Studis & ihre Nebenjobs
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Zwischen Rockabillys, Metalheads und Deathcore-Fans

Lea Baur steht im SK2 hinter der Theke. Lange Nächte machen ihr nichts aus. Foto: Sarah-Maria Scheid

Lea Baur steht im SK2 hinter der Theke. Lange Nächte machen ihr nichts aus. Foto: Sarah-Maria Scheid

Lange Nächte, interessante Gespräche und Ereignisse: Neben ihrem Studium der BioGeoWissenschaften arbeitet Lea Baur (22) als Thekenkraft im SK2. Der abwechslungsreiche Kontakt zu den Gästen gefällt ihr besonders gut.

Zapfen, Servieren, Kassieren. Die typischen Aufgaben einer Servicekraft. Was hat dein Job noch zu bieten?

Mit den Gästen lachen und manchmal die Therapeutin spielen. Denn Leute an der Theke offenbaren mir oft ihre Probleme, besonders wenn der Alkoholpegel steigt. Natürlich auch unschöne Sachen. Erbrochenes auf der Toilette wegmachen oder Tische wischen, weil Leute ihr Bier komplett verschüttet haben. Zudem für Ruhe im Laden sorgen und Leute rauswerfen, wenn sie sich danebenbenehmen.

Mehr Beispiele zum Geldverdienen neben dem Studium gibt’s in unserer Serie Studis und ihre Nebenjobs.

Wie steht es um das Stresslevel?

Es gibt anstrengende Abende, an denen man Bier um Bier zapft und überhaupt nicht mitbekommt, was um einen herum passiert. Es gibt aber auch Abende, an denen man ganz entspannt die Getränke zum Tisch bringen, sich kurz dazu setzen und mit den Leuten quatschen kann. Vor Corona durften wir den Laden deutlich voller machen, aber auch seitdem gibt es Zeiten, in denen man nicht zum Stillstand kommt.

Vor dem SK2 gab es schon mal eine Kneipe namens SK. Was hat es damit auf sich?

Das SK war eine Kneipe und Eventlocation. Der jetzige Besitzer, Heiko, ist immer an dem leer stehenden Laden vorbeigegangen. Er hat sich gedacht, er mietet das Ladenlokal und eröffnet ein SK2. Irgendwann hat das alte SK geschlossen und das SK2 hatte gerade eröffnet. Da niemand den Namen ändern wollte, blieb es beim Namen SK2. Die Hälfte der Kundschaft kennt das alte SK nicht mehr. SK steht für Suppkultur – wirklich mit pp. Keiner weiß warum (lacht). Ich gehe davon aus, dass es darum ging, alle Subkulturen der Stadt zu vereinen.

Was für Leute besuchen die Kneipe? Aus welchen Szenen kommen sie?

Wir haben regelmäßig Stammtische von Ois – also von Skinheads – von Punks, Menschen aus der Metal-, Hardcore-, Deathcore und Rockabilly-Szene. Die Leute kommen auch von weiter weg, zum Beispiel aus dem Westerwald und dem Taunus. An den Stammtischen wird jeweils deren Musik spielt. Natürlich ist jeder willkommen. Vom Stammtisch wissen aber alle Szenenfreunde.

Koblenz hat eine sehr hohe Kneipendichte. Was hebt das SK2 von allen anderen Kneipen ab?

Wir sind günstig. Und das SK2 steht für Tradition. Wir haben Stammpublikum, das seit zehn Jahren zu uns kommt. Ich glaube, dass sich das ein bisschen weiterträgt. Die Kundschaft ist mit allen Altersklassen durchsetzt. Unsere Jüngsten sind die gerade 18 geworden und unsere Ältesten jenseits der 60.

Gibt es außer gemütlichen Abende mit Bier auch Themenabende und Events im SK2?

Bei uns kann man „Schocken“ spielen, das ist ein Trinkspiel mit Würfeln. Ansonsten hatten wir vor Corona regelmäßig Konzerte. Es haben Bands aus ganz Deutschland, aber auch regionale und internationale Bands gespielt. Mein Chef hat auch eine Band: Party Animals, sie spielen Schlager. Donnerstags ist Quizabend. Heiko denkt sich die Fragen immer selbst aus. Er hat sogar schon bei Wer wird Millionär? teilgenommen.

Aufgrund der Corona-Pandemie bleiben die Hocker an der Theke erst einmal leer. Foto: Lea Baur

Aufgrund der Corona-Pandemie bleiben die Hocker an der Theke erst einmal leer. Foto: Lea Baur

Ist dir ein besonderes Erlebnis mit einem Gast in Erinnerung geblieben?

Es war ein sehr schöner Moment, als die Stammgäste nach dem Lockdown wieder in den Laden kamen und sich gefreut haben, mich wiederzusehen. Sie sehen mich nicht nur als austauschbare Thekenkraft, sondern freuen sich über mich als Person.

Dann hat mir ein Stammgast neulich von seinen beiden Töchtern erzählt. Eines der Mädchen hatte mit zehn Jahren ihr erstes Date. Der Junge, der in derselben Straße wohnt, hatte das Mädchen nach dem Date nicht nach Hause gebracht. Als der Vater des Mädchens den Jungen wiedersah, sagte er mit lauter Stimme: “Beim nächsten Mal bringst du sie aber nach Hause.” Der Junge sagte: “Ich wohne aber woanders.” Der Vater darauf: “Ja, aber das macht man so!” Es war eine schöne Geschichte, da er dem Zehnjährigen beibringen wollte, sich wie ein Gentleman zu verhalten.

Wie würdest du das Verhältnis zwischen Gästen und Mitarbeitenden beschreiben?

Es gibt Stammgäste, die man gerne hat. Es gibt aber auch Gäste, die der Meinung sind, sie können mir unglaublich auf die Pelle rücken, obwohl ich sie gar nicht richtig kenne. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn Leute zutraulich werden, den Arm um mich legen, obwohl sie noch nicht einmal wissen, wie ich heiße. Solange die Gäste aber nett und freundlich zu mir sind, bin ich auch nett und freundlich zu ihnen.

Wie hat sich die Arbeit durch Corona verändert?

Für uns ist Corona ein riesiges Problem, weil wir eine Kneipe sind, in der viele Leute an der Theke sitzen und wir die Theke nicht öffnen dürfen. So fallen neun bis zehn Plätze weg. Zusätzlich dürfen wir nur bis zu zehn Personen an den Tischen sitzen haben. Wirtschaftlich ist das für uns problematisch, aber natürlich akzeptieren und verstehen wir die Maßnahmen. Die Leute müssen eine Maske tragen, wenn sie die Kneipe betreten und wenn sie auf Toilette gehen. Halten sich die Gäste nach mehrmaliger Aufforderung nicht an die Regeln, haben wir auch das Recht, sie rauszuwerfen. Denn wir müssen die Strafen zahlen, nicht die Gäste.

Wie habt ihr die Pause überstanden?

Ich war zu der Zeit nicht angestellt. Den zwei Aushilfen wurden gekündigt. Ansonsten hatten wir eine sehr treue Kundschaft. Manche haben einen Kasten Bier zum Verkaufspreis von uns gekauft. Die Ois haben eine Spendenaktion auf die Beine gestellt. Sie haben T-Shirts mit SK-Aufschrift bedrucken lassen und sie verkauft. Zusätzliche Spenden waren auch möglich. Dabei ist eine gute Summe zustande gekommen. Zusätzlich gab es Kurzarbeitergeld und Soforthilfe.

Wie kamst du an deinen Nebenjob? Was verdienst du?

Ich bin durch Kontakte an die Stelle gekommen. Eigentlich stand im Raum, dass ich im einer anderen Kneipe anfange. Das hat aber nicht funktioniert. Dann hing im SK2 ein Aushilfegesuch im Fenster. Also bin ich am Abend in die Kneipe und habe gefragt. Ich musste kein Bewerbungsgespräch führen, sondern wurde direkt eingestellt, weil ich die Leute vor Ort kannte. Ich bekomme den Mindestlohn plus Trinkgeld.

Braucht man bestimmte Voraussetzungen für diesen Job?

Man braucht ein dickes Fell und die Fähigkeit, in stressigen Situationen Ruhe zu bewahren. Und ein gesundes Selbstbewusstsein gegenüber Leuten, die dumme Sprüche loswerden wollen, ist auch nützlich.

Wie studienkompatibel ist deine Arbeit?

Es kommt darauf an, wie gut man damit umgehen kann, seinen Schlafrhythmus umzustellen. Man steht unter Umständen samstags mal bis sechs Uhr morgens in der Kneipe, wodurch man im Anschluss vielleicht bis 17 Uhr schläft. Am nächsten Tag muss man aber zum Beispiel für die Uni wieder früher aufstehen und muss um 22 Uhr schlafen gehen. Für mich funktioniert das, prinzipiell arbeite ich donnerstags oder freitags aber am liebsten.

Interview: Sarah-Maria Scheid

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