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Die Liebe zum Fach gehört dazu

Olaf Meyer ist der Mann für die Musik am Campus Landau. Der Universitätsmusikdirektor leitet den Chor, das Orchester und das Vokalensemble. Foto: Philipp Sittinger

Olaf Meyer ist der Mann für die Musik am Campus Landau. Der Universitätsmusikdirektor leitet den Chor, das Orchester und das Vokalensemble. Foto: Philipp Sittinger

Olaf Meyer ist Universitätsmusikdirektor am Campus Landau. Er leitet den Universitätschor, das Universitätsorchester und das Vokalensemble.  Meyer ist Musiker mit Leib und Seele. Arbeit und Freizeit sind für ihn nur schwer zu trennen. Doch wenn Straßenmusiker dem in der Landauer Innenstadt lebenden Dozenten zu laut sind, greift er auch mal zu härteren Mitteln.

Sie haben Musik studiert, leiten die musikalischen Ensembles der Universität und sind Universitätsmusikdirektor. Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Zur Musik bin ich vor allem durch meinen Vater gekommen. Er spielt Trompete und am liebsten Jazz. Das hat er sich im Laufe der Zeit selbst beigebracht. Mit vier Jahren habe ich bereits auf dem Klavier herumgeklimpert und mit meinem Vater improvisiert. Außerdem habe ich angefangen, Gitarre zu spielen. Zur sogenannten klassischen Musik bin ich erst später gekommen. Mit vierzehn Jahren habe ich gemerkt, dass die Geige das Instrument meiner Liebe ist. Mit der Gitarre war ich zu dem Zeitpunkt schon eine Art Provinzkönig. Aber Geige zu lernen war für mich doch schwieriger, als ich dachte.

Und wann haben Sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht?

Ich wusste schnell, dass ich auch im Beruf gerne irgendetwas mit Musik machen möchte. Also habe ich entschieden, auf Lehramt Schulmusik zu studieren. Die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in Köln legte ich mit dem Hauptfach Gitarre ab, mit der Geige hätte ich das vermutlich nicht geschafft. Dann studierte ich an der, meiner Meinung nach besten Musikhochschule. In Köln hat es mir so gut gefallen, dass ich ganze zehn Jahre dort geblieben bin. Dazu muss man aber sagen, dass ich noch ein Zweitstudium gemacht habe, ein Diplom in Musiktheorie. Dabei lernte ich Fächer wie Harmonielehre, Kontrapunkt und Instrumentation sehr intensiv kennen. Es hat mir gut gefallen, dass die Musikhochschule einen eher praktischen und kreativen Ansatz verfolgt, im Vergleich zur Universität. So haben wir die alten Meister nicht nur studiert, sondern haben auch gelernt, im ähnlichen Stil selbst zu komponieren.

Wie sind Sie dann an der Universität Koblenz-Landau gelandet?

Nach dem Referendariat habe ich angefangen, an einem Gymnasium zu arbeiten, und hatte nebenher viele Lehraufträge. Ich lehrte an den Musikhochschulen in Köln und Weimar und an der Universität in Siegen. Zu der Zeit bin ich viel herumgereist. 2004 bekam ich den Job am Campus Landau, am Institut für Musik. Hier unterrichtete ich zunächst die Lehramtsstudierenden und war zuständig für musiktheoretische Fächer wie Harmonielehre. Gleichzeitig habe ich auch die Leitung für Chor und Orchester bekommen. Das Orchester gab es vorher noch nicht, das habe ich selbst aufgebaut.

Was macht Ihnen bei der Leitung von Chor und Orchester am meisten Spaß?

Am schönsten finde ich es, eigene Stücke aufzuführen. Das passiert natürlich sehr selten, da ich noch nicht so viel komponiert habe. Dafür fehlte immer die Zeit. Durch die Lehraufträge, die Arbeit an der Uni und auch die Arbeit an meiner Dissertation, geriet das Komponieren eine Zeit lang in den Hintergrund. In Chor und Orchester treffe ich auch immer wieder neue Leute, die sich für Musik begeistern, Leute aus allen Fachbereichen. Da die Musikausbildung 2012 am Campus Koblenz konzentriert und in Landau eingestellt wurde, gibt es keine Musikstudierenden mehr am Campus Landau. Die Musikstudierenden waren Fachleute, sie fehlen uns natürlich.

Und was hat es mit dem Vokalensemble auf sich?

Hier singen vor allem ehemalige Musikstudierende und Kollegen mit. Dadurch gibt es weniger Fluktuation im Vergleich zum großen Chor und es kann stetiger an der Qualität gearbeitet werden. Ich freue mich natürlich immer über neue Leute in Chor und Orchester, das ist ja auch das Spannende daran. Allerdings ist es ohne die Musikstudierenden schwierig, die Qualität zu halten, die die Ensembles früher hatten. Wobei ich das auch ein bisschen relativieren muss: Ich habe beispielsweise festgestellt, dass gerade unter den Psychologiestudierenden, die die größte Gruppe in den Ensembles ausmachen, viele Studierende sind, deren musikalisches Niveau sehr  beachtlich ist und die auch ein Fachstudium Musik hätten absolvieren können. Am wichtigsten ist mir aber Zuverlässigkeit: Wenn Teilnehmer kurz vor Konzerten absagen, ist das ärgerlich. Da wird es dann auch mal schwierig.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit an der Universität?

Mir macht eigentlich alles Spaß, für mich sind Freizeit und Arbeit schwer zu trennen. Am besten gefällt mir, dass ich viel Freiheit im Job habe. Das sieht man vor allem im Vergleich zur Arbeit an einer Schule, wo alles viel geregelter ist. Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag bisher vor allem auf der Lehre, die ich wirklich gerne mag. Zwischenzeitlich hatte ich 16 Semesterwochenstunden, das war sehr zeitaufwendig. Die Lehre hat mir aber immer sehr gefallen. Unter anderem, da ich so viele unterschiedliche Leute kennenlerne, die etwas mit Musik machen. In einem Seminar, das ich gerade anbiete, sind viele Fachfremde dabei. Ein Student studiert z.B. Sozial- und Kommunikationswissenschaften und bringt dadurch eine ganz andere Perspektive in das Seminar. Im Gegensatz zu einem eher strukturell denkenden Musiker wie mir, hat er den Fokus auf Wirkung und Anwendung gelegt. Das finde ich spannend.

Lernt man auch als Lehrender etwas dazu?

Auf jeden Fall. Ich habe zum Beispiel 2018 mit zwei ehemaligen Studierenden des Fachs Musik zusammen eine Firma gegründet. Sie heißt Klangwerk Südpfalz und wir produzieren sogenannte Gebrauchsmusik, etwa Werbejingles oder Filmmusik. Die beiden Alumni haben andere Kompetenzen als ich. Der eine ist sehr gut in Musiktechnik und Musikbearbeitung am Computer, der andere kennt sich mit Marketing aus. Von beiden kann ich viel lernen. Mit der Firma haben wir zum Beispiel ein Jingle für die Stadt Landau komponiert. Wenn man dort außerhalb der Servicezeiten anruft, hört man das Stück. Außerdem haben wir bei einem großen Auftrag für den SWR didaktische Lieder für eine Englisch-Lern-App komponiert und produziert. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Komponieren ist meine Leidenschaft. Selbst spielen und dirigieren gefällt mir auch sehr gut, aber das Komponieren von eigenen Stücken hat für mich den höchsten Stellenwert.

Sie haben gesagt, ihr Fokus liegt vor allem auf der Lehre. Wie sieht es mit Forschung aus?

Die Forschung stand bei mir tatsächlich zunächst eher im Hintergrund, unter anderem durch die vielen Semesterwochenstunden. Meine Dissertation war wegen des Zeitmangels ein langwieriges Projekt: Ich habe 2002 damit angefangen und sie erst 2014 abgeschlossen. Zu dieser Zeit hatte ich vor allem hier an der Uni sehr viel zu tun und konnte nur in den Semesterferien konzentriert an der Dissertation arbeiten. In der Vorlesungszeit sind Ergebnisse häufig wierder verblasst. Als Folge einer Änderung meiner Stelle habe ich nun mehr Zeit für die Forschung. Mit meinem Kollegen Oliver Weyrauch habe ich beispielsweise gerade einen Artikel über fächerübergreifendes Lernen veröffentlicht. Der Artikel erschien im Sammelwerk Fächerverbindender Grundschulunterricht, Oliver Weyrauch und Birgit Smieja sind die Herausgeber. Im Artikel geht es um die Verbindung zwischen Musik- und Englischunterricht, er heißt Musik lernen und Englisch lernen mit Nursery Rhymes. Momentan arbeite ich an einer breit angelegten empirischen Untersuchung zum Thema Werbejingles, passend zu der Firma, die ich mit den beiden Studierenden gegründet habe. Die Untersuchung soll anschließend auch als Buch erscheinen.

Wie waren Sie als Student? Denken Sie, dass sich das Studentenleben sehr verändert hat?

Inwiefern sich das Studentenleben verändert hat, istfür mich schwer zu beurteilen. Innerhalb der letzten 30 Jahre ist sicher vieles anders geworden, vor allem formal durch die Umstellung zu Bachelor und Master. Allerdings bleibt noch immer viel Gestaltungsspielraum und es kommt darauf an, was die Studierenden daraus machen. Ich musste zum Beispiel sehr hart für die Aufnahmeprüfung arbeiten und habe schon vor dem Studium viel Energie und Arbeit investiert. Als ich sie geschafft hatte, war ich so froh, dass ich während des Studiums an der Kölner Musikhochschule eigentlich jede Minute genossen habe, die ich dort sein durfte. Dementsprechend hatte ich später auch Probleme, mich davon zu trennen. An den Wochenenden gab es lange Schlangen vor der Hochschule, wir standen an, um einen Übungsraum für den Tag zu ergattern. Also habe ich meine Samstage meistens am Klavier verbracht. Da das Studium so vielfältig war und ich verschiedene Instrumente lernen musste, war das auch notwendig. Ich hatte also wenig “Privatleben”. Allerdings habe ich nicht zwischen Studium und Freizeit getrennt: Ich hätte mir nichts Besseres vorstellen können. Wenn man studiert, gehört die Liebe zum Fach doch unabdingbar dazu.

Was unternehmen Sie, wenn sie nicht gerade Musik machen oder für die Universität arbeiten?

Ich gehe gern Windsurfen. Eigentlich war Volleyball immer meine Sportart. Sport und Musik waren für mich auch als Jugendlicher fast gleichwertig. Volleyballspielen halten meine Knie inzwischen leider nicht mehr aus, das musste ich aufgeben. Dafür gehe ich jetzt öfter im SommerWindsurfen auf Gran Canaria. Am Strand Vargas, an dem es zu dieser Jahreszeit weltweit den meisten Wind gibt, trainieren auch viele Profis und ich bin meistens der schlechteste Surfer auf dem Wasser. Dort habe ich den späteren Weltmeister im Windsurfen, Philip Köster, schon als Fünfjährigen kennengelernt. Windsurfen ist auch deshalb so schön, da es eine Sportart ist, in der man auch dann noch viel lernen kann, wenn man älter wird. Denn beim Windsurfen zählt eher die Technik als athletische Fähigkeiten. Außerdem genieße ich die Zeit mit meiner Familie: Ich bin verheiratet und seit 2015 gibt es meine kleine Tochter Felicitas. Die Papa-Rolle ist für mich ganz neu, spannend und sehr schön. Wir ziehen jetzt nach Mörzheim und ich freue mich schon darauf, mit Felicitas im Garten spielen zu können. Das war in der Landauer Innenstadt natürlich nicht möglich.

Abgesehen davon – haben Sie sich in Landau wohlgefühlt?

Mir hat es immer sehr gefallen, dass man überall zu Fuß hinkommt, das wird sich jetzt leider ändern. Ich freue mich aber trotzdem schon sehr darauf. In der Innenstadt ist es beispielsweise oft sehr laut. Gerade die Straßenmusiker sind mir häufig zu viel. Einer meiner ehemaligen Musikstudenten hat eine Bachelorarbeit über die Straßenmusik in Landau geschrieben. Er hat herausgefunden, dass man in Landau nur unverstärkt spielen darf, dann finde ich das okay. Wenn die Musiker aber mit Verstärker spielen, werde ich manchmal radikal: Ich gehe hin und ziehe den Stecker.

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