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Unsere Profs: Klaus Fischer

Professor Klaus Fischer ist ist Leiter der Arbeitsgruppe Zoologie auf dem Campus Koblenz. Foto: Sarah-Maria Scheid

Professor Klaus Fischer ist ist Leiter der Arbeitsgruppe Zoologie auf dem Campus Koblenz. Foto: Sarah-Maria Scheid

Professor Dr. Klaus Fischer hat über Umwege in den Professorenberuf gefunden: Als Kind wollte er viel lieber Förster oder Zoodirektor werden – denn der Natur war er schon immer sehr verbunden. Heute ist Fischer Leiter der Arbeitsgruppe Zoologie am Institut für Integrierte Naturwissenschaften und beschäftigt sich besonders mit den Bereichen Ökologie und Klimawandel. Dafür zog er 2017 mit seiner Familie von Greifswald nach Koblenz.

Was hat Sie an den Campus Koblenz verschlagen?

Ich stamme hier aus der Region, habe in Marburg studiert, in Bayreuth promoviert, war zwischendurch in den Niederlanden, dann wieder in Bayreuth. Zunächst habe ich meine erste Professur in Greifswald begonnen. Das war aber weit weg von meiner Familie. Dann habe ich mich hier auf eine offene Stelle beworben. Der Studiengang BioGeoWissenschaften hat mich sehr angesprochen und außerdem der universitäre Schwerpunkt Mensch-Umwelt-Bildung, sodass ich sehr positiv gestimmt war. Auch meine Familie war begeistert.

Der Professorenberuf ist mit einigen Klischees behaftet: Lange über Büchern brüten, Zerstreutheit, Einsiedlertum, chaotische Tafelbilder… Was trifft davon auf Sie zu?

Das müssen eigentlich andere beurteilen. Ich verbringe sehr viel Zeit mit Lesen von Artikeln aus Zeitschriften oder am Rechner. Zerstreutheit und chaotische Tafelbilder würde ich jetzt nicht auf mich übertragen, aber das Einsiedlertum schon ein wenig. Das stelle ich allerdings bei ganz vielen naturverbundenen Menschen fest. Das trifft sicher auch auf mich zu, dass man manchmal die Ruhe eines Waldspaziergangs dem Trubel der Stadt vorzieht.

Wie waren Sie als Student?

Ich war sehr fleißig. Für mich war das Studium eine neue Welt und eine neue Erfahrung. Ich war nie ein guter Schüler, habe die Schule gehasst und sie immer als lästige Pflicht gesehen. Das hat sich im Studium geändert: Nun konnte ich frei entscheiden und mich in Biologie entfalten. In der Schule war ich nicht zielorientiert. Mir haben einige Grundlagen in Mathe, Physik und Chemie gefehlt, denn ich hatte Physik und Chemie damals abgewählt. Daher musste ich im Studium einiges aufarbeiten. Außerdem habe ich nebenbei viel Sport gemacht. Das heißt, ich musste organisieren, wie ich Sport und Studium unter einen Hut bekomme. Abends war ich oft in den Marburger Kneipen unterwegs.

Was meinen Sie: Hat sich das heutige Studentenleben im Vergleich zu Ihrer Studienzeit verändert?

Ja, zum Beispiel aufgrund der Digitalisierung: Die Fachliteratur gibt es heute überwiegend online. Der Zugriff auf Zeitschriften ist deutlich einfacher geworden. Ich selbst stand in der Frankfurter Senckenberg-Bibliothek, der Zentralbibliothek der Biologie, am Kopierer und habe seitenweise Fachliteratur kopiert. Auch im System hat sich einiges geändert. Ich hatte ein Diplomsystem, daher war ich sehr viel freier bei der Wahl von Themenschwerpunkten und Veranstaltungen. Heute haben wir die Unterteilung in Bachelor und Master. Es ist alles eher verschult und vorgegeben, was ich bedauere. Der Leistungsdruck unterscheidet sich nicht signifikant, denke ich. Aber der Zeitdruck hat zugenommen. Den habe ich früher nicht so wahrgenommen. Durch die Regelstudienzeit ist es wichtig geworden, zügig einen Abschluss zu machen. Ich selbst habe zwei Jahre länger studiert, als ich musste. Theoretisch hätte ich drei Hauptfächer im Diplom wählen können. Ich habe einfach aus Begeisterung und Freude an der Arbeit mehr Stunden studiert als nötig.

Wann haben Sie gemerkt, dass der Weg in die Wissenschaften der richtige für Sie ist? Gab es Alternativen zur Professorenlaufbahn für Sie?

Ich wollte nie Professor werden, ich fand Wissenschaft totlangweilig. Sie war für mich verbunden mit Zerstreutheit, Einsiedlertum… und einfach eingestaubt. Ich wollte immer in die Praxis und habe deshalb Naturschutz als Hauptfach in Marburg belegt. Zu Anfang wollte ich immer in einer Naturschutzbehörde arbeiten, weil ich dachte, dass man dort in entscheidenden Positionen steht, um etwas zu bewegen. Nach einem Praktikum habe ich jedoch für mich beschlossen, dass diese Arbeit nichts für mich ist. Dann tendierte ich in Richtung Naturschutzverbände. Dort war ich sowieso ehrenamtlich engagiert. Als der Betreuer meiner Diplomarbeit sagte, dass ich das Thema verfehlt hätte, indem ich zwar eine hervorragende ökologische Arbeit, aber keine Arbeit zum Naturschut geschrieben hätte, wurde mir klar, dass mir vielleicht die Ökologie mehr liegt als der Naturschutz. Was genau mein Betreuer von mir hören wollte, weiß ich bis heute leider nicht. So betrachtet war meine Diplomarbeit sehr prägend. Nach der Mitarbeit in einem Projekt habe ich eine Promotionsstelle gesucht und erst einmal ohne Erwartungen einen Förderantrag gestellt. Schließlich hat es funktioniert und in Greifswald habe ich schlussendlich eine Professur gefunden.

Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?

Es ist die Begeisterung für Pflanzen, Tiere und Organismen aller Art. Schon als Kind habe ich viel Zeit in der Natur verbracht, stundenlang akribisch aufgeschrieben, welche Arten ich beobachten konnte. Zwischendurch wollte ich Förster werden, dann Zoodirektor. Die Schönheit der Natur war für mich ausschlaggebend. Später habe ich mich dann für den Naturschutz begeistern können.

Ihre Forschungsbereiche liegen hauptsächlich in der Ökologie, verknüpft mit dem Klimawandel. Was sind ihre Schwerpunkte?

Der Schwerpunkt liegt in der Stressforschung, also wie Organismen mit anthropogenem Stress umgehen: Durch den Klimawandel hervorgerufenen Temperaturstress, Trockenheitsstress, aber auch eine Veränderung des Lebensraums. Wichtige Fragestellungen sind: Bis zu welchem Grad können sich Lebewesen anpassen? Ab welchem Grad geht es nicht mehr und wie gelingt es ihnen, sich anzupassen? Besonders begeistert haben mich hier Schmetterlinge.

Außerdem beschäftigt mich, welche Arten und Artengruppen gefährdet sind und wo der Handlungsbedarf besonders hoch ist.

Wie haben sich die Biodiversität und Artenvielfalt in Deutschland in den letzten Jahren ihrer Meinung nach verändert? 

Die Entwicklung ist eindeutig: Die Vielfalt wird reduziert. Es gibt viele Ursachen. Dennoch glaube ich, dass den Hauptanteil die heutige Form der Landwirtschaft trägt: Zum einen durch den großen Flächenanteil an landwirtschaftlicher Nutzfläche, zum anderen auch die Intensität der Bewirtschaftung.

Sie sind ja nun seit etwa zwei Jahren an der Universität Koblenz-Landau. Was gefällt Ihnen an der Arbeit hier?

Was ich jetzt, wenn es um den Standort Koblenz geht, als klaren Vorteil sehe, ist die geringe Größe. Ich lerne Studierende schneller kennen, die Fachschaften sind sehr aktiv und auch im Kollegium habe ich mich schnell eingelebt. An einer großen Uni ist alles anonymer. Allerdings haben die Studierenden hier auch weniger Wahlmöglichkeiten, da es zwangsläufig weniger Dozenten und somit Angebote gibt.

Was macht in Ihren Augen einen guten Professor aus?

Das ist eine sehr schwere Frage. Es gibt ganz viele Punkte. Ganz wichtig sind Managerqualitäten. Man hat bestimmte Verwaltungsaufgaben, muss die Lehre organisieren und möchte zusätzlich noch eigene Forschung betreiben. Außerdem sollte man Freude an der Lehre haben, also einen gewissen Enthusiasmus mit einbringen. Man sollte die Lehre nicht als notwendiges Übel betrachten und die Forschung bei den übrigen Aufgaben nicht vergessen. Die meiste Zeit investiere ich im Semester in Verwaltung und Lehre. Für die Forschung bleibt oft wenig Zeit. In den Semesterferien gibt es dafür zum Glück mehr Spielraum. Ich fahre zu Forschungszwecken gerne in die Alpen. Da kommt es durchaus vor, dass ich Zwölf-Stunden-Tage habe.

Welches Buch oder Paper liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Bücher lese ich kaum. Wissenschaftlich lese ich vorwiegend Paper. Privat lese ich, und das ist mir etwas peinlich, Harry Potter, Band sechs, zum wiederholten Mal. Ich finde die Bücher super faszinierend.

Gab es ein Ereignis oder eine Person, das oder die Ihren akademischen Werdegang geprägt hat?

Ja, sogar zwei: Zunächst mein Doktorvater aus Bayreuth. Er hat mir unglaublich viele Freiheiten bei meiner Doktorarbeit gelassen. Ich hatte drei Jahre Zeit und sollte irgendwas mit Schmetterlingen machen. Es hat mich sehr geschult, mir selbst Fragestellungen zu überlegen und zu lernen, wie man diese angeht. Zweitens der Betreuer in meiner Post-Doc-Phase, ein Brite. In dieser Zeit habe ich sehr viel Englisch gelernt, aber auch die harte Wissenschaft. Er war ein Musterwissenschaftler. Ich lernte, wie Hypothesenprüfung funktioniert: Immer erst eine ganz harte Hypothese formulieren und diese prüfen. Dort habe ich erst so richtig gelernt, wie Wissenschaft wirklich funktioniert.

Welche Dinge mögen Sie fernab des wissenschaftlichen Alltags? Was unternehmen Sie als Ausgleich zur Denkarbeit an der Uni?

Ich betreibe viel Sport und besonders gerne Ballsportarten. Zuletzt habe ich Volleyball gespielt und ich mache Fitnesstraining. Ansonsten gehe ich gerne raus in die Natur, so schließt sich der Kreis zum Anfang. Raus gehen, sich freuen, auspowern und viel beobachten.

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