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Zwischen Lilien, Fröschen und Heilpflanzen

Dr. Markus Ackermann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Biologie auf dem Campus Koblenz. Gemeinsam mit Kolleg:innen betreut er den Biotopgarten. Fotos: Sarah-Maria Scheid

Dr. Markus Ackermann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Biologie auf dem Campus Koblenz. Gemeinsam mit Kolleg:innen betreut er den Biotopgarten. Fotos: Sarah-Maria Scheid

Verborgen hinter Zäunen blühen auf dem Campus Koblenz allerlei und zum Teil seltene Pflanzen. Bei dem geheimnisvollen Gelände handelt es sich um den Biotopgarten des Instituts für Integrierte Naturwissenschaften. Dr. Markus Ackermann aus der Arbeitsgruppe Botanik betreut die Fläche und erklärt uns, was hier wächst und wofür der Garten genutzt wird.

Wofür wird der Biotopgarten genutzt?

Wir gehen mit Biologiestudierenden in den Garten und nutzen ihn die Pflanzen als Kursmaterial, das wir für das anatomische und pflanzenphysiologische Grundpraktikum,  für die botanischen Bestimmungstechniken und das blütenbiologische Praktikum benötigen. Im Sommer beobachten wir dort zum Beispiel oft Blütenbesucher und -bestäuber. Teilnehmer der Heil- und Nutzpflanzenkurse schauen sich dort die dafür kultivierten Pflanzen an.

Wie wurde der Garten ins Leben gerufen?

Den Garten in der jetzigen Form gibt es seit 2010. Er entstand unter der Anleitung von Professor Eberhard Fischer und Dr. Dorothee Killmann. Ursprünglich lag der Garten zwischen dem M- und dem G-Gebäude. Aus Gründen des Brandschutzes und um Fluchtwege zu erhalten, musste er 2010 an den Campuseingang verlegt werden. Momentan haben wir ein bisschen Sorge, dass auf der Fläche des Gartens ein Studentenwohnheim gebaut wird. Dann wäre der Garten und somit die letzten naturnah angelegten Grünflächen weg.

Der Garten wirkt auf den ersten Blick sehr bunt gemischt. Wie ist er aufgebaut? 

Der Bereich vor dem Biotopgarten ist als eurasische Steppe angelegt. Das Pflanzenmaterial dafür war ein Geschenk der botanischen Gärten in Bonn. Wenn man den Garten betritt, sieht man auf der rechten Seite einen Teich mit weißen Seerosen. Diese findet man in der Natur nur noch in Hybridbeständen. Unsere Seerosen sind hingegen genetisch rein. Herr Fischer hat sie vor vielen Jahren im Westerwald gefunden und an der Universität angepflanzt. Das genetische Material der Art wird so erhalten. Am und im Teich sind außerdem Frösche, Libellen- und Armleuchteralgen zu finden.

Hinter dem Teich haben wir eine Sumpfzone angelegt, die Vertreter aus Mooregionen beinhaltet, wie zum Beispiel den Gagelstrauch und viele Seggen – das sind krautige Gräser. Auf der linken Seite vom Eingang findet sich ein Beet mit einer wilden Mischung von Blütenpflanzen die bienenfreundlich sind und auch für die Kurse verwendet werden. Besonders schön finde ich persönlich die Lilien.

Die meisten Seerosen sind Hybride. Hybridpflanzen werden als Nutz- und Zierpflanzen geschätzt, können ihre Eigenschaften aber nicht weitervererben. Die Seerosen im Biotopgarten sind dagegen genetisch rein.

Die meisten Seerosen sind Hybride. Hybridpflanzen werden als Nutz- und Zierpflanzen geschätzt, können ihre Eigenschaften aber nicht weitervererben. Die Seerosen im Biotopgarten sind dagegen genetisch rein.

Zu den schönsten Blumen im Biotopgarten zählen die prachtvollen Lilien.

Zu den schönsten Blüten im Biotopgarten zählen die der prachtvollen Lilien.

Ich erkenne einen Steinhaufen im Garten. Was hat es damit auf sich?

Das ist eine kleine Schwermetallhalde. Zwischen den aufgehäuften Steinblöcken sollen Pflanzen wachsen, die in Regionen mit schwermetallhaltigem Boden vorkommen. Leider funktioniert unsere Schwermetallhalde nicht. Hier haben wir nicht die Bedingungen schaffen können, die die Pflanzen benötigen. Stattdessen haben sich nun einige Pflanzen angesiedelt, wie zum Beispiel der Absinth, die man sonst an steinigen Böschungen am Rhein findet.

 

Eine Schwermetallhalde beherbergt normalerweise Pflanzen, die einen metallhaltigen Boden schätzen. Im Biotopgarten haben sich darauf allerdings andere Pflanzen angesiedelt.

Eine Schwermetallhalde beherbergt normalerweise Pflanzen, die einen metallhaltigen Boden schätzen. Im Biotopgarten haben sich darauf allerdings andere heimische Pflanzen angesiedelt.

Und was wächst in den großen Beeten am Ende des Gartens?

Hinter einem Steingarten befindet sich eine L-Förmige Anlage. Dort werden Pflanzen angebaut, die als Heildrogen und Gewürze einsetzbar sind. Hier wachsen Salomonsiegel, Waldmeister, Johannisbeeren, Maiglöckchen, heimische und mediterrane Kräuter. Das Material wird überwiegend im Heil- und Nutzpflanzenkurs verwendet.

Hinten links in der Ecke haben wir noch eine kleine Blockflur, also eine Felslandschaft, angelegt. Hier findet man die Bopparder Schleifenblume. Sie ist ein sogenannter Lokalendemit und kommt in freier Natur nur in Boppard vor und nirgendwo sonst. Wir sind um jeden Standort außerhalb von Boppard froh, der hilft, die genetische Vielfalt dieser extrem vom Aussterben bedrohten Art zu erhalten. Ansonsten finden sich dort Pflanzen, die an trockene, magere Standorte von Mosel und Rhein angepasst sind. Das Sediment ist dafür zum Teil von Rhein und Moselhängen hierher transportiert worden, damit die entsprechenden Pflanzen die optimalen Bedingungen haben, die sie benötigen.

Sie erwähnten Drogen. Heißt das, Sie bauen auch Rauschmittel an?

Eine Droge ist im Endeffekt jede Pflanze, die Giftstoffe enthält, oder in der Pharmazie verwendet wird. Man spricht von pflanzlichen Drogen, egal welche Wirkung sie haben. Im weiteren Sinne kann man jede Pflanze, die einen Effekt hat, als medizinische Droge bezeichnen. Konsumdrogen sind hier allerdings nicht vorhanden.

Im Heilpflanzenbeet werden Drogen angebaut – auch Pflanzen oder Pflanzenteile, die medizinisch wirksam sind, werden so bezeichnet.

Im Heilpflanzenbeet werden Drogen angebaut – auch Pflanzen oder Pflanzenteile, die medizinisch wirksam sind, werden so bezeichnet.

Wer kümmert sich um die Pflege des Gartens?

Wir pflegen den Garten und das Gewächshaus selbst. Frau Killmann, die restlichen Mitarbeiter der Botanik und ich teilen uns die Aufgaben. Das heißt gießen, Teilstücke pflegen und neu anlegen. Die Pflege ist recht aufwendig, da man unerwünschte Pflanzen schnell aus den Beeten entfernen muss, sonst verdrängen sie die gewünschten Arten.

Können auch Studierende anderer Fächer den Garten aufsuchen?

Der Biotopgarten ist nicht öffentlich zugänglich, wenn aber Interesse besteht, können Studierende, Mitarbeiter und Besucher der Universität  einen Termin zur Besichtigung vereinbaren. Um Diebstahl oder Vandalismus im Biotopgarten zu verhindern, wurde er eingezäunt. Vor einigen Jahren gab es ein aufwendig angelegtes Unigarten-Projekt von Studierenden. Doch so gut wie alle reifen Gemüse- und Obstsorten wurden gestohlen.

Zum Schutz der Pflanzen ist der Biotopgarten von einem Zaun umgeben. Studierende, die für Ihre Kurse nutzen und interessierte Campusangehörige können nach Absprache Zugang erhalten.

Zum Schutz der Pflanzen ist der Biotopgarten von einem Zaun umgeben. Studierende, die ihn für Ihre Kurse nutzen und interessierte Campusangehörige können nach Absprache Zugang erhalten.

Sie sagten, der Garten sei eine naturnahe Grünfläche. Was meinen Sie damit?

Im Biotopgarten wird nur einmal im Jahr gemäht. So können sich viele Pflanzenarten halten. Auf den Rasenflächen hier um den Campus ist das nicht der Fall, weil so oft gemäht wird. Der Garten leistet dadurch meines Erachtens einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität. Wir greifen weitestgehend nicht in die Natur ein, spritzen nicht, sondern schneiden höchstens einzelne Pflanzen zurück. Durch den Zaun ist der Garten auch vor Hunden geschützt. Hier kann man ungefährdet Beeren oder Kräuter probieren.

Sarah-Maria Scheid

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