Uni-Menschen
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Wenn Sport und Organisationstalent zum Lebensmittelpunkt werden

Sabine Bauer leitet seit 2005 den Allgemeinen Hochschulsport in Koblenz, ist aber auch in viele andere Projekte involviert. Fotos: AHS Koblenz

Sabine Bauer leitet seit 2005 den Allgemeinen Hochschulsport in Koblenz, ist aber auch in viele andere Projekte involviert. Fotos: AHS Koblenz

Ob die Organisation von Kursen, Betreuung von Abschlussarbeiten oder selbst als Leiterin für Sportkurse: Dr. Sabine Bauers Organisationstalent vereint alles. Die Koblenzerin hat an der Universität Koblenz-Landau Mathematik, Physik und Sportwissenschaft auf Lehramt und Magister studiert. Seit 2005 leitet sie den Allgemeinen Hochschulsport der Koblenzer Hochschulen und ist in diversen Arbeitsgruppen in der Forschung aktiv.

Welche Aufgaben fallen als Leiterin des AHS an?

Die Leitung des Allgemeinen Hochschulsports beinhaltet sehr vielfältige Aufgaben.  Viele denken auf den ersten Blick nur an die Kursorganisation, aber wir bieten noch viel mehr an und sind auch unterstützend für Institute, Zentrale Einrichtungen und Serviceeinrichtungen der Universität und der Hochschule Koblenz tätig. Wir sind nicht nur für die Universität Koblenz-Landau am Campus Koblenz zuständig, sondern auch für die Hochschule Koblenz mit ihren verschiedenen Standorten. Also auch in Remagen und auf dem WesterwaldCampus.

 Foto: ColourboxIn unserer Serie Uni-Menschen stellen wir euch interessante Persönlichkeiten vor, die an der Universität Koblenz-Landau studieren und arbeiten.

Für den Freizeitbereich wie auch für den Wettkampfbereich bieten wir unter dem Dachverband des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (ADH) verschiedenste Angebote an. Unter der Führung des ADHs werden in diversen Sportarten Wettkämpfe angeboten, wie zum Beispiel Leichtathletik, aber auch  Skifahren oder Rudern. Wir kümmern uns um die Organisation der Turnierteilnehmenden, Anmeldungen, Anfahrt und Trikots. Ansonsten arbeiten wir viel im Bereich der Gesundheitsprävention. Zum Beispiel haben wir bei der Langen Nacht der Hausarbeiten  Bewegungspausen angeboten.

Wie bekommen Sie die Standorte alle unter einen Hut?

Das ist eine Grätsche. Die räumlichen Gegebenheiten sind an jedem Standort anders. Es ist manchmal schwierig, wenn keine Sporthalle in der Nähe ist und man anderweitig passende Räumlichkeiten finden muss. Aber das bekommen wir immer ganz gut über Kooperationspartner geregelt. Wir kooperieren stark mit Sportverbänden und Vereinen. Zusammen mit Kursleitung und Teilnehmenden findet sich eigentlich immer eine gute Lösung.

Wie hat sich die Lage seit Corona verändert?

Wir waren im Sportbereich eine der ersten universitären Sportstätten, die ein Online-Programm angeboten haben. Das wurde dann über den ADH verbreitet und andere Unis haben sich angeschlossen. Die Schwierigkeit war, dass es über den Sommer eine Teillockerung gab, wir unser Hygienekonzept entsprechend angepasst haben und weniger Plätze pro Kurs ausgewiesen haben. Anschließend konnte dann doch alles nur online stattfinden. Man musste schauen, wie man die Kurse wieder umstellt. Außerdem kämpfen wir nicht nur mit Corona, sondern auch mit einem Wasserschaden in unserer Sporthalle.

Was ich großartig finde, ist, dass auch von Studierendenseite Ideen für Online-Angebote gefunden werden. Vor Kurzem kam ein engagierter Student zu uns, der angeboten hat, einen Online-Kochkurs unter verschiedenen “sportlichen” Themen anzubieten, wie zum Beispiel Low Carb oder Superfood.

Wie organisieren Sie alle Trainer des AHS?

Wir haben 100 bis 110 Honorarkräfte und über 1.400 Kursbuchungen pro Semester. Zum Glück haben wir schon, seitdem ich dabei bin, viel Wert auf Digitalisierung gelegt. Nun können wir darauf zurückgreifen und wissen, welche Kursleitung und am Kurs teilnehmende Personen in welchem Kurs angemeldet sind. So können wir sehr kurzfristig E-Mails an die Teilnehmenden schicken. Die Kursteilnehmenden buchen ihre Kurse online über unsere Homepage. Wir hatten mal den Fall im Normalbetrieb, dass Kurse wie Zumba nach wenigen Minuten ausgebucht waren, obwohl der Kurs um Mitternacht freigeschaltet wurde. Innerhalb von drei Minuten war mal ein Zumba-Kurs ausgebucht.

Die Kursorganisation verläuft für Sabine Bauer meist vom Schreibtisch aus. Ab und an übernimmt sie aber auch mal eine Kursleitung.

Die Kursorganisation verläuft für Sabine Bauer meist vom Schreibtisch aus. Ab und an übernimmt sie aber auch mal eine Kursleitung.

Wie finden Sie neue Angebote und Trainingsideen für den AHS?

Wir bekommen viele Anfragen. Darüber freuen wir uns natürlich. Manchmal sind dort sehr interessante Sportarten dabei. Man muss sich um die Umsetzung Gedanken machen und schauen, wie ansprechend bestimmte Kursideen sind. Dann gibt es Bereiche, für die wir eine Übungsleitung suchen. Wir machen dann einen Aufruf über Facebook oder unsere Homepage. Gerade versuchen wir, Angebote wie Roundnet, Flag Football, Aquafitness oder Reiten in Kooperation mit Vereinen und Sportverbänden umzusetzen.

Geben Sie selbst als Trainerin beim AHS Kurse?

Frisch angekommen: Nordic-Walking-Stöcke für den Betriebssport.

Frisch angekommen: Nordic-Walking-Stöcke für den Betriebssport.

Ich habe noch einen Lehrauftrag im Institut für Sportwissenschaften und ich hatte früher etwa fünf Jahre lang eine Stelle im Institut. Dadurch war ich in verschiedene Bereiche eingebunden – vom Geräteturnen über Leichtathletik bis zu Badminton. Daher weiß ich heute, wenn ich mit den Kursleitenden interagiere, worauf es ankommt und wie die Inhalte sein könnten. Aktuell kann ich mich in der Lehre nicht mehr ganz so viel einbringen. Allerdings gebe ich noch einen Nordic-Walking-Kurs für die Angestellten an der Universität, weil mir das sehr am Herzen liegt. Außerdem kann ich gegebenenfalls mal einspringen, wenn die Kursleitung, zum Beispiel in der Allround Fitness, ausfällt.

Ihr gesamter Werdegang hat sich an der Universität Koblenz- Landau abgespielt. Welches Erlebnis verbindet Sie besonders mit der Universität?

Was mir an Veranstaltungen besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Meisterehrungen. Unser damaliger Präsident der Universität, die Präsidentin der Fachhochschule und viele bekannte Sportler:innen waren vor Ort. Ich glaube, wir sind die Universität, die bisher die meisten Olympiasieger zu Gast hatte. Besucht haben uns Anna Dogonadze, die Olympiasiegerin im Trampolinturnen. Und Nils Schumann, Olympiasieger im 800-Meter-Lauf, hat einen Vortrag gehalten. Der Weltrekordhalter über 100 Meter, Donovan Bailey, war hier. Er hat sogar mit den Studierenden trainiert. Es waren schon jede Menge erfolgreiche Sporttreibende bei uns. Vor allem wenn Studierende mit ihnen in Kontakt kamen, waren das großartige Augenblicke.

Wie haben Sie es geschafft, Kontakt zu erfolgreichen Sportler:innen aufzubauen?

Ich habe früher selbst Leichtathletik gemacht. Meine Trainingsgruppe hatte zum Beispiel ein Kugelstoßmeeting organisiert, das vor dem Engerser Schloss stattfand. Das Event hat sich bald so gut entwickelt, dass dies irgendwann Olympia-Qualifikation war. Das heißt, die Sporttreibenden, die an Olympia teilnehmen wollten, mussten unter anderem über unser Kugelstoßmeeting qualifiziert werden. Damals waren die weltbesten Kugelstoßer vor Ort. Diese hatten dann wiederum Kontakte zu den weltbesten Sprintern oder Stabhochspringern. Dadurch habe ich die meisten Persönlichkeiten kennengelernt. Es ist von Vorteil, dass ich mir über eine so lange Zeit Kontakte in der Region aufbauen konnte.

Sie arbeiten in der Forschungsgruppe VisSim mit. Hier geht es um biomechanische Abläufe im menschlichen Körper und deren digitale Visualisierung. Wie beteiligen Sie sich am Projekt?

Die AG VisSim, auch „Visualisierung und Simulation“ genannt, ist eine Arbeitsgruppe unter meiner Leitung,  die durch Professor Dietrich Paulus unterstützt wird. Außerdem arbeite ich viel mit der Informatik und Mathematik zusammen. Dort laufen auch Forschungsprojekte. Inhaltlich geht es um die Kräfteverteilung der Wirbelsäule und um Operationsplanung. Wir arbeiten mit Firmen zusammen, mit denen wir beispielsweise Implantate oder Bewegungsanalysesysteme entwickeln und erweitern. Ich betreue Forschungspraktika, Abschlussarbeiten und Promotionen.

Woran forschen Sie aktuell?

Im Moment arbeiten wir am Projekt “Smombie”, also “Smartphone Zombie”. Jugendliche und Erwachsene schauen oft mehrere Stunden am Tag mit gesenktem Kopf auf ihr Smartphone. Wir haben uns überlegt, welche Auswirkungen das auf die Halswirbelsäule haben kann. Wir erstellen Simulationsabläufe und analysieren über Motion Capture die Körperhaltung. Wir kooperieren mit medizinischen Spezialist:innen und mit Radiolog:innen, die uns fachwissenschaftlich beraten und entsprechendes medizinisches Bildmaterial zur Verfügung stellen. Medizinische Bildverarbeitung, Biomechanik, mathematische Simulationen,  Trainingswissenschaft und Medizin spielen in das Projekt mit ein. Desweitern befasst sich die Forschungsgruppe zurzeit mit der Entwicklung eines neuen Lendenwirbelersatzimplantats und einer Weiterentwicklung eines Halswirbelsäulenimplantats.

Was machen Sie außerhalb des stressigen Alltags? Sind Sie dort auch besonders sportlich?

Sabine Bauer beim Rhein-Lahn-Volkslauf Koblenz.

Sabine Bauer beim Rhein-Lahn-Volkslauf Koblenz.

Sabine Bauer beim Rhein-Lahn-Volkslauf Koblenz.In meiner Freizeit bin ich sportlich aktiv. Außerdem habe ich zwei Kinder und bin verheiratet. Mein Sohn spielt Handball und dort bin ich Zeitnehmerin, mache die Einteilung der Zeitnehmer:innen und Sekretär:innen für die Spiele des TV Güls für die Erste und Zweite Mannschaft und für die Jugendmannschaften. Des Weiteren bin ich erste Vorsitzende des Fördervereins der KITA Bullerbü e.V. und Mitglied Stiftungsrats der Jugendstiftung in Rübenach. Langweilig wird es mir nicht.

 

 

Interview: Sarah-Maria Scheid

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