Start up: Gründergeschichten
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Wenn aus dem Schulprojekt ein eigenes Unternehmen wird

Daniel Zacharaias studiert Informationsmanagement in Koblenz. Mit Freunden entwickelte er die Schulapp "Sdui". Foto: Teresa Schardt

Daniel Zacharaias studiert Informationsmanagement in Koblenz. Mit Freunden entwickelte er die Schulapp "Sdui". Foto: Teresa Schardt

„Stay hungry, stay foolish“, sagte Steve Jobs einmal. Der ehemalige Apple-Chef ist das Vorbild des 21-jährigen Gründers Daniel Zacharias. Er ist CEO des Unternehmens Sdui mit Sitz im TechnologieZentrum Koblenz. Mit seinem Team entwickelt und vermarktet Zacharias eine Schul-App, die als WhatsApp-Alternative den Alltag zahlreicher Schüler und Lehrer verändern soll.

Wie kommt man auf die Idee, eine Schul-App zu entwickeln?

Die allermeisten Bildungseinrichtungen haben keine Affinität zu Technik oder können nicht damit umgehen. Darüber ärgern sich die Schüler oft. Niemand steht gern um 6 Uhr morgens auf, um dann in der Schule zu erfahren, dass der Lehrer krank ist und die ersten beiden Stunden ausfallen. An diesem Punkt setzten wir an. Die App ist eine Art Whatsapp-Alternative für die Kommunikation in der Schule. Schüler, Lehrer und Eltern sollen mit Sdui schneller informiert werden.

Als Sie die App entwickelten, waren Sie selbst noch Schüler…

Stimmt. Gemeinsam mit meinen besten Freunden Jan und René nahm ich 2016 an dem Wettbewerb Jugend forscht teil. Sdui konnte zu diesem Zeitpunkt aber nur den individuellen Stundenplan der Schüler unseres Gymnasiums anzeigen. Wir belegten den zweiten Platz und waren stolz auf unsere Leistung. Zu unserer großen Freude wurde die App nach und nach auch für andere Schulen interessant und wir gründeten eine Unternehmergesellschaft, um Sdui weiter zu vermarkten. Heute wird unsere Firma von zahlreichen Unternehmen und Organisationen unterstützt.

Was kann die Schul-App?

Die App verfügt über verschiedene Arten der Kommunikation, um Schulen zu digitalisieren und zu automatisieren. So synchronisiert Sdui beispielsweise den aktuellen Stundenplan vollautomatisch mit der Software, die eine Schule bereits zur Stundenplanung nutzt – und zeigt jedem seinen individuellen Plan auf dem Smartphone. Sie informiert über Vertretungen, Raumänderungen und sonstige Neuigkeiten, die über den Schulalltag hinweg auftauchen. Als Lehrer kann ich innerhalb weniger Sekunden eine Mitteilung, auch mit Anhang, an meine Klasse senden. Oder als Schulleiter teile ich mit Sdui den neuen Elternbrief einfach digital – und kriege sofort eine Lesebestätigung, sobald die Eltern den Brief gelesen haben. Der große Vorteil ist, dass die Schulen keine technische Grundvoraussetzung benötigen, um die App einzurichten. Es dauert lediglich 30 Minuten. Pro Schule berechnen wir für die Installation 495 Euro und noch einmal 1,45 Euro pro Schüler pro Jahr.

Was hat der Name Sdui für eine Bedeutung und wie spricht man ihn aus?

Es gibt eine offizielle und eine inoffizielle Bedeutung hinter dem Namen. Offiziell sagen wir: Der Name steht für Student Digital User Interface. Aber eigentlich ist der Name entstanden, als wir am Anfang des Projekts vor dem PC saßen und überlegt haben, wie wir das Ganze nennen. Wir hatten alle keine Idee, also schlugen wir mit geschlossenen Augen auf die Tastatur. Und siehe da: Bei einem von uns kam Sdui heraus. Wir fanden den Namen cool, weil er kurz und prägnant ist und doch irgendwie außergewöhnlich. Man spricht ihn eigentlich so aus, wie man im ersten Moment denkt: Einfach Sdui.

Was sind Ihre Aufgaben als CEO?

Ich übernehme die komplette Geschäftsführung. Dazu gehören beispielsweise der Vertrieb sowie der Verkauf an die Schulen. Auch die Investorensuche und das Personalmanagement fallen in mein Aufgabengebiet. Kurz ausgedrückt kann man sagen, dass ich das Team und dessen Aufgaben koordiniere und immer versuche, den Überblick zu behalten.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag in der Firma aus?

Einen normalen Arbeitsalltag habe ich nicht. Doch genau das ist das Schöne an meinem Beruf. Der Tag bringt stets Überraschungen und es wird nie langweilig. Ich telefoniere mit Partnern, schreibe Mails, sitze in Meetings und halte sogar Seminare. Generell beginnt mein Arbeitstag zwischen 7.30 Uhr und 8.00 Uhr und endet häufig erst spät abends. Dennoch liebe ich, was ich tue, und das ist die Hauptsache.

Wie ist das Team entstanden?

Als Entwickler der App waren meine Schulfreunde Jan und René natürlich von Anfang an dabei. Wir entwickelten die Idee der App noch zu Schulzeiten zusammen. Der Rest kommt von überall her. Wir suchen unentwegt nach neuen Leuten. Informatiker, Software-Entwickler sowie Personal für Vertrieb und Marketing sind immer willkommen.

Was ist die größte Herausforderung als Kopf eines Start-Up-Unternehmens?

In einer frisch gegründeten Firma gibt es immer viele Baustellen und der Tag geht schnell vorbei. Die besondere Schwierigkeit als Leiter besteht nun darin, zu entscheiden, an welcher Ecke als nächstes gearbeitet wird. Man muss Prioritäten setzten können.

Wussten Sie schon zu Studienbeginn, was Sie beruflich erreichen wollen?

Ich wusste schon immer, dass ich nirgendwo richtig reinpasse. Ich studierte im Sommer 2017 ein Semester Psychologie und Theologie in Manchester. Dieses Auslandsemester qualifizierte mich für den Studiengang Investmentbanking in Frankfurt, doch auch das war nichts für mich. Zurück in Koblenz schrieb ich mich für Informationsmanagement ein. Um ein wenig Geld nebenher zu verdienen, gründeten wir im August 2017 die Firma. Die Arbeit machte mir Spaß und wir erzielten schneller Erfolge, als wir geglaubt hatten. Das Studium wurde zur Nebensache und der Nebenjob zur Hauptbeschäftigung. Heute habe ich zehn fest angestellte Mitarbeiter und beschäftige zusätzliche Werksstudenten. In der Vergangenheit habe ich viele Eignungstest gemacht, doch nichts hat mir wirklich zugesagt. Mir war klar, dass kein normaler Beruf zu mir passt. Ich brauche viel Abwechslung und täglich neue Herausforderungen. Für diese Freiheit bin ich bereit, viel Zeit und Mühe zu investieren.

Welche Rolle spielt das angefangene Studium Informationsmanagement für Ihre Tätigkeit als CEO?

Mein Vater sagte einmal zu mir: „Ein Studium ist nicht da, um die Inhalte zu lernen, sondern um zu lernen, wie man lernt“. Natürlich hilft einem die Theorie, dennoch verdanke ich die meisten meiner praktischen Erfahrung.

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die Uni und an Ihre Studienstadt Koblenz zurückdenken?

Lustigerweise denke ich als erstes an das Mensaessen. Die Menüs sind wirklich gut, noch heute esse ich gern dort zu Mittag. Es hat mir auch immer gut gefallen, Schwerpunkte und Stundenpläne selbst bestimmen zu können. So konnte ich eigenständig meinen Interessen nachgehen.  Zu guter Letzt habe ich die Gemeinschaft unter den Studenten geschätzt. Es ist schön, sich zusammen weiterzubilden.

Wie halten Sie noch Kontakt zur Uni?

Ich bin immer noch immatrikuliert und die Professoren kennen mich. Ab und an essen wir gemeinsam in der Mensa. Darüber hinaus halte ich Vorträge in verschiedenen Kursen.

Der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Den besten Rat habe ich von meinen Eltern bekommen. Sie sagten mir, ich soll durchziehen, was ich mir vorgenommen habe. Es geht nicht um was wäre wenn, sondern darum, Dinge in die Tat umzusetzten. Wie soll man auch wissen, ob ein Weg der Richtige ist, wenn man ihn nicht geht? Fehler unterlaufen jedem, die Frage ist nur, ob man sie früher oder später macht. Aus diesem Grund bin ich jeder Fehlentscheidung dankbar, um darauf etwas zu lernen.

Generalist oder Spezialist – auf was sollten Studierende Ihres Faches bei der Wahl der Schwerpunkte achten?

Als Gründer muss man einen Überblick über alle Bereiche in einer Firma haben und zwischen den einzelnen Parteien vermitteln. Man ist also ein Generalist. Meine Mitarbeiter jedoch sind absolute Spezialisten auf ihrem Fachgebiet. Je nachdem, wo man später arbeiten möchte, ist es also wichtig, entweder von allem etwas zu wissen oder sich genaustens mit einer Thematik auszukennen.

Was raten Sie unseren Studierenden, die sich für Ihre Berufsbranche interessieren?

„Stay hungry stay foolish“, sagte Steve Jobs einmal. Und auch ich denke, dass es am wichtigsten ist, stets neugierig zu sein. Habt also keine Angst vor Fehlern, die passieren in jedem Fall. Es liegt bei euch, ob ihr früher oder später eine falsche Entscheidung trefft. Ich kann nur den Rat geben, eure Ideen umzusetzten und daraus zu lernen. Zögert nicht.

Was wollen Sie zukünftig noch erreichen?

Die Weltherrschaft erlangen (lacht). Spaß beiseite: Wir wollen natürlich, dass die Firma wächst und der Umsatz steigt. Wir wollen die beste Schulapp sein und das Schulbildungssystem verbessern und verändern.

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