzählt von den Fjorden in Norwegen und findet kaum Worte, um zu beschreiben, wie beeindruckend sie für ihn waren. Die beiden mögen die nordeuropäischen Länder wegen der angenehmen Temperaturen und schönen Landschaften. Im April bereisten sie Schottland und im Sommer geht es nach Irland. „Und dann haben wir ja auch noch unsere Mittelaltergruppe“, berichtet Ingrid Endres stolz. Die Gruppe besteht aus circa 20 Personen, mit denen das Ehepaar auf Märkten und Festivals unterwegs ist. „Wir machen da keine Kunststücke, sondern treten als Besucher auf – aber schon so richtig gewandet.“ Sie beschreiben die Gewänder an ihnen dabei mit einer Geste und man kann sich gut vorstellen, wie sie darin über den Markt spazieren.

Ingrid und Peter Endres werden des Öfteren gefragt, ob sie es nicht als einengend empfinden, so nah beieinander zu arbeiten. Obwohl die Büros der beiden direkt gegenüberliegen, betonen sie: „Das sind ganz unterschiedliche Arbeitsplätze. Für uns passt das.“

Dann geht die Tür auf. Es gibt technische Probleme und Peter Endres muss los, um nach dem Rechten zu sehen. So sind die Endres: Immer beschäftigt und mit einem Lächeln auf den Lippen für die Belange der Menschen am Campus Koblenz da. Die geschenkten Lollies auf dem Schreibtisch von Ingrid Endres sprechen dafür, dass viele dankbar für ihren Einsatz sind.

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