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Unsere Profs: Fabian Wolff

Fabian Wolff wollte ursprünglich Lehrer werden. Heute ist er Juniorprofessor für Pädagogische Psychologie und Empirische Forschungsmethoden. Foto: Fabian Wolff

Fabian Wolff wollte ursprünglich Lehrer werden. Heute ist er Juniorprofessor für Pädagogische Psychologie und Empirische Forschungsmethoden. Foto: Fabian Wolff

Digitale Lehre – ein Themenbereich, der mit der Corona-Pandemie immens an Bedeutung gewonnen hat. Dr. Fabian Wolff, seit April 2021 Juniorprofessor am Institut für Psychologie in Koblenz,  zählt die Digitalisierung von Lehr- und Lernumgebungen zu seinen Fachgebieten. Wie er zur Wissenschaft kam, was er gerade liest und wie sich seine Forschung auf die Universität Koblenz-Landau auswirken könnte, hat er uns im Interview verraten.

Wie kamen Sie zur Juniorprofessur an der Universität Koblenz-Landau?

Fabian Wolff ist Juniorprofessor für Pädagogische Psychologie und Empirische Forschungsmethoden an der Universität Koblenz-Landau. Er beschäftigt sich unter anderem mit akademischen Selbstkonzepten, interkultureller Kompetenz und der Digitalisierung der Lehr- und Lernumgebung. Seit dem Sommersemester 2021 lehrt er am Campus Koblenz.

Mein Abitur habe ich in Soltau gemacht, einer Kleinstadt in Niedersachsen, die man vielleicht durch den Heidepark kennt. Dort bin ich auch geboren und aufgewachsen. Nach meinem Abitur bin ich über Umwege in Kiel gelandet und wollte eigentlich Lehramt studieren, habe aber parallel mit Psychologie angefangen. Aus dem Lehramt wurde dann ein Bachelor in Soziologie und Wirtschaftswissenschaften, in Psychologie habe ich mein Diplom gemacht. Anschließend bin ich in der Psychologie geblieben und habe in Kiel meine Promotion und anschließend die Postdoc-Phase im Bereich der pädagogischen Psychologie absolviert. Nach der Promotion habe ich mich auf verschiedene Professuren in meinem Fachgebiet beworben. An der Universität Koblenz-Landau hat es deshalb gut gepasst, weil ich mich sehr stark mit der Lehramtsausbildung und mit pädagogischer Psychologie im Schulkontext beschäftige. Außerdem habe ich zu interkultureller Kompetenz und Digitalisierung geforscht, welche beides Schwerpunkte am Institut für Psychologie am Campus Koblenz sind. Koblenz fand ich auch ansprechend, weil die Professur nicht nur für pädagogische Psychologie denominiert ist, sondern auch für empirische Forschungsmethoden. Außerdem gibt es eine große Bandbreite an Studierenden, vom Lehramt über die Psychologie bis hin zur Pädagogik.

Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?

Die Psychologie übersetzt komplexe Sachverhalte in Modelle, die man quantitativ oder mathematisch überprüfen kann. Statistik hat mich von Anfang an begeistert. Zum einen, weil ich in der Schule schon gern mit Mathematik zu tun hatte. Zum anderen, weil damit Hypothesen kritisch getestet werden können. Dadurch kommt man zu Ergebnissen, die mit einer gewissen Sicherheit auch zutreffen. Außerdem ist die Psychologie sehr breit aufgestellt, beinhaltet viele Subdisziplinen und vereint Natur- und Gesellschaftswissenschaften. Mir selbst ist es nach dem Abitur schwergefallen, mich für etwas zu entscheiden. Die Psychologie war eine ganz attraktive Alternative, weil sie interdisziplinär aufgestellt ist und relevante, alltagsnahe Themen bearbeitet.

Wann haben Sie gemerkt, dass der Weg in die Wissenschaft der Richtige für Sie ist?

Unsere Profs sprechen mit dem Uniblog über Forschung, Lehre und Erinnerungen an die eigene Studienzeit.

Das habe ich eigentlich schon in der Schule gemerkt als ich in der 12. Klasse meine Facharbeit geschrieben hatte. Spätestens nach meinem Vordiplom war mir dann klar, dass ich auf jeden Fall promovieren wollte. Aber ich war lange Zeit nicht sicher, wie es nach der Promotion weitergehen würde. Wenn es mit der Wissenschaft nicht geklappt hätte, wäre ich wahrscheinlich in die Personalentwicklung oder in die rechtspsychologische Begutachtung gegangen. Das Lehramt hatte ich auch als “Plan B” im Hinterkopf, vielleicht als Quereinstieg oder über ein kleines Ergänzungsstudium. Aber das ist dann glücklicherweise alles nicht nötig gewesen.

In Ihrer Antrittsvorlesung ging es um den Einsatz von Telepräsenzrobotern in der Hochschullehre. Was kann man sich darunter vorstellen?

So kann ein Telepräsenzroboter aussehen. Foto: Fabian Wolff

So kann ein Telepräsenzroboter aussehen. Foto: Fabian Wolff

Man kann sich Telepräsenzroboter in etwa so vorstellen wie einen Segway. Bei dem Modell, das ich in meiner Antrittsvorlesung vorgestellt habe, handelt es sich beispielsweise um ein iPad, das in eine Stange auf Rollen gesteckt wird. Die Stange ist mit einem Lautsprecher und einem Mikrofon ausgestattet. Auf diese Weise lassen sich mobile Videokonferenzen herstellen, bei denen sich etwa Studierende mit Hilfe des Roboters durch die Universität bewegen und mit Personen interagieren können, während sie sich tatsächlich zuhause vor ihrem Computer aufhalten. Also wie eine Konferenz über Skype oder Zoom, bei der man sich gleichzeitig mit den Pfeiltasten durch den realen Raum bewegt – ganz ähnlich wie in einem Videospiel.

Wie kamen Sie auf das Thema?

Ich habe die Roboter zum ersten Mal vor vielen Jahren im Fernsehen gesehen, allerdings im klinischen Kontext. Spezialisten konnten damit operieren und ihre ehemaligen Patienten besuchen. Sie sind mit dem Roboter durch das Krankenhaus gefahren, während sie sich auf der anderen Seite der Welt befanden. Konkreter wurde es bei einem Forschungsaufenthalt in Kalifornien. Dort habe ich eine Kollegin kennengelernt, die diese Geräte vor allem für krebskranke Kinder in der Schule einsetzte. Wegen ihrer Erkrankung durften die Kinder nicht mit anderen Menschen in einem Raum sein, aber durch den Telepräsenzroboter konnten sie interaktiv am Unterricht teilnehmen. Ich habe mich dann gefragt, ob die Technik auch in der Hochschullehre nutzbar ist. Beispielsweise bei Studierenden, die länger erkrankt sind oder die aus anderen Gründen nicht anwesend sein können. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass die Geräte hier sinnvoll einsetzbar sind.

Einer Ihrer Schwerpunkte ist die Digitalisierung der Lehr- und Lernumgebung. Wie wird sich dieser Fokus auf Ihre eigene und auf die Lehre am Campus Koblenz auswirken?

Ich hoffe natürlich, dass wir nicht ewig digital bleiben und bald wieder zur Präsenzlehre zurückkehren können. Die Telepräsenzroboter könnten hierzu einen Beitrag leisten, wenn viele Studierende geimpft sind und Lehrveranstaltungen wieder vor Ort stattfinden. Einzelne Studierende könnten dann per Roboter zugeschaltet werden, wenn sie noch nicht geimpft oder in Quarantäne sind. Darüber hinaus könnten solche Roboter die Lehre nachhaltig bereichern, wenn beispielsweise ausländische Dozierende einen Kurs in Koblenz geben, ohne anreisen zu müssen. Auch interkulturelle Begegnungen oder Seminare kann man mit Hilfe dieser Roboter relativ lebendig gestalten. Zum Beispiel entwickeln wir aktuell am Institut ein interkulturelles Seminar unter Einsatz von Telepräsenzrobotern, das wir im nächsten Sommersemester mit unseren Partneruniversitäten aus Kenia durchführen werden. Das Projekt wird vom BMBF im Rahmen des DAAD-Programms International Virtual Academic Collaboration gefördert.

Genug vom wissenschaftlichen Alltag, zurück zu Ihrer Person. Welches Buch oder Paper lesen Sie derzeit und warum?

Auf dem Nachtschrank liegen gerade zwei Bücher: 111 Orte in Koblenz, die man gesehen haben muss und Professor für Anfänger und Fortgeschrittene. Das eine habe ich zum Abschied von meinen Kollegen in Kiel geschenkt bekommen, das andere von einem anderen Kollegen. Ansonsten bin ich eher ein Hörbuch-Fan, weil ich mich beim Hören gerne bewege. Gerade höre ich Das Rosie-Resultat. Das ist der dritte Teil einer Trilogie über einen Wissenschaftler, der autistische Züge hat und mit einer sachlichen Sicht über sein Leben schreibt. Das ist ganz unterhaltsam, insbesondere für Psychologen.

Interview: Markus Möwis

Juniorprofessor Dr. Fabian Wolff hat der Uni Koblenz-Landau auch in der Video-Serie #spotlight Rede und Antwort gestanden.

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