Kolumne
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Tausche Kaffee gegen Erfahrungen

Heute schreibt Campus-Reporterin Maria Preuß. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

Heute schreibt Campus-Reporterin Maria Preuß. Illustration: Designstudio Mathilda Mutant

In der Kolumne schreiben unsere Campus-Reporter, allesamt Studierende in Koblenz und Landau, unplugged aus ihrem Alltag. Heute macht sich Maria Preuß bewusst, welche Chancen so ein Studium bietet – wenn man sich ein bisschen strukturiert.

Mittwochmittag, 11.30 Uhr. Der zweite Kaffee wird gekocht, die Zeitung liegt auf dem Tisch. Zum Lesen komme ich aber nicht, weil ich seit zwei Stunden in ein Gespräch mit meiner Mitbewohnerin verwickelt bin. Ein klassischer Tagesstart einer Studentin. Es stehen etliche Dinge auf meiner To-Do-Liste. Unter anderem: eine Masterarbeit schreiben. Aber die muss ich  nicht morgen abgeben. Deswegen kann ich jetzt auch noch einen Kaffee trinken.

Diese zeitliche Freiheit ist fatal. Sie gaukelt mir vor, mich entspannen zu können und überrascht mich dann zwei Tage vor Klausur- oder Abgabeterminen mit Panik und Versagensängsten. Und dennoch ist diese Freiheit das Beste am ganzen Studium und ein durchweg unterschätztes Privileg. Erst als ich die Erfahrung eines 40-Stunden-Jobs gemacht habe, wurde mir das richtig bewusst. Natürlich muss ich mich in meinem Studium selbst motivieren und strukturieren. Außerdem bin ich finanziell eingeschränkt oder muss eben in meinen Stundenplan noch einen Job unterbringen. Das ist anstrengend. Und manchmal auch überfordernd, weil ich den Druck verspüre, alles perfekt und so schnell wie möglich zu schaffen.

Studieren ist ein Privileg

Aber sobald das Studium beendet ist, wird es diese Mittwochvormittage nicht mehr so einfach geben. Dann muss ich mir zwar nicht mehr selbst überlegen, wann ich was mache und ich werde ein geregeltes Einkommen haben. Aber ich werde viel weniger Gelegenheiten haben, in den Tag hinein zu leben und darüber zu sinnieren, was ich vom Leben so will. Seitdem ich die Erfahrung gemacht habe, wie ressourcenzehrend ein 40-Stunden-Job sein kann, genieße ich die Vorzüge umso mehr. Wenn ich mich morgens darüber ärgere, dass ich heute einen Vortrag zu einem nicht so spannenden Thema machen muss, mache ich mir bewusst, dass Studieren ein Privileg ist. Ich muss nicht jeden Tag immer zur selben Zeit im selben Büro sein. Wenn ich eine Vorlesung verpasse, ist das vielleicht ein Nachteil für meine Klausurvorbereitung. Aber davon sind keine anderen Menschen betroffen. Ich bin nur für mich selbst verantwortlich.

Vor allem ist der Wissenserwerb an sich ein Privileg. Das ist weder in allen Ländern der Welt selbstverständlich, noch für alle Menschen in Deutschland. Ich darf mich nicht nur weiterbilden, ich habe auch Gelegenheit mich auszuprobieren. Es gibt keine bessere Zeit als das Studium, um alles mitzunehmen. Gerade in Landau gibt es so viele Möglichkeiten auch Erfahrungen zu sammeln, die nichts mit dem Studienverlaufsplan zu tun haben. Eine neue Sportart ausprobieren, sich politisch zu engagieren, Vorlesungen anderer Studiengänge besuchen, in einem Nebenjob praktische Fähigkeiten testen. All das geht während des Studiums. Dazu muss ich mich zwar ein bisschen besser organisieren und kann nicht jeden Tag bis elf Uhr frühstücken. Aber das nehme ich gerne in Kauf.

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