Unsere Profs
Schreibe einen Kommentar

Unsere Profs: Ekaterini Kepetzis

Mit Enthusiasmus für ihr Gebiet will Prof. Dr. Ekaterini Kepetzis ihren Studierenden Kunst als Tor zur Vergangenheit näher bringen. Foto: Annika Namyslo

Mit Enthusiasmus für ihr Gebiet will Prof. Dr. Ekaterini Kepetzis ihren Studierenden Kunst als Tor zur Vergangenheit näher bringen. Foto: Annika Namyslo

Kunstgeschichte ist Vergangenheit zum Anfassen – so könnte man zusammenfassen, weshalb Prof. Dr. Ekaterini Kepetzis vom Institut für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst so für ihr Fach brennt. Sie ist Professorin für Kunstgeschichte und Kunstvermittlung am Campus Landau. Im Interview erzählt sie aus ihrer eigenen Studienzeit und verrät, was es in und um Landau so alles zu entdecken gibt.

Der Professorinnenberuf ist mit einigen Klischees behaftet: Lange über Büchern brüten, Zerstreutheit, Einsiedlertum, chaotische Tafelbilder… Was trifft davon auf Sie zu?

(lacht) Gute Frage. Vielleicht bin ich manchmal ein bisschen weltfremd. Vieles, womit ich mich beschäftige, spielt sich in der Vergangenheit ab – manchmal habe ich das Gefühl, ich stecke mit einem Bein im 19. Jahrhundert. Dann wache ich plötzlich auf und stelle fest: Ach so, es gibt ja auch Handys.

Wie waren Sie als Studentin?

Ich glaube, ich war eine Streberin. (lacht) Mein Hauptfach war anfangs Geschichte. Kunstgeschichte war mein erstes Nebenfach, das zweite angloamerikanische Geschichte. In den ersten Semestern habe ich festgestellt, dass mich vor allem die kunsthistorischen Inhalte interessieren. Mit der Zwischenprüfung habe ich dann die Fächer getauscht und es nie bereut.

Zur Kunstgeschichte kamen Sie also eher aus der historischen statt aus der künstlerischen Richtung. Haben Sie trotzdem auch ein künstlerisches Standbein?

Unsere Profs sprechen mit dem Uniblog über Forschung, Lehre und Erinnerungen an die eigene Studienzeit.

Ich dilettiere ein bisschen. In meiner Jugend habe ich viel gezeichnet. In meiner Heimatstadt gab es eine Galerie, die nachmittags Zeichenkurse angeboten hat. Die habe ich besucht. Aber es war immer ein Hobby und auf dilettantischem Niveau. Spätestens, als ich die Werke Michelangelos gesehen habe, hat sich jede eigene Ambition zerstreut.

Man soll sich ja nicht immer nach oben vergleichen. Was vermuten Sie: Hat sich das heutige Studierendenleben im Vergleich zu Ihrer Studienzeit verändert?

Ich glaube die Studierenden heute sind braver. Vor drei Jahren war ich mit Studierenden auf Exkursion in Paris. Abends haben sie im Frühstücksraum Mau Mau gespielt – das ist kein Scherz. Ich erinnere mich, als ich Anfang der 90er Jahre in Paris war, waren wir abends tanzen. Generell habe ich das Gefühl, seit der Bologna-Reform wird viel mehr darauf geachtet, was Credit Points bringt, welche Module man braucht. Ich spüre bei den Studierenden auch stärkere Zwänge, gewisse Zeitrahmen einzuhalten. “Was interessiert mich?” war zu meiner Studienzeit eine wichtigere Frage als “Passt das in mein Studienprofil?”. Das stelle ich fest, aber erstmal ganz wertneutral.

Wann haben Sie gemerkt, dass der Weg in die Wissenschaften das Richtige für Sie ist?

Im ersten Semester.

Gab es dementsprechend auch keine Alternativen zur Professorinnenlaufbahn für Sie?

Eigentlich nicht. Klar sagt man sich immer, dass es sehr unwahrscheinlich ist, weil es wenige Plätze gibt. Aber im Hinterkopf war diese Laufbahn immer genau das, was ich machen wollte. Ich finde Kunstgeschichte faszinierend, unterrichte total gerne; ich forsche und schreibe wahnsinnig gerne.

Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?

Zum einen der Charakter des Artefakts. Die “Gemachtheit”, stilistische Eigenschaften, wie die Farbe aufgetragen ist – die Materialität im weitesten Sinne. Das zweite – und hier kommt wieder mein historischer Hintergrund zum Zuge – ist, dass wir damit eine ganz unmittelbare und greifbare Verbindung in die Vergangenheit haben. Plötzlich wird die Art und Weise, wie Menschen gelebt haben und wie Objekte zum Beispiel im Haushalt benutzt wurden, sichtbar. Heute ist das alles museal und man hat überhaupt kein Gefühl mehr dafür, wie der ursprüngliche Kontext war. Das nicht gebrochen durch Literatur, sondern haptisch am Objekt zu erfahren, finde ich extrem spannend.

Man könnte vermuten, je weiter aus der Vergangenheit ein Objekt stammt, desto spannender wird es. Welche Zeit finden Sie persönlich am interessantesten?

Das, womit ich mich am liebsten beschäftige, ist das, was man als “das lange 19. Jahrhundert” umschreibt. So ab 1750 bis 1914 und dann die Zeit bis zum Ende der Weimarer Republik.

Eine Zeit, in der Europa im Umbruch war.

Genau, Europa im Umbruch – gesellschaftlich natürlich, aber auch technisch mit vielen neuen Möglichkeiten, mit der Herausbildung einer neuen Öffentlichkeit, neuen Ausstellungsmethoden et cetera. Damals hat sich Kunst enorm verändert und es wurde auch ganz kritisch diskutiert: Was ist eigentlich Kultur? Was ist Bildung? Was ist Identität? Das ist ein Punkt, an dem die Vergangenheit meiner Meinung nach ganz massiv auf unsere eigene Gegenwart zurückstrahlt.

Was gefällt Ihnen an der Arbeit an der Universität?

Vieles, was leider seit Beginn meiner Professur in Landau durch Corona bedingt noch nicht oder nur in sehr eingeschränkter Form passiert. Ich habe wenige Kolleg:innen persönlich kennengelernt, kaum Kontakte außerhalb des eigenen Faches knüpfen können. Was mir in Landau gefällt, ist, dass es sehr überschaubar ist. Ich komme aus einer sehr großen Universität in Köln, dort hat man kaum eine Chance, die Studierenden persönlich kennenzulernen. Hier ist das anders. Es ist theoretisch ein anderes Arbeiten möglich – praktisch ist es jetzt natürlich ganz anders, weil ich alle nur digital sehe.

Wir drücken alle die Daumen, dass sich das bald wieder ändert.

Das hoffe ich auch. Ich freue mich auch schon darauf, wenn man mal wieder einfach so nach Frankreich fahren kann – da hatte ich noch gedacht: Wie toll, dass das von hier aus so einfach geht.

Was macht in ihren Augen eine gute Professorin aus?

Man sollte sein Fach gut beherrschen, aber auch die Kluft zwischen dem eigenen Wissen und dem der Studierenden erkennen. Neudeutsch gesagt: Man muss die Leute abholen. Sonst ist es völlig egal, was ich in meinem Kopf habe, es wird bei den Studierenden nicht ankommen. Außerdem ist Enthusiasmus für das eigene Fach sehr wichtig. In dem Moment, in dem ich mich für etwas begeistere, begeistere ich auch die Studierenden.

Welches Buch oder Paper liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Ein Buch über Genre-Malerei. Für eines meiner Seminare werde ich dazu gleich die nächste Vorlesung einsprechen.

Gab es ein Ereignis oder eine Person, das oder die Ihren akademischen Werdegang geprägt hat?

Mein Kunstlehrer in der Schule hat meinen Blick dafür geöffnet, dass Kunst mehr sein kann, als nur den Pinsel zu schwingen. Später waren es einzelne Professor:innen, deren Vortragsstil sehr mitreißend war. Aber auch Negativbeispiele waren prägend, zum Beispiel ein Dozent, der seine Studierenden gerne vorgeführt hat. So entsteht Angst davor, einen Fehler zu machen. Dabei gibt es tausende gute Möglichkeiten, mit Fehlern oder fehlendem Wissen umzugehen – Terror ist keine davon.

Motivation und Kreativität funktionieren in so einer einschränkenden Atmosphäre auch schlechter.

Genau. Und da viele meiner Studierenden später Lehrer:innen werden, will ich ihnen mitgeben, dass es auch anders geht.

Haben Sie Tipps, wo man sich in der Landauer Umgebung mit Kunstgeschichte beschäftigen kann?

Landau selbst ist eine spannende Stadt. Für Architekturinteressierte gibt es an jeder Ecke schöne Gebäude, Reliefs, kleine Statuen, die den alltäglichen Weg zum Supermarkt bereichern können. In der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gibt es außerdem eine traumhafte ständige Sammlung. Eigentlich gäbe es dort gerade eine tolle Ausstellung zum Rokoko – wir hoffen, dass sie noch öffnen kann. Wer sich mehr für Regionalgeschichte interessiert, dem kann ich das Historische Museum der Pfalz in Speyer empfehlen. Straßburg ist auch nicht weit, davon war ich sehr begeistert.

Was unternehmen Sie als Ausgleich zur Denkarbeit an der Uni?

Ich koche und backe mit großer Begeisterung. Außerdem lese ich viele nicht-fachliche Bücher, vor allem historische und Fantasy-Romane. Einem guten Krimi bin ich auch nicht abgeneigt, der darf aber nicht zu blutig sein – am besten liegt auf Seite 1 die Leiche und dann wird nur noch aufgeklärt. Gute Fernsehserien können mich auch mitreißen. Gerade habe ich – wenig innovativ, aber mit großer Begeisterung – The Queen’s Gambit gesehen. Ein tolles Period Piece, das mir auch thematisch sehr gut gefallen hat: Eine Frau, die sich in einer männerdominierten Welt durchsetzt.

Interview: Annika Namyslo

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.