Aus dem Labor
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Wasser unter dem Mikroskop

Dorothee Karger leitet seit über 30 Jahren die biologisch-ökologische Station der Universität Koblenz-Landau. Fotos: Sarah-Maria Scheid

Dorothee Karger leitet seit über 30 Jahren die biologisch-ökologische Station der Universität Koblenz-Landau. Fotos: Sarah-Maria Scheid

Auf den See hinausfahren, Proben nehmen, Plankton untersuchen oder chemisch-physikalische Analysen durchführen – das alles ist in der Biologisch-Ökologischen Station der Universität Koblenz-Landau in Bettenfeld möglich. Dorothee Karger ist seit über 30 Jahren Leiterin der Station vor Ort.

Was wird mit den Studierenden und Schüler:innen hier untersucht?

Wir untersuchen mit wechselnden Kursen aus Schulen und Universitäten den ökologischen Zustand der Vulkanseen in der Eifel. Genauer gesagt den Zustand des Windsborn Kratersees und des Meerfelder Maares. Wir betreiben hier klassisches Biomonitoring.

In unserer Serie Aus dem Labor stellen wir Menschen und Projekte vor, die die Forschung voranbringen.

Wenn die Studierenden aus Koblenz kommen, halte ich Vorlesungen und die limnologischen Grundlagen eines Gewässers werden besprochen. Die Limnologie befasst sich mit den biologisch- ökologischen Zusammenhängen in Gewässern. Schulklassen und externe Universitäten haben im Vorfeld ihre Inhalte vorbereitet. Vor Ort betreue ich diese Gruppen und sorge für einen erfolgreichen Ablauf der Veranstaltung.

Wir haben auch ein Labor eingerichtet. Hier ist unser biologisch-technischer Assistent (BTA), Gerhard Dawen, verantwortlich. Er ist seit 1990 bei uns. Er kennt sich mit unseren Labor-Gerätschaften aus und kümmert sich darum, dass bei den Versuchen mit den Schüler:innen und Studierenden alles funktioniert. Unser Ziel ist es, keinen allein zu lassen, sondern dafür zu sorgen, dass die Exkursionen erfolgreich sind und brauchbare Ergebnisse herauskommen.

Wer kommt nach Bettenfeld?

Es finden ca. 40 mehrtägige Veranstaltungen im Jahr statt. Einige Besichtigungen kommen hinzu. Sogar Polizisten:innen, die Volkshochschule und eine Gruppe von Förster:innen waren schon in der Station zu Gast. In unseren ersten Jahren haben wir viele Lehrer:innenfortbildungen angeboten und diverse Gymnasien in der Region angeschrieben. Durch Mundpropaganda wurden wir immer bekannter. Aktuell sind wir über drei Jahre im Voraus ausgebucht.

Ich führe auch für die Universität Koblenz-Landau Veranstaltungen durch. Bis 2006 nur für die Lehramtsstudierenden der Biologie und danach auch für den Studiengang BioGeoWissenschaften. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Betreuung von externen Arbeitsgruppen aus anderen Universitäten oder von Gymnasien aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Diese Gruppen nutzen die Station, um eigene Messungen durchzuführen, Daten zu erheben und diese auszuwerten.

Arbeitsgruppen von Universitäten und Schulen aus Rheinland-Pfalz und Hessen können in der Station forschen und lernen.

Arbeitsgruppen von Universitäten und Schulen vornehmlich aus Rheinland-Pfalz können in der Station forschen und lernen.

Beschreiben Sie Ihren typischen Arbeitsalltag.

Wenn wir im Normalbetrieb sind, bespreche ich mit den Lehrenden im Vorfeld, was inhaltlich in Bettenfeld behandelt werden soll. Wenn eine Gruppe vor Ort ist, beginnt der Tag immer mit einer Vorstellung unserer Messgeräte und einer Sicherheitsunterweisung. Danach wird der Kurs in kleinere Gruppen aufgeteilt. Anschließend geht eine Gruppe zu Fuß zum Meerfelder Maar und die angehenden Forscher:innen führen dort die Messungen und Probenahmen eigenhändig auf dem See durch. Die Station verfügt dazu über zwei Boote.

Wenn die erste Gruppe  zurückkommt, geht es an die Auswertung. Es wird Plankton bestimmt, Laboranalysen werden durchgeführt und Grafiken am Computer erstellt.

Durch Corona ist es leider sehr ruhig geworden. Exkursionen für Schüler:innen sind gegenwärtig aufgrund der politischen Vorgaben nicht möglich. Die Lehrveranstaltungen für Studierende der Universität Koblenz-Landau werden unter Beachtung der Auflagen weiter durchgeführt. In normalen Jahren haben unsere Gruppen die Möglichkeit, im Jugendhaus in Bettenfeld zu übernachten. Hier stehen zwei Räume mit jeweils 18 Betten, Betreuerzimmer und große Küche zur Verfügung

Wenn gerade keine Gruppe vor Ort ist, was machen Sie dann?

Ich halte Kontakt mit unseren Arbeitsgruppen, bereite Veranstaltungen vor, korrigiere Hausarbeiten und Bachelorarbeiten, halte mich über die aktuelle Artenzusammensetzung unseres Planktons auf dem Laufenden, kümmere mich natürlich um die Verwaltung der Station und bin regelmäßig im Gelände unterwegs.

Herr Dawen untersucht alle zwei Wochen das Meerfelder Maar, den Windsborn Kratersee und die Bäche in der Umgebung. Er analysiert anschließend die Proben im Labor.

Wie kam es dazu, dass die Eifel als Standort für die Station gewählt wurde?

Die Universität Koblenz-Landau nannte sich früher Erziehungswissenschaftliche Hochschule. Die Abteilung Biologie ist damals regelmäßig zur Station “Heiliges Meer” an den Niederrhein gefahren, um dort mit den Studierenden limnologische Exkursionen durchzuführen. Doch irgendwann wurde vom Land NRW beschlossen, dass nur noch Landeskinder angenommen werden sollten. Die Abteilung Biologie hat sich daher ein neues Exkursionsziel gesucht. Die Eifel als Standort war wegen der Nähe zum Campus Koblenz und den geologisch und biologisch interessanten Maaren naheliegend.

In den Jahren vor der Einrichtung der Station wurde in den Schulferien für die Abteilung Biologie in der Hauptschule in Manderscheid für unsere Studierenden ein Raum angemietet und mit jeweils aus Koblenz mitgebrachten Mikroskopen und Utensilien für die Dauer der Veranstaltung ausgestattet. Schnell war der Gedanke gefunden, aus “einer Exkursion aus dem Koffer” eine Exkursion mit eigenen Räumen zu machen. Anfang der 80er-Jahre begannen die Bemühungen, eine Biologisch-Ökologische Station in Bettenfeld zu errichten. Sie sollte als Bildungsstätte für Schulen und andere Universitäten im Umkreis freigegeben werden. Die Sondierungen dauerten sechs Jahre. Die Biologisch-Ökologische Station wurde schließlich im Jahr 1986 offiziell eröffnet.

Können Sie etwas zur Geschichte dieses Gebäudes, in dem die Station eröffnet wurde, berichten?

In dem Gebäude von 1887, in dem sich die Station heute befindet, war früher die Grund- und Hauptschule des Ortes Bettenfeld untergebracht. Als wir uns für das Haus interessierten, war es in einem sehr schlechten Zustand. Im Erdgeschoss befanden sich Klassenräume, die als Lager der örtlichen Genossenschaft genutzt wurden und in den oberen Stockwerken gab es Wohnungen für das Lehrpersonal. Nach einer Sanierung des Gebäudes haben wir 1986 als Mieter mit einer gebrauchten, einfachen Möblierung im Erdgeschoss begonnen, uns jedoch über die Jahre nach und nach die Gerätschaften für unsre limnologischen Untersuchungen angeschafft. Später sind ein Büroraum, eine kleine Bibliothek und ein Studentenappartement hinzugemietet worden. Im Jahr 2017 haben wir aufgrund einer Sonderzuwendung unseres ehemaligen Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Heiligenthal, eine neue Ausstattung mit Schränken und Tischen sowie einige neue Mikroskope und Messgeräte erhalten.

Warum wurde die Station genau hier eröffnet?

Der Standort “Dauner Maare” in der Eifel wäre aus fachlicher Sicht ebenso günstig gewesen. Hier hätte man ein oligotrophes Gewässer neben einem mesotrophen-eutrophen untersuchen können. Die Trophiestufe charakterisiert stehende Gewässer über den Nährstoffgehalt. Oligotrophe Seen sind nährstoffarm, eutrophe Seen sind sehr nährstoffreich und enthalten viel Biomasse,  z.B. erzeugt von Algen. Die passende Immobilie fand man jedoch in Bettenfeld. Daher hat sich die Universität für den Raum Manderscheid mit Meerfelder Maar und dem Bergkratersee Windsborn entschieden.

Das Meerfelder Maar verhält sich lehrbuchhaft. Die Daten, die hier erhoben werden, sind für Lehrer und Schüler sehr gut auswertbar. Daher ist das Meerfelder Maar als repräsentativer Standort für die Forschung und Bildung sehr gut geeignet. Die limnologischen Fragen, die sich hier stellen, sind seit über 30 Jahren aktuell.

Im Jahr 2017 wurde die Ausstattung des Labors erneuert.

Im Jahr 2017 wurde die Ausstattung des Labors erneuert.

Spielt die Untersuchung an anderen Maaren auch eine Rolle?

Wir fokussieren uns auf das Meerfelder Maar und den Windsborn Kratersee. Durch die vielen Arbeitsgruppen, die regelmäßig bei uns tätig sind, sind wir ausgelastet und hätten für die Untersuchung von weiteren Maaren kaum Zeit. In der Saison arbeiten wir täglich ca. zehn Stunden.

In der Eifel ist es tendenziell immer etwas kälter als in Koblenz. Gibt es für Sie überhaupt schlechtes Wetter, wenn Sie mal zu Forschungszwecken raus müssen?

Natürlich sind wir auch nur Menschen und bevorzugen gutes Wetter! Genauer gesagt: Schlechtes Wetter darf es in der Tat nicht geben. Gummistiefel gehören zur Grundausstattung. Wir haben sogar einen Floating-Anzug für den Winter, damit Herr Dawen bei einem Sturz in den See nicht erfrieren würde. Natürlich finde ich aber Sonne schöner.

Wie sind Sie überhaupt nach Bettenfeld gekommen?

Ursprünglich komme ich aus Mainz. Anfangs war es hier im Dorf etwas einsam, dann habe ich die Region und die Ruhe jedoch zu schätzen gelernt und möchte hier gar nicht mehr weg.

Ich habe in Göttingen Agrarwissenschaften studiert. Während des Studiums habe ich aber gemerkt, dass ich biologische Themen wie Botanik und Limnologie bevorzuge. Daher habe ich meine Diplomarbeit in der Pflanzenernährung geschrieben. Nach dem Abitur wollte ich schon immer praktisch arbeiten. Mit meiner Anstellung bei der Universität Koblenz-Landau habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin eine für mich optimale Stelle gefunden.

Was machen Sie außerhalb des stressigen Alltags?

Ich habe einen sehr großen Garten, pflanze Rosen an und bin in den letzten Jahren zum Gemüseanbau gekommen. Ich habe sogar ein kleines Gewächshaus zu Hause.

Interview: Sarah-Maria Scheid

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