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Vom Winde verweht

Rebecca Singer schwebt nicht nur durch ihr Studium der Sozial- und Kommunikationswissenschaften, sondern hebt auch mit ihrem Segelflieger regelmäßig ab. Foto: Philipp Sittinger

Rebecca Singer schwebt nicht nur durch ihr Studium der Sozial- und Kommunikationswissenschaften, sondern hebt auch mit ihrem Segelflieger regelmäßig ab. Foto: Philipp Sittinger

Viele kennen ihn: den Traum vom Fliegen. Man wird immer leichter, bis der Körper endlich abhebt und in weiter Höhe über dem Boden schwebt. Rebecca Singer lebt diesen Traum. Die Studentin der Sozial- und Kommunikationswissenschaften ist seit elf Jahren Segelfliegerin und auf Augenhöhe mit Vögeln und Berggipfeln.

Der beste Moment ist der Abflug, sagt Rebecca Singer. An einem Seil wird das Segelflugzeug so lange gezogen, bis es genug Geschwindigkeit hat, um von der Luft nach oben gedrückt zu werden. Hat der Segler eine bestimmte Höhe erreicht, ist es soweit: Das Seil wird gelöst und das Flugzeug gleitet durch die Luft. Dieses schwebende Gefühl hallt bei Singer oft noch lange nach. Ähnlich wie das schwankende Gefühl, das man nach einer langen Bootsfahrt verspürt. In der Luft fühle sie sich leicht, erzählt Singer. Angst kennt sie in fast 3000 Meter Höhe keine. Die Studentin fliegt, seitdem sie 14 Jahre alt ist. “Das ist schon verrückt, man darf fliegen, bevor man Auto fahren darf. Aber Segelfliegen ist auch wirklich weniger gefährlich”.

Beim Segelfliegen ist Singer vor allem vom guten Wetter abhängig. Foto: Rebecca Singer

Beim Segelfliegen ist Singer vor allem vom guten Wetter abhängig. Foto: Rebecca Singer

Als Singers Vater vor elf Jahren die Idee hatte, einen Segelflugschein zu machen, hatte er eigentlich gedacht, dass ihr älterer Bruder mitfliegen möchte. Der war jedoch davon nicht ganz so begeistert. Singer flog einmal mit, übergab sich während des ganzen Fluges drei Mal und war dennoch hin und weg. “Ich hab einen sehr empfindlichen Magen, aber ich wollte unbedingt fliegen”, erinnert sie sich mit einem Lachen. Das Übelkeitsgefühl kennen so gut wie alle Segelflieger. Neben der ungewohnten Höhe werden auch viele Wendungen und Drehungen geflogen. Um nicht nur langsam nach unten zu gleiten, sondern auch immer wieder an Höhe zu gewinnen, muss das Flugzeug in sogenannte Auftriebe gelangen. Das sind Stellen, an denen warme Luft nach oben steigt. Diese drückt auch das Flugzeug nach oben. Damit der Flieger lange genug aufsteigen kann, dreht er sich im Auftrieb im Kreis. Dabei kann einem schon mal schwindelig werden.

Das richtige Gespür für Wind und Wetter

Die Suche nach den richtigen Auftrieben reizt Singer am meisten. Darum kommt für sie motorisiertes Fliegen nicht infrage: “Ich mag die sportliche Herausforderung. Man muss sich wirklich auskennen und das Wetter gut einschätzen können. Das ist beim Motorfliegen nicht ganz so wichtig.”

In einer Ausbildung hat Singer deshalb nicht nur das praktische Fliegen gelernt, sondern auch sehr viel Theorie. Sie versteht Meteorologie und kann sich an den Himmelsrichtungen orientieren. Anhand von Wolken findet sie Auftriebe.” An Vögeln kann man sich auch orientieren, die nutzen die Auftriebe genauso. Wenn ich kreisende Vögel sehe, weiß ich: Da muss ich hin.”

Immer wenn es die Freizeit hergibt, fliegt Singer mit ihrem Vater durch die Lüfte. Foto: Rebecca Singer

Immer wenn es die Freizeit hergibt, fliegt Singer mit ihrem Vater durch die Lüfte. Foto: Rebecca Singer

Der einzige Nachteil an diesem besonderen Hobby sei, dass es sehr zeitintensiv ist. “Man kann eigentlich nur am Wochenende fliegen. Und manchmal fährt man dann zum Flugplatz, nur um feststellen, dass das Wetter doch nicht gut genug ist”, erklärt Singer. Während des Studiums steht dafür, dank der langen Semesterferien, mehr Zeit zur Verfügung. “Aber mit einem richtigen Job, in dem man nur 30 Tage Urlaub hat, wird es schon schwieriger. Vor allem, wenn man bei Trainingscamps oder Wettkämpfen mitmachen möchte.” Die Hobbyfliegerin selbst hat bisher an drei Wettkämpfen teilgenommen. “Einmal habe ich fast gewonnen. Das war ganz knapp”, verkündet sie stolz.

An Rebecca Singers Zimmerwand hängt eine Karte, die sie bei einem der Wettkämpfe gewonnen hat. Sie zeigt die Alpen in dreidimensionaler Struktur. Durch viele der Täler, die auf der Karte zu sehen sind, ist Singer schon geflogen. “In den Berggebieten zu fliegen, ist besonders schön. Es ist total beeindruckend, mit den Berggipfeln auf Augenhöhe zu sein. Außerdem ist es sportlich besonders fordernd.” Neben den unvergesslichen Erinnerungen nimmt Singer auch eine gute Portion an Selbstvertrauen und Mut aus ihrem Hobby mit.

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