Ehrenamt: Studis engagiert
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Umweltschutz selbst in die Hand nehmen

In ihrer Freizeit engagieren sich Jonas und Victoria ehrenamtlich bei der Greenpeace-Ortsgruppe Koblenz. Foto: Sarah-Maria Scheid

In ihrer Freizeit engagieren sich Jonas und Victoria ehrenamtlich bei der Greenpeace-Ortsgruppe Koblenz. Foto: Sarah-Maria Scheid

Ökologische Themen wie Umweltschutz, Plastikvermeidung und Energieersparen haben seit Jahren Konjunktur. Die beiden Lehramtsstudierenden Jonas und Victoria sind seit einiger Zeit aktiv im Umweltschutz unterwegs. Die 24-Jährigen engagieren sich ehrenamtlich in der Greenpeace-Ortsgruppe Koblenz. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Fragen rund um Konsum, Ernährung, Energiewende und Öffentlichkeitsarbeit.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich bei Greenpeace zu engagieren?

Ehrenamt. Foto: Perry Grone/Unsplash In unserer Serie Ehrenamt: Studis engagiert zeigen Studierende, wie man die Balance hält zwischen Stundenplan und Initiative.

Victoria: Ich war noch relativ neu in Koblenz und habe mich Ende 2017 nach Institutionen umgeschaut, in denen man sich engagieren kann. Dann bin ich auf die Internetseite von Greenpeace gestoßen und habe dort erfahren, dass immer montags um 19 Uhr ein Plenum stattfindet. Ich habe einfach mal reingeschaut und bin dabeigeblieben.

Jonas: Ich bin durch einen Vortrag an der Uni im November 2019 zu Greenpeace gekommen. Damals wurden Aufnahmen von Markus Mauthe gezeigt. Er hat als Fotograf indigene Völker begleitet. Bei dieser Veranstaltung hat die Ortsgruppe Koblenz von Greenpeace einen Stand aufgebaut. Ich hatte mich schon länger für das Thema Umweltschutz, interessiert, bin dann mit den Leuten ins Gespräch gekommen und fand sie direkt sympathisch. Anschließend habe ich im Plenum vorbeigeschaut und dort hat es mir sehr gut gefallen.

Wie viele Aktive sind Sie vor Ort?

Victoria: Wir sind etwa 20 Aktive, die konstruktiv mitarbeiten. Auf dem Papier sind wir sogar über 50. Die Greenpeace-Ortsgruppen sind in verschiedene Untergruppen aufgeteilt. Wir haben Jugendaktionsgruppen, in denen Jugendliche von 14-18 Jahren aktiv sind. Dann gibt es noch das Team 50 plus. In Koblenz haben wir aktuell keine Mitglieder in diesem Alter. Unsere Gruppe hat eine Altersspanne von 15 bis Mitte 30. Das Durchschnittsalter liegt bei 20-21 Jahren.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?

Victoria: Allgemein wollen wir Menschen dafür sensibilisieren, dass sie sich für den Umweltschutz engagieren. Außerdem wünschen wir uns, dass sie darüber nachdenken, welche Auswirkungen ihr Konsum auf die Umwelt hat. Mit unseren Projekten und Kampagnen versuchen wir, überregional Menschen dazu zu motivieren, sich für die Umwelt einzusetzen.

Was war Ihre letzte Aktion?

Jonas: Das war ein Gruppenaktionstag zum Thema Konsum. Wir haben darauf aufmerksam gemacht, wie Tiere für die Fleischproduktion gehalten werden. Durchgeführt haben wir die Aktion vor Supermärkten, wo wir Passanten unmittelbar nach ihrem Einkauf angesprochen haben. Auf Lebensmittelverpackungen gibt es ein Ampelsystem für verschiedene Haltungsformen von eins bis vier. Das Meiste, was dort an Frischfleisch in den Supermärkten zum Verkauf steht, entspricht den Haltungsformen eins und zwei. Wir haben uns durch Unterschriften in einer Petition dafür eingesetzt, dass die Haltungsformen eins und zwei komplett aus dem Sortiment genommen werden. Zur Demonstration haben wir auf dem Boden aufgezeichnet, wie viel Platz ein Schwein in der jeweiligen Haltungsform hat, und wir haben den Kunden der Supermärkte vor Augen geführt, unter welchen Bedingungen diese Tiere leben. Anschließend haben wir die gesammelten Unterschriften den Supermarktleitern vorgelegt.

Victoria: Das Ampelsystem zur Haltungsform ist ursprünglich aufgrund einer Initiative von Greenpeace eingeführt worden. Wir haben damals darüber aufgeklärt, dass die Produktion des Fleisches unter widrigen Bedingungen abläuft. Daraufhin haben die Supermärkte und Discounter reagiert und das Ampelsystem eingeführt.

Was sind Kernthemen Ihrer Arbeit?

Victoria: Wir wollen Menschen aufklären, Informationen liefern und gemeinsam – mit Spaß – für den Umweltschutz arbeiten und diesen voranbringen.

Jonas: Aktuelle Kernziele sind eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und die Verbesserung der Mobilität. Wir wollen den Verkehr in Koblenz umweltfreundlicher gestalten. Stichworte sind hier das Fahrrad und der öffentliche Nahverkehr. Weitere Punkte sind Klima, Kohle und Konsum. Hierzu engagieren wir uns beispielweise, wie oben beschrieben, in Gruppenaktionstagen. Des Weiteren organisieren wir alle drei Monate Kleidertauschpartys, um Menschen zu ermöglichen, neue Kleidung auf eine nachhaltige Art und Weise kostenlos zu erhalten. Konsum ist nicht nur, was wir essen, sondern auch was wir anziehen. Viele wissen nicht, dass sie durch ihr Konsumverhalten etwas bewegen können.

Victoria: Einmal im Jahr planen wir die Make Something Week. Der erste Tag ist immer der Black Friday. In dieser Woche bieten wir Workshops zum Thema Nachhaltigkeit an. 2019 haben wir zum Beispiel einen Filmabend angeboten und den Film Tomorrow geschaut. Außerdem ging es um veganes Kochen und Backen. Anschließend fand noch ein Workshop statt, in dem wir gestrickt und Bienenwachstücher hergestellt haben, in die man Lebensmittel einwickeln kann.

Welche Projekte stehen aktuell an?

Victoria: Wir fordern, dass in öffentlichen Kantinen mehr Bio-Produkte verwendet werden. Vor allem möchten wir, dass das Essen in Schulen hochwertiger wird, aber der Preis gleich bleibt. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, weniger Fleisch und Tierprodukte zu verarbeiten. Für das Klima wäre das super.

Jonas: Wir gehen an Schulen und halten dort Vorträge zu Umweltthemen. Außerdem haben wir immer wieder Infostände am Löhrrondell und nehmen an Demonstrationen teil.

Sie führen wöchentlich montags Planungstreffen durch. Wie läuft so ein Treffen ab?

Jonas: Im Grunde treffen sich alle Interessierten montagabends um 19:00 Uhr im Freiraum des Jams zu einem Plenum. Am Anfang gibt es eine Vorstellungsrunde. Danach werden die Themen angesprochen, die über die Woche gesammelt wurden. Jeder kann sagen, über was er im Plenum gerne reden würde. Dann werden die Themen behandelt, die gerade akut sind. Dann wird diskutiert, werden Meinungen ausgetauscht und es wird festgelegt, wie wir als Gruppe weiter agieren wollen. Aus gegebenem Anlass finden die Planungstreffen aktuell online statt. Wir tauschen uns wöchentlich über Discord aus, drehen Videos – beispielsweise darüber, wie man Nachhaltigkeit in Haushalt und Alltag verwirklichen kann – und veröffentlichen diese. Neuerdings organisieren wir wieder Gruppenaktionstage, die mit dem Corona-Bestimmungen konform sind.

Victoria: Am Ende und am Anfang des Plenums gibt es eine Check-In- und ein Check-Out-Runde, in der wir uns darüber austauschen, wie uns das Plenum gefallen hat. Manchmal kochen wir anschließend noch etwas gemeinsam oder gehen in die Stadt.

Was schätzen Sie an der Arbeit besonders?

Jonas: Ich schätze besonders das gemeinsame Ziel. Mir ist es sehr angenehm, mich mit Menschen zu umgeben, die in dieser Beziehung gleich ticken. Ansonsten gefällt mir die Offenheit. Jeder wird so akzeptiert, wie er ist. Dadurch, dass es ein Ehrenamt ist, weiß ich immer, dass alle Menschen, die dort sind, wirklich Lust auf die Projekte haben und aus Überzeugung dabei sind.

Victoria: Ich kann mich da nur anschließen. Was ich hier super finde, ist der gemeinsame Austausch. Alle Leute haben verschiedene Fähigkeiten und man kann voneinander lernen. Jeder kann sich ein Thema raussuchen, das ihn besonders interessiert, und man muss bei nichts mitmachen.

Was konnte die Gruppe in Koblenz bis jetzt im Umweltbereich schon bewegen?

Victoria: Zum Beispiel haben wir letztes Jahr mit dazu beigetragen, dass der Klimanotstand in Koblenz ausgerufen wurde. Dazu haben wir verschiedene Punkte ausgearbeitet, die an die Parteien weitergeleitet wurden. Diese haben die Forderungen zur Kenntnis genommen und wollen sich für eine Umsetzung stark machen.

Jonas: Wir schreiben uns zu, dass die Klimakrise mittlerweile auf der Agenda der Politik und Wirtschaft steht. Wenn man sich das letzte Weltwirtschaftsforum in der Schweiz anschaut, war selbst dort das Klima dominierendes Thema. Die Umsetzung ist noch ausbaufähig, aber wir haben Anteil daran, dass das Thema in den Köpfen der Menschen präsent ist.

Arbeitet Greenpeace gruppenübergreifend mit anderen Vereinen zusammen?

Victoria: Auf jeden Fall. Beim einmal im Jahr stattfindenden veganen Weihnachtsmarkt, beim Koblenzer Fahrradtag und bei Demonstrationen zum Beispiel von Fridays for Future sind wir dabei. Mit dem BUND veranstalten wir Müllsammelaktionen, begleiten die Critical Mass, eine Fahrraddemo, und tauschen uns gegenseitig über Veranstaltungen aus. Ebenfalls mit dem BUND zusammen haben wir zwei Beete in Gemeinschaftsgärten in Moselweiß und Lützel-Neuendorf. Dort dürfen wir fleißig gärtnern.

Ist dieses Ehrenamt mit der Uni zeitlich vereinbar?

Jonas: Bei mir klappte das bisher sehr gut. Wir tauschen wir uns über Social Media sehr gut aus und sind immer gut informiert. Die Aktionen werden sehr flexibel geplant. Dadurch, dass es keine Verpflichtung gibt, fühlt es sich sogar nach einem langen Uni-Tag als Abwechslung an und ich freue mich auf die Treffen. Es ist eher eine gelungene Ergänzung als eine Belastung.

Victoria: Ich finde, wenn man mit Leidenschaft dabei ist, ist es sinnvoll gestaltete Freizeit. Natürlich muss man Arbeit investieren, zum Beispiel für einen Infostand. Aber das, was es einem persönlich gibt und was man mitnimmt, gleicht den Aufwand wieder aus.

Wie kann man sich beteiligen?

Jonas: Der erste Schritt ist ganz einfach. Kommt zum Plenum, schaut euch an, was wir tun, lernt uns kennen und alles Weitere passiert ganz automatisch. Dann liegt es an euch, wie viel ihr zur Thematik beitragen möchtet. Es ist einfach schön, dass man das Gefühl hat, dort agieren zu können. Es gibt viele Menschen, die Geld an Umweltorganisationen spenden. Wirklich aktiv zu sein, macht mich deutlich zufriedener, als nur zu sehen, dass monatlich Geld vom Konto abgebucht wird. Man hat das Gefühl, wirklich etwas zu bewegen.

Interview: Sarah-Maria Scheid

 

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