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Wie die Arbeit in der Universitätsbibliothek Koblenz wirklich abläuft

Astrid Krämer arbeitet seit 20 Jahren in der UB am Campus Koblenz. Fotos: Sarah Maria Scheid

Astrid Krämer arbeitet seit 20 Jahren in der UB am Campus Koblenz. Fotos: Sarah Maria Scheid

Astrid Krämers Welt sind Bücher. Sie hat Bibliothekswesen in Frankfurt studiert und arbeitet seit 2000 in der Koblenzer Universitätsbibliothek. Ihr Beruf hat sich in den vergangenen Jahren durch die Digitalisierung stark verändert. Doch Krämer geht gern mit der Zeit und ist auch für die aktuelle Umgestaltung des Lehrraums zuständig.

Welche Tätigkeit üben Sie aus?

Ich arbeite ganztags und bin für alles zuständig, was mit der Benutzung der Bibliothek und Schulungen zu tun hat. Ich kümmere mich auch um die Ausbildung der Azubis. Wir haben aktuell zwei Auszubildende im zweiten Lehrjahr.

Sie sagten, sie leiten eine Abteilung, welche Abteilungen gibt es noch in der Bibliothek?

Wir haben zwei große Abteilungen im Haus: Die Medienbearbeitung wird von Laura Nichols geleitet und die Benutzungsabteilung von mir. Dr. Ralf Grunder obliegt hier am Standort Koblenz die Gesamtleitung. Dr. Karl-Josef Ziegler ist sein Stellvertreter und zuständig für alles, was mit EDV zu tun hat.

Was sind Ihre Aufgaben?

Als Abteilungsleiterin bin ich zuständig für die Einteilung der Mitarbeiter, für die Einsatzpläne und für alle organisatorischen Fragen, die mit der Benutzung der Bibliothek zu tun haben. Ich beantworte Fragen hinsichtlich unseres Lernraums, der Technik und unseren Schulungen. Außerdem arbeite ich an der Infotheke. Die zeitliche Aufteilung meiner Arbeitsbereiche richtet sich nach den Phasen des akademischen Jahres. In der Erstsemesterphase sind wir beispielsweise viel mit Schulungen und Führungen durch die Bibliothek beschäftigt. Dann arbeiten die Kollegen in diesem Bereich ein bisschen mehr. In anderen Phasen stehen wir öfter an der Ausleihtheke und beschäftigen uns mit organisatorischen Dingen. In den Semesterferien stehen die Organisation und Büroarbeit im Vordergrund.

Wie läuft die Arbeit ihrer Kollegen in der Bibliothek ab?

Wir haben ganz unterschiedliche Arbeitsbereiche: Mitarbeiter, die hauptsächlich an der Ausleihtheke tätig sind und sich um Ausleihe, Rückgabe, Mahnungen und Gebühren kümmern. Dann haben wir Kollegen, die meist für den Bereich Schulungen und Informationskompetenz zuständig sind. In den internen Abteilungen befasst man sich mit der Buchauswahl und Buchanschaffung, aber auch mit elektronischen Medien oder Zeitschriften. In unserer Bibliothek gibt es Halb- und Ganztagsstellen. Hier sind Kollegen tätig, die den Ausbildungsberuf in einer Bibliothek gelernt haben, Diplom-Bibliothekare, Kollegen mit Bachelorabschluss und auch Quereinsteiger, beispielsweise Buchhändler.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

Insgesamt sind wir 25 Mitarbeiter. Seit 2000 ist die Bibliothek am Standort Metternich und vorher war sie auf dem Oberwerth. In den letzten Jahren haben wir unser Personal vergrößert.

Wie gefällt Ihnen Ihre Tätigkeit?

Ich mag, dass ich vor allem mit Büchern zu tun habe, aber auch sehr viel mit Menschen. Außerdem ist es eine relativ abwechslungsreiche und angenehme Tätigkeit. Die Arbeitszeiten entsprechen den regulären Servicezeiten der Bibliothek. Wir haben für eine Bibliothek sehr gute Arbeitszeiten, weil wir weder samstags noch sonntags oder spät abends arbeiten müssen. Geöffnet haben wir ein bisschen länger. Die erweiterten Zeiten abends und am Wochenende werden vom Wachdienst abgedeckt.

Gibt es Anstrengendes an ihrer Arbeit?

Es gibt Sachen, die körperlich anstrengend sind. Vor allem die Kollegen, die viel mit dem Buchtransfer und Bücherkisten zu tun haben, stehen unter einer auf Dauer anstrengenden körperlichen Belastung. Was nervlich manchmal ein bisschen anstrengend ist, betrifft die Arbeit an der Ausleihtheke. Wir sind in einer Beratungssituation, demnach geht es hin und wieder um unangenehme Aufgaben, wie zum Beispiel um Mahngebühren.

In der Bibliothek ist viel automatisiert worden. Ist die Umstellung schwer?

Gerade wandelt sich der Job sehr. Heute gibt es nur noch sehr wenig, was noch so ist, wie ich es vor 25 Jahren in meiner Ausbildung gelernt habe. Die Arbeit hat sehr viel mehr mit elektronischen Medien zu tun und es gibt andere Schwerpunkte.

Im Moment ist es ein bisschen mehr Aufwand, weil alle Benutzer, die wir haben, ihre Karten umtauschen müssen. Die Bibliothek steigt auf das Chipkartensystem um, damit wir kein Bargeld mehr an der Theke haben. Insofern ist das jetzt ein bisschen organisatorischer Mehraufwand. Das Handling ist dann aber vermutlich einfacher, weil wir keine Barkasse mehr führen müssen.

Welche Veränderungen stehen in der Bibliothek denn noch an?

Ein aktuell großes Arbeitsfeld von mir persönlich ist die Umgestaltung unseres Lernraumes. Im Moment ist unser Benutzungsbereich für die Arbeit an den Tischen nur eingeschränkt nutzbar. Wir sind dabei, die Bibliothek neu auszustatten. Es soll neue Tische geben, eine neue Aufteilung und neue Arbeitsplätze. Dann kann man in der Bibliothek wieder angenehmer und stressfreier lernen. Die Elektrifizierung, war veraltet und nicht mehr sicher. Wir durften sie so nicht mehr betreiben. Daher sind wir aktuell dabei, die Raumgestaltung neu zu überdenken. Wir hoffen, dass wir den Lernraum im Laufe dieses Jahres umgestalten können. In der Regel ist ein Großteil der Tische besetzt. Wir benötigen unbedingt mehr Tische und Gruppenarbeitsplätze. Dass das Gebäude erweitert wird, ist aber eher nicht geplant.

In der Bibliothek finden sich auch einige leere Regale. Wie viele Bücher stehen ungefähr in der Bibliothek?

Grundsätzlich muss eine Bibliothek leere Regale haben, um auch für die zukünftigen Jahre noch genug Raum für neue Bücher zu bieten. Laut Stand 2018 sind es etwa 322.900 Bücher, die in den Regalen stehen. Die Anzahl verändert sich andauernd. Es gibt zum einen die Bücher, die wirklich bei uns in der Bibliothek stehen, aber der weitaus größere Anteil sind E-Books oder E-Journals, also Datenbanken, auf die wir nur noch elektronischen Zugriff haben. Diese Bücher stehen nicht mehr in Papierform bei uns. Wir haben laut der Bestandsaufnahme vom letzten Jahr 46.318 lizensierte E-Books in unserer Datenbank. Pro Jahr kommen etwa 7.000 bis 8.000 neue Bücher hinzu.

Gibt es dann für ältere Zeitschriften und Bücher ein Archiv?

Wir sind eine Gebrauchsbibliothek, also gibt es kein historisches Archiv. Dennoch gibt es einen Magazinbereich mit Büchern und Zeitschriften, die wir vor 1993 angeschafft haben. Diese sind bis auf einen kleinen Sonderbestand uneingeschränkt bestellbar und ausleihbar.

Ältere Medien werden im Magazin der Universitätsbibliothek gelagert. Foto: Sarah-Maria Scheid

Ältere Medien werden im Magazin der Universitätsbibliothek gelagert.

Welche Voraussetzungen braucht man, um in einer Bibliothek arbeiten zu können?

Es gibt tatsächlich drei verschiedene Arten von Berufsabschlüssen, mit denen man hier arbeiten kann. Zunächst gibt es den Ausbildungsberuf des Fachangestellten für Medien und Informationsdienste. Das ist gleichzeitig der Ausbildungsberuf der in Bibliotheken, Archiven und Dokumentationsstellen angeboten wird. Das Studium ist ein Bachelor-Studiengang im Bibliothekswesen. Alternativ kann man noch ein zusätzliches Fachstudium absolvieren, um sich höher zu qualifizieren. Dr. Grunder und Dr. Ziegler haben ein Fachstudium abgeschlossen. Sie sind Wissenschaftler mit Bibliothekar-Studium. Mit der Höherqualifikation kann man in den führenden Positionen einer Bibliothek arbeiten.

Ist es möglich, bei Ihnen auch als Student zu arbeiten?

Ja, wir haben momentan drei studentische Hilfskräfte, die uns im Bereich Zurückstellen der Bücher unterstützten.

Das Interview führte Sarah-Maria Scheid 

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