Start-up: Gründungsgeschichten
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Veränderung auf Augenhöhe: Das Café Cosmo in Landau

Neben ihrem Studium betreiben die Laurin Dreßler und Kev Steppler in Landau das Café Cosmo. Sie möchten dabei Nachhaltigkeit praktizieren und vermitteln, ohne andere zu belehren. Foto: Lena Frohn

Neben ihrem Studium betreiben die Laurin Dreßler und Kev Steppler in Landau das Café Cosmo. Sie möchten dabei Nachhaltigkeit praktizieren und vermitteln, ohne andere zu belehren. Foto: Lena Frohn

Laurin Dreßler, 26 und Kev Steppler, 29 haben sich einen kleinen Traum erfüllt. Im Osten Landaus betreiben sie ein Café, wie es in dieser Form selten existiert. Sie wollten Nachhaltigkeit vorleben, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu heben. Mit dem Uniblog haben sie darüber gesprochen, wie ihnen das gelingt.

“Wir sind nicht auf Profit aus“, sagt Laurin. Gemeinsam haben er und Kev das Café Cosmo gegründet. Dadurch soll der gleichnamige Verein finanziert werden, durch den die Mensch-und-Umwelt-Studenten Umweltbildungsthemen und gemeinnütziges Engagement fördern. Kev ist überzeugt: „Es ist Teil einer zukunftsorientierten Lebensweise, als Unternehmen nicht auf Gewinnmaximierung abzuzielen. Wenn wir unsere Gewinne stattdessen in die Gesellschaft investieren, kommt so letztendlich viel mehr für alle raus.“

Win-Win für alle

Kev erklärt die Vision des Vereins Cosmo so: „Hier soll ein Raum sein, in dem man kreative Lösungen für die Klimakrise ausprobieren kann, statt traurig über den Zustand der Welt zu sein.“ Dazu gehöre empathische Kommunikation auf Augenhöhe. So sollten die ständigen gegenseitigen Vorwürfe á la „du isst noch Fleisch” oder „du bist per Flugzeug gereist“ eliminiert werden. Eine der Intentionen hinter dem Verein ist es, mit der moralischen Abgrenzung des sozial-ökologischen Milieus zu brechen. „Wenn das Flugzeug günstiger ist als der Zug, mache ich niemandem einen Vorwurf, der sich für den Flug entscheidet“, sagt Kev. Leider entsteht so aber eine Win-Loose-Situation – mit Loose für das Klima. Das Cosmo-Café möchte Szenarien kreieren, in denen alle vom ökologischen Lebensstil profitieren.

Das Cosmo als Reallabor

Das Café Cosmo bietet Kaffee, Kuchen und jede Menge Pflanzen. Fotos: Privat

Das Café Cosmo bietet Kaffee, Kuchen und jede Menge Pflanzen. Fotos: Privat

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Angebot nicht groß von anderen Landauer Cafés. Es gibt heiße Schokolade, Tee, Kaffee, Säfte und Gebäck. Seit Kurzem bieten Laurin und Kev zusätzlich zu Kuchentheke und belegten Broten auch Frühstück an. Die meisten Speisen haben regionalen Bezug, vieles ist vegan. Abgesehen vom regulären Café-Angebot gibt es im Eingangsbereich eine Foodsharing-Ecke. Gespendete Lebensmittel, die sonst weggeworfen würden, können hier abgeholt oder im Café verzehrt werden. Sie sind kostenlos, alles andere würde der Philosophie des Konzepts widersprechen. „Wir wollen, dass auch Menschen, die Foodsharing nicht kennen, damit in Kontakt kommen”, sagt Laurin.

Zu den Kund:innen zählen auch viele Menschen, die sich nicht mit Sozialökologie und Klimawandel auseinandersetzen. Auch deswegen bezeichnen Kev und Laurin das Café als eine Art Reallabor. So zahlen Besucher:innen keine vorgeschriebenen Beträge, sondern orientieren sich an Richtpreisen: Sie können sich an die Empfehlungen halten,  aber auch weniger oder mehr bezahlen.

Ein Jahr Renovierung

Bevor das Café seine gemütliche Einrichtung erhielt, mussten die Räumlichkeiten gründlich renoviert werden.

Bevor das Café seine gemütliche Einrichtung erhielt, mussten die Räumlichkeiten gründlich renoviert werden.

Wer dem Cosmo jetzt einen Besuch abstattet, kann kaum glauben, in welchem Zustand die Gründer den Raum im Februar 2021 übernommen haben. Die Theke, den neuen Boden und das kleine Podest im hinteren Teil des Cafés  haben Kev und Laurin selbst gestaltet und gebaut. Die Möbel stammen ausschließlich aus zweiter Hand, passend zum aktuellen studentischen Einrichtungsstil gibt es gut und gerne 100 Pflanzen im Raum. In einer kleinen Leseecke finden Besucher:innen Romane und Bücher über Nachhaltigkeit, Philosophie oder Physik. „Die Ästhetik sollte schlicht und modern sein, aber kombiniert mit einer 70er-Jahre-Atmossphäre. Damals war der Grundton in der Gesellschaft deutlich optimistischer, das wollen wir herausbringen“, erklärt Kev.

Die größtmögliche Gruppe

„Der Name “Cosmo” spiegelt unsere Weltanschauung wieder“, erklärt Kev. „Wir identifizieren uns mit der größtmöglichen Gruppe, statt beispielsweise der Nation. Wir sind alle Menschen und sollten versuchen, an einem Strang zu ziehen.“ Außerdem war es beiden wichtig, etwas Kurzes, Prägnantes zu finden. Was zukünftige Projekte angeht, bleiben sie spontan. „Wir wollen offen für Neues bleiben, statt uns in Strukturen zu begeben, in denen wir die immer gleichen Abläufe vollziehen”, betont Laurin. Ihm ist die Abwechslung im Job ans Herz gewachsen. Sicher ist aber, dass Kev und er mehr offene Veranstaltungen anbieten möchten. Der Außenbereich ist bereits fit für die wärmeren Tage.

Lena Frohn

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