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Abschalten am Horizont

Seine Ausrüstung hat Gleitschirmflieger Andreas Pfeiffer immer im Gepäck. Foto: Philipp Sittinger

Seine Ausrüstung hat Gleitschirmflieger Andreas Pfeiffer immer im Gepäck. Foto: Philipp Sittinger

Wer kennt ihn nicht, den Traum vom Fliegen? Andreas Pfeiffer, Diplom-Psychologe am Methodenzentrum des Campus Landau, lebt diesen Traum. Als Gleitschirmflieger verbringt er seine freie Zeit am liebsten auf Augenhöhe mit den Wolken – auf einer Höhe mit Vögeln und Segelfliegern.

“Als Kind wollte ich Pilot werden”, erzählt Pfeiffer lachend. Die Schattenseiten der Berufsfliegerei bewogen ihn jedoch dazu, den Kindheitstraum zunächst nicht weiter zu verfolgen und nach der Schule stattdessen Psychologie zu studieren. Während seines Studiums in Landau entdeckte er das Gleitschirmfliegen für sich: Die Gleitschirmplätze, an denen er beim Mountainbiken im Pfälzer Wald vorbeifuhr, weckten sein Interesse. Nach einem Schnupperkurs schloss er direkt die Ausbildung zu seiner ersten Lizenz an. “Als ich das erste Mal für ein paar Sekunden vom Boden abgehoben bin, hat es mich gepackt.” Verschiedene Lizenzen befähigen zum lokalen oder überregionalen Fliegen sowie dem Tandemfliegen. Wichtig ist nicht nur das praktische Erlernen des Fliegens, sondern auch Wissen über Meteorologie und Luftrecht. “Gerade über Landau, wo viele Segelflieger unterwegs sind, ist es wichtig zu wissen, wer wem auszuweichen hat”, so Pfeiffer. Er ist Mitglied des Südpfälzer Gleitschirmflieger Club e.V. Duddefliecher (“Tütenflieger”), der sechs Startplätze in der Pfalz betreut.

Foto: Philipp Sittinger

Wo man landet, lässt sich bei Streckenflügen nicht genau voraussagen. Foto: Philipp Sittinger

Ein Leben für die Fliegerei

Seit seiner Ausbildung dreht sich im Leben des Diplom-Psychologen alles ums Fliegen: Er ist stets informiert, wie das Wetter in den nächsten Tagen sein wird und wie der Wind steht, um abschätzen zu können, wann sich die nächste Gelegenheit zum Start bietet. Auch im Urlaub darf der Gleitschirm natürlich nicht fehlen. Mittlerweile wird weniger das Fliegen in den Urlaub integriert, sondern der Urlaub um das Gleitschirmfliegen herum geplant. “Wo immer ich auch bin, habe ich meinen Gleitschirm dabei.” Selbstredend liegt das 13 Meter lange Stück Stoff auch jetzt einsatzbereit in seinem Büro. Madeira, Kolumbien, Schweiz: Pfeiffer hat schon viele Landschaften aus der Luft gesehen. Wo es am schönsten sei? Das könne man so nicht sagen. “Jeder Fleck hat seinen Reiz. Ich fliege sehr gerne über Landau “spazieren” – einfach, weil ich es kann”, lacht er. “Aber an riesigen Felswänden oder gar über Gletscher zu fliegen, ist natürlich auch eine unglaubliche Erfahrung. Da fühlt man sich sehr klein und unbedeutend, das ist der totale Wahnsinn.” Besonders reizvoll sei es, mit Freunden zusammen aufzusteigen. “Mehrere Stunden lang mit einem anderen Piloten über die atemberaubendsten Szenerien hinwegzugleiten, ist einfach großartig.” Aber auch das Tandemfliegen mit “Nicht-Fliegern” bereitet ihm viel Freude: “Es ist sehr schön, Fußgängern einen Eindruck davon zu vermitteln, wie sich das Fliegen anfühlt und welche Kräfte in der Luft auf den Körper einwirken.”

Andreas Pfeiffer hat schon viele Landschaften aus der Luft gesehen. Foto: Philipp Sittinger

Andreas Pfeiffer hat schon viele Landschaften aus der Luft gesehen. Foto: Philipp Sittinger

Achtsamkeit und Abenteuer

Ob sein Hobby nicht gefährlich sei, wird Pfeiffer oft gefragt. “Das ist alles eine Frage der Herangehensweise. Gleitschirmfliegen ist nicht gefährlicher als andere Sportarten. Der größte Unterschied ist, dass man nicht mittendrin aussteigen kann, sondern einen Flug zu Ende bringen muss, sobald man gestartet ist.” Die Witterungsbedingungen sind natürlich von hoher Bedeutung, weshalb es wichtig ist, gut informiert zu sein und die Situation richtig einschätzen zu können. Dafür braucht es neben Erfahrung vor allem gute Kenntnisse der Meteorologie. “Natürlich gilt es auch in der Luft, achtsam zu sein, um auf Wetteränderungen rechtzeitig reagieren zu können. Wenn ich sehe, dass der Wind Wellen auf dem See unter mir schlägt, sollte ich mir recht bald einen Landeplatz suchen”, scherzt er. In Relation zu der Vielzahl an Fliegern passieren bei dieser Sportart jedoch eher wenige Unfälle. Oftmals ist das Abenteuer mit der Landung jedoch nicht vorbei. Da sich beim Streckenfliegen mit dem Gleitschirm meist nicht genau voraussagen lässt, wo man ankommt, ist auch der Rückweg eine spannende Angelegenheit. “Einmal bin ich auf dem Acker eines Bauern gelandet, der gerade sein Feld gepflügt hat. Der hat mich dann mit seinem Traktor zum nächsten Bahnhof gefahren.” Pfeiffers Enthusiasmus ist ansteckend. “Ich bin natürlich total begeistert vom Gleitschirmfliegen”, sagt er, und das merkt man ihm an. Der Sport sei vor allem geeignet für Naturliebhaber und Menschen, die mal etwas anderes ausprobieren wollen. Abgesehen von allem Nervenkitzel und sportlichen Aspekten bietet das Fliegen natürlich auch eine Möglichkeit, um abzuschalten: “Beim Fliegen denke ich vielleicht über das Wetter nach oder welche Route ich als nächstes nehmen könnte. Aber woran ich nicht denke, ist meine Steuererklärung.”

Lisbeth Wolf

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