Uni-Menschen
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Wie auf fliegenden Besen, aber unter Wasser

Max Kieth spielt seit seinem 12. Lebensjahr Unterwasserrugby. Foto: Jan Luca Mies

Max Kieth spielt seit seinem 12. Lebensjahr Unterwasserrugby. Foto: Jan Luca Mies

Von Rugby hat jeder schon gehört. Und von Wassersport sowieso. Aber was ist Unterwasserrugby?  Unter der teils stark schäumenden Wasseroberfläche sieht man einen Vollkontakt-Teamsport, der seinem Bruder vom Lande in Sachen Action in nichts nachsteht. Mittendrin: Der U21-Vizeweltmeister im Unterwasserrugby  und Grundschullehramtsstudent am Campus Koblenz, Max Kieth.


In unserer Serie Uni-Menschen stellen wir euch interessante Persönlichkeiten vor, die an der Universität Koblenz-Landau studieren und arbeiten.

Lautes Wasserspritzen schallt durch die Schwimmhalle. Ein Sportler durchbricht schwer atmend die Wasseroberfläche. Unter Wasser schießen kräftige Athleten mit Flossen und Tauchmaske einem Ball pfeilschnell hinterher. Der Kampf um das Spielgerät ist für die Zuschauenden durch die Flüssigkeit kaum zu hören. “Das Faszinierendste am Unterwasserrugby ist die Dreidimensionalität”, erklärt Max Kieth seine Liebe für den Sport strahlend. Damit meint er, dass man sich unter Wasser nicht nur nach vorne und hinten oder zur Seite bewegen kann, sondern eben auch nach oben und unten. “Von überall können Gegner kommen.” Es ist die einzige dreidimensionale Sportart, die es gibt. Zumindest real existierende Sportart. Fans von Rowlings “Harry-Potter”-Reihe fallen hier bestimmt Gemeinsamkeiten zum Zaubersport “Quiddich” auf.

Die Teams bestehen aus jeweils zwölf Sportlern, sechs davon im Wasser, sechs zum Auswechseln bereit. Wichtig dabei: ein langer Atem. Foto: Konstantin Killer

Die Teams bestehen aus jeweils zwölf Sportlern, sechs davon im Wasser, sechs zum Auswechseln bereit. Wichtig dabei: ein langer Atem. Foto: Konstantin Killer

Entspannt Tauchen war gestern

“Man spielt sechs gegen sechs und ‘rangelt’ dabei unter Wasser um einen Ball und versucht, Tore zu erzielen”, fasst Kieth die Regeln knapp zusammen. Ein Team besteht aus zwölf Spielern; sechs davon im Wasser, sechs zum Auswechseln bereit. Das Spielgerät ist mit Salzwasser gefüllt und dadurch schwerer als das Wasser im Schwimmbad. Der Ball sinkt also. Wirklich gut werfen kann man ihn aber auch nicht, weshalb er “eher ins Ziel gedrückt” wird als geworfen. Da die Gegner das verhindern wollen, brauchen die Sportler mächtig Kraft. In erster Linie ist Unterwasserrugby aber ein Teamsport, bei dem keiner alleine gewinnen kann.

Einen Punkt erzielt ein Team, wenn der Ball in den gegnerischen Korb kommt. Das ist ein Metalltor in der Form eines Korbes auf dem Boden des Beckens. Das kann bis zu fünf Meter tief sein. Der Ball muss von oben durch die 40 Zentimeter große Öffnung gedrückt werden. Um das zu verhindern, darf sich der Torwart, der sogenannte Deckel, sogar auf den Korb legen. Daran festhalten darf er sich aber nicht. Ein anderer Mitspieler, der Dackel, versucht zu verhindern, dass der Deckel von unten einfach nach oben weggedrückt werden kann. Gute Kommunikation ist gefragt; und das ohne reden zu können.

Der Korb wird von einer Art Torwart, dem sogenannten Deckel, geschützt. Foto: Konstantin Killer

Der Korb wird von einer Art Torwart, dem sogenannten Deckel, geschützt. Foto: Konstantin Killer

“Prinzipiell ist bei diesem Sport alles erlaubt”, erklärt Kieth die Vollkontaktkomponente seines Sports. Und das sieht auch der Zuschauende. Unter Wasser ziehen und raufen sich die Sportler, sodass man schnell den Überblick verliert: Wer hält jetzt eigentlich wen fest? Allerdings darf nur der ballführende Spieler angegriffen werden. Dieser darf aber natürlich auch angreifen. Zum Beispiel um den Deckel zu bewegen. Grobe Unsportlichkeiten und alle Attacken gegen den Kopf sind verboten. Diese werden von den drei Schiedsrichtern sofort geahndet. Man darf nicht vergessen: Das alles passiert unter Wasser, also ohne Luft. Es ist also langer Atem gefragt. Die Anstrengung hört man nur richtig, wenn einer der Athleten zum Luftholen die Wasseroberfläche durchbricht. Das erklärt auch, warum zwei Halbzeiten à 15 Minuten pro Spiel reichen.

Wird der Ball in den Korb gedrückt, gibt es einen Punkt. Foto: Konstantin Killer

Wird der Ball in den Korb gedrückt, gibt es einen Punkt. Foto: Konstantin Killer

Da Unterwasserrugby eine Vollkontaktsportart ist, ist auch ziehen und raufen unter Wasser erlaubt. Foto: Konstantin Killer

Da Unterwasserrugby eine Vollkontaktsportart ist, ist auch ziehen und raufen unter Wasser erlaubt. Foto: Konstantin Killer

Wenn einen etwas begeistert, fällt es leichter

Seit seinem zwölften Lebensjahr spielt Kieth Unterwasserrugby. Sein Vater ist selbst aktiv und hat ihn irgendwann einfach mitgenommen. Der Jugendliche war direkt begeistert. Heute spielt er beim DUC Köln in der Ersten Bundesliga West. Zweimal in der Woche fährt er zum Rugby-Training nach Köln. Dazu kommen am Wochenende noch weitere Lehrgänge oder die Spiele. Unter der Woche trainiert Kieth zusätzlich in Koblenz eigenständig im Schwimmbad, Fitnessstudio, in der Wohnung oder er läuft eine Runde entlang des Rheins oder der Mosel.

“Ich konnte das Studium hier in Koblenz gut mit meinem Sport vereinen”, beschreibt der Lehramtsstudent die Wahl seines Studiengangs. Gerade das freie Erstellen des Stundenplans und die gute Zuganbindung haben es ihm vereinfacht, zum Training zu kommen. Den hohen Aufwand mit Sport und Uni empfindet Kieth gar nicht als so sehr anstrengend, “denn wenn einen etwas begeistert, fällt es einem viel leichter”. Das gelte sowohl für Unterwasserrugby als auch für die Universität.

Eine besondere Phase für den Studenten war die U21-Weltmeisterschaft 2018 in Oberhausen. Im Vorfeld wurde mehr trainiert und gependelt als je zuvor, sodass doch der ein oder andere Unitag mehr als gewöhnlich ausfallen musste. Die WM alleine ging inklusive Anreise über sieben Tage. Aber das war kein Problem. Der junge Mann hatte einen Kaderathletenstatus und dadurch eine Fehlstunde mehr pro Veranstaltung beantragt. Die Dozierenden waren sehr entgegenkommend und meist auch äußerst interessiert. Klar musste Kieth den Stoff trotzdem nachholen, aber die U21-Weltmeisterschaft war einfach “ein unfassbar großes Event”. Auch wenn Deutschland im Finale 2:1 gegen Kolumbien verloren hat.

Nächste Schwimmzüge?!

Neben dem Ende seines Studiums in Koblenz hat Unterwasserrugby für Kieth weiterhin größte Priorität. Ein Ziel sei es, irgendwann in den A-Nationalkader zu gelangen. Ob und wann das klappt, sei aber eine ganz andere Frage. Die Chance, in den Herrenkader zu gelangen, sei gering und noch entfernt. Häufig würden Spieler erst mit Mitte 25 bis 30 in den Herrenkader stoßen. Deshalb wurde eine Art U24-Kader in Deutschland eingerichtet, indem zum Beispiel die U21-Talente aufgefangen werden und ebenfalls auf Turniere fahren.

Die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft steht auch auf der Agenda. Dort treffen die besten Mannschaften der drei Bundesligen in einem Meisterschaftsturnier aufeinander, um den Deutschen Meister auszuspielen. Vielleicht ja bald mit einem Studenten der Universität Koblenz-Landau.

Um sich genauer mit den Regeln zu beschäftigen, bietet der Verband Deutscher Sporttaucher online eine gute Anlaufstelle und die Youtube-Videoaufnahmen der European Underwater Rugby League eigenen sich ideal, um optische Eindrücke zu sammeln. Am Campus Koblenz steht Max Kieth auch gern für Fragen bereit.
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