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Unsere Profs: Christian von Sikorski

Christian von Sikorski ist Junior-Professor für Politische Psychologie. Seine Professur stellt eine einzigartige Kombination aus Psychologie, Politik- und Kommunikationswissenschaft dar. Foto: Thomas Marwitz

Christian von Sikorski ist Junior-Professor für Politische Psychologie. Seine Professur stellt eine einzigartige Kombination aus Psychologie, Politik- und Kommunikationswissenschaft dar. Foto: Thomas Marwitz

Dr. Christian von Sikorski ist Professor für politische Psychologie am Campus Landau. Er beschäftigt sich mit politischer Kommunikation, Medienwirkungen und Social Bots, die eine Gefahr für unsere Demokratie darstellen. Im Interview klärt er auf, was genau Bots sind und wie man diese erkennt.

Unsere Profs sprechen mit dem Uniblog über Forschung, Lehre und Erinnerungen an die eigene Studienzeit.

Wie waren Sie als Student?

Aus meiner Selbstwahrnehmung würde ich sagen, so wie heute auch. Es gab immer Dinge, für die ich mich nur bedingt begeistern konnte. Wenn mich etwas interessierte, dann wollte ich es immer komplett verstehen. Dann konnte ich mich in Dinge reinfuchsen. Das habe ich beibehalten, glaube ich.

Was meinen Sie: Hat sich das heutige Studentenleben im Vergleich zu Ihrer Studienzeit verändert?

In gewisser Weise ja. Heute nehme ich es häufiger so wahr, dass Studierende einen sehr vollen, eng getakteten Zeitplan haben. Das bringt für manche mehr Stress mit sich. Andererseits erlebe ich Studierende heutzutage als sehr organisiert und zielstrebig.

Wann haben Sie gemerkt, dass der Weg in die Wissenschaften das Richtige für Sie ist? Gab es Alternativen zur Professorenlaufbahn für Sie?

Ich habe im Hauptstudium gemerkt, dass mich Forschung und Wissenschaft sehr stark interessieren, dass ich gerne Studien durchführe und Artikel in Fachzeitschriften lese. Dann lief das eigentlich wie auf Schienen – ich hatte gar keine Zeit, groß darüber nachzudenken, was ich beruflich machen würde, weil sich mein Doktorat nahtlos ans Studium anschloss. Ernsthaft über einen Beruf außerhalb der Uni nachgedacht habe ich ehrlich gesagt nie.

Zuerst haben Sie Ihr Hauptstudium und Diplom in Sport- und Kommunikationswissenschaften absolviert. Wie kamen Sie vom Sport zur politischen Psychologie?

Ich bin ein Beispiel dafür, dass man einen ungewöhnlichen Weg gehen kann. Die Verbindung von Sport und Kommunikation hat mich damals fasziniert. Im Hauptstudium stellte sich heraus: Kommunikationswissenschaft mit einem ganz starken psychologischen Anstrich ist das, was mich ganz besonders interessiert. Meine Abschlussarbeit war kommunikationswissenschaftlich und medienpsychologisch ausgerichtet. Promoviert habe ich dann in einem Graduiertenkolleg in Kooperation mit Psychologen der Universität zu Köln. Anschließend bin ich nach Wien ans Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft gewechselt. Mein damaliger Chef war Psychologe, ich habe im Bereich politische Psychologie und Kommunikation geforscht. So gab es für mich immer die Verbindung aus Politik, Kommunikation und Psychologie. Hier in Landau habe ich eine Professur für politische Psychologie, die aber in einem Institut mit kommunikationspsychologischem Fokus angesiedelt ist und Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft und Psychologie vereint. Das bietet viele Chancen, mit verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten. Als ich die Ausschreibung sah, dachte ich: Die Stelle ist genau auf meine Interessen zugeschnitten.

Sie unterrichten Politische Psychologie und Kommunikation. Was begeistert Sie an Ihrem Fachgebiet?

Es ist ein Forschungsgebiet, das in Deutschland ziemlich einmalig ist. Hierzulande läuft es sonst entweder bei den Politikwissenschaften oder bei der Psychologie mit. Was mich begeistert, ist einerseits die dynamische Entwicklung, andererseits die Möglichkeit, Theorien oder empirische Daten an aktuellen Phänomenen abgleichen zu können. Das ist einfach klasse. So kann man in der Corona-Krise untersuchen, wie Personen in einer Krisenphase reagieren, wie sie mit Medien umgehen, wie sie ihre öffentliche Meinung anpassen. Aber auch, wie bestimmte Formen der politischen Kommunikation verbessert werden können. Aus Forschungsperspektive können wir gerade sehr viel lernen.

Sie sind viel herumgekommen. Köln, Wien, New York und Hongkong. War von Anfang an klar, dass Sie wieder nach Deutschland zurückkehren?

Ganz klar war es nicht. Ich habe mich immer wohlgefühlt in der universitären Landschaft hierzulande. Andererseits ist es wirklich faszinierend, wie Dinge beispielsweise an der New York University laufen. Wie diese Top Unis in den USA ausgestattet sind, wie da gearbeitet wird, mit welchem Elan – das ist absolut inspirierend. Natürlich schätze ich auch das deutschsprachige Universitätssystem. Es ist hier und da etwas langsamer, schwerfälliger und träge, dafür ist es in der Breite sehr gut aufgestellt und bringt ebenfalls Top-Forschung hervor.

Gab es ein Ereignis oder eine Person, das oder die Ihren akademischen Werdegang geprägt hat?

Meinem früheren Chef in Wien, Jörg Matthes, habe ich wahnsinnig viel zu verdanken. Er ist einfach unglaublich inspirierend – ein ganz schlauer und kompetenter Mensch und sympathisch noch dazu.

Was macht in Ihren Augen einen guten Professor aus?

Wenn ein Professor sich für das, was er macht, begeistert, dann hat das einen ganz großen Einfluss auf die Studierenden. Und natürlich wissenschaftliche Exzellenz. Eine weitere Zutat ist, die Balance zu finden zwischen den theoretischen Inhalten und der Praxis. Man sollte eine gewisse Vermittlungskompetenz haben, Beispiele geben können oder etwas aufs aktuelle Geschehen anwenden können. Studierende wollen die Relevanz von Dingen erfassen, davon bin ich überzeugt. Karl Popper hat einmal gesagt „Alles Leben ist Problemlösen“. Studierende in der Vorlesung möchten – im weitesten Sinne – etwas lernen, mit dem man Probleme lösen kann.

Sie erhielten 2019 den Gene Burd Top Faculty Paper Award für das Paper Social Bots as a Threat for Digital Democracy? – Worum ging es da inhaltlich?

Dr. Christian von Sikorski ist Professor für Politische Psychologie mit Tenure-Track am Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik sowie Leiter des Political Psychology and Communications Labs. Zu seinen Forschungsgebieten zählt politische Kommunikation, insbesondere im Hinblick auf Politik-Skandale und mediale Berichterstattung zum Terrorismus.

Wir kennen das Phänomen Social Bots seit einiger Zeit. Bots sind, vereinfacht gesagt, Computerprogramme, die online automatisiert Tätigkeiten übernehmen, wie Informationen „liken“, kommentieren, weiterverbreiten. Gewisse Nachrichten sollen viral werden, also eine große Anzahl an Leuten erreichen. Bestimmte Bots täuschen außerdem vor, echte Menschen zu sein, indem sie beispielsweise Kommentare unter Beiträgen hinterlassen. Organisationen oder Staaten können so unbemerkt Einfluss auf den Meinungsbildungsprozess einer Gesellschaft nehmen, wie zuletzt bei verschiedenen politischen Wahlen zu sehen war. In der Studie haben wir untersucht, wie Menschen reagieren, wenn sie um das Phänomen Social Bots wissen. Wissen Personen zum Beispiel, dass die US-Wahlen 2016 oder das Brexit-Votum in Teilen von Bots beeinflusst wurden, kann es für sie sehr demotivierend sein, sich online mit politischen Themen auseinanderzusetzen, politisch zu partizipieren. Wir konnten allerdings auch zeigen: Wenn Menschen fachgerecht über das Phänomen Bots aufgeklärt werden, steigert das die wahrgenommene Selbstwirksamkeit, sodass Personen deutlich weniger Angst vor Bots haben. Es gibt den Leuten ein gewisses Maß an Kontrolle zurück. Das Schöne an dem Ergebnis ist, dass es uns klare Handlungsanweisungen gibt: Nicht nur isoliert über mögliche Gefahren durch Social Bots zu berichten, sondern auch vermitteln, wie man diese erkennt, beziehungsweise generell über das Phänomen aufzuklären.

Woran kann man Bots erkennen?

Wichtig ist, das Profil, das da antwortet, zu checken. Wer ist das? Wie schnell antwortet das Profil? In welcher Masse kommentiert es? Wenn das Profil zu jeder Zeit, rund um die Uhr antwortet, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass ein Social Bot dahinter steckt.

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Ich greife mal eines heraus. Was mich umtreibt, ist die zunehmende Polarisierung in Gesellschaften. Mich interessiert, wie bestimmte Formen der medialen Berichterstattung Polarisierungsprozesse ungewollt befeuern können. Ein ganz aktuelles, noch nicht veröffentlichtes Paper hat gezeigt, dass das gleiche Bild von einer Person aus der Politik durch kleine Veränderungen Menschen zu völlig anderen Beurteilungen kommen lässt. Dabei können bestimmte Hinweisreize, wie zum Beispiel Hintergrundfarben, die Beurteilung beeinflussen. Dabei spielt es auch eine Rolle, ob jemand ein niedriges oder ein hohes Medienvertrauen hat. Gerade wenn es um kontrovers diskutierte Themen in der Gesellschaft geht, müssen Medienschaffende sehr darauf achten, dass sie sensibel und vorausschauend agieren.

…weil Bilder sonst Wirkungen haben können, die nicht intendiert waren?

Ja, genau. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Vielleicht schreiben Sie einen Artikel über das Thema Arbeitslosigkeit in den USA und wählen als Titelbild eine schwarze Person vor einer tristen Großstadtkulisse. Ein Teil der Leserschaft wird sehr schnell schlussfolgern, dass Arbeitslosigkeit in den USA ein Problem in Großstädten ist, dass besonders Afroamerikaner betrifft – auch wenn dies in dem Text gar nicht dargelegt wird. Was Ihnen vielleicht aus Versehen passiert ist, können andere sich dann zunutze machen, um absichtlich Desinformationen zu verbreiten. Wir Menschen glauben Bildern intuitiv schneller als Texten. Insbesondere mit künstlicher Intelligenz wird es zunehmend einfacher, Bilder und Videosequenzen zu fälschen, diese über soziale Medien zu verbreiten und Politikern hierdurch mit angeblichen „Bild- beziehungsweise Videobeweisen“ massiv zu schaden.

Welches Buch oder Paper liegt gerade ganz oben auf Ihrem Schreibtisch?

Da muss ich hinschauen. (lacht) Es liegt tatsächlich ein Buch oben, in dem es über Fehl- und Desinformationen in der Gesellschaft geht.

Was unternehmen Sie abseits des wissenschaftlichen Alltags?

Ich habe zwei kleine Kinder. Sobald ich nach Hause komme, ist alles, was mit Theorie, Wissenschaft und Grundlagenergebnissen zu tun hat, vergessen. Dann zählen die Erlebnisse und Freuden der Kinder. Das ist ein toller Ausgleich, auf den ich mich sehr freue. Und wenn man viel sitzt und nachdenkt, muss man sich bewegen. Sport, insbesondere Joggen im Pfälzerwald, ist mir hoch und heilig.

Interview: Thomas Marwitz

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