Studis & ihre Nebenjobs
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Systemrelevant im Supermarkt

Pia Niekerken ist froh, einen krisenfesten Job zu haben. Foto: Olivia Schwarz

Pia Niekerken ist froh, einen krisenfesten Job zu haben. Foto: Olivia Schwarz

Zwei- bis dreimal pro Woche sorgt Pia Niekerken mit ihren Kolleg:innen dafür, dass während der weltweiten Pandemie die Menschen in Koblenz mit Lebensmitteln versorgt sind. Wie es ist, während der Corona-Krise im Einzelhandel zu arbeiten und zu welchen Veränderungen die Situation in ihrem Arbeitsalltag geführt hat, verrät die 22-jährige Gymnasiallehramtsstudentin im Interview.

Mehr Beispiele zum Geldverdienen neben dem Studium gibt’s in unserer Serie Studis und ihre Nebenjobs.

Seit eineinhalb Jahren arbeitet Pia Niekerken neben ihrem Lehramtsstudium auf Geschichte und Englisch in einem Supermarkt. Dort ist sie dafür zuständig, die gelieferte Ware in die entsprechenden Regale einzuräumen, diese ordentlich zu halten und den Einkaufenden den Weg zu gesuchten Produkten zu zeigen. Meistens startet Niekerkens Arbeitstag gegen 16 Uhr. Dank Gleitzeit kann sie ihren Job gut mit dem Studium kombinieren. Falls mal ein Seminar am späten Nachmittag stattfindet, ist es auch möglich, später zu beginnen. Wie lange Niekerken im Supermarkt bleiben muss, hängt von der Menge der Ware ab, die geliefert wird. Ihre Arbeitszeit ist also nie sicher zu planen. Meistens ist aber zwischen 21 und 22 Uhr Feierabend.

Was die Studentin besonders an ihrem Job mag? “Dass man nie alleine arbeiten muss”, sagt sie. Man sei immer von Kolleg:innen umgeben. “Alle helfen sich gegenseitig und zwischendurch kann man sich auch mal ein wenig unterhalten. So wird es nie langweilig”, erzählt sie. Zudem sei das Einräumen von Regalen kognitiv nicht besonders anspruchsvoll: “So kann es nach einem langen Unitag entspannend sein, während der Arbeit nicht angestrengt nachdenken zu müssen.”

Der Job sei dafür aber körperlich kräftezehrend. Denn Niekerken muss immer wieder schwere Kartons in die Regale heben und läuft so in den sechs Stunden gut und gerne den ein oder anderen Kilometer. Zudem kann es vorkommen, dass Mitarbeitende krank werden. Dann muss auch mal an einem zusätzlichen Tag gearbeitet werden. “Normalerweise arbeite ich mittwochs und freitags. Wenn am Montag jemand krank wird, kann es passieren, dass ich einspringen muss. Das kann ziemlich anstrengend sein.” Vor allem so kurz vor Weihnachten wird häufig viel Ware geliefert, sodass Niekerken erst nach Ladenschluss nach Hause fahren kann.

Enge Gänge, viele Menschen

Die aktuelle Situation erschwert die Arbeit im Supermarkt. Trotz Maskenpflicht trifft man auf verhältnismäßig viele Menschen und ist somit einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Gerade in der Vorweihnachtszeit, als besonders viele einkaufen gingen, war es in den engen Gängen schwierig, den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. “Da musste man hin und wieder warten, bis Einkaufende weitergezogen waren, damit man ihnen nicht zu nahe kam.” Trotzdem fühlt sich Niekerken bei ihrer Arbeit nicht unsicher: “Tatsächlich hat sich noch niemand bei uns infiziert. Es hilft, dass die Menschen versuchen, Rücksicht aufeinander zu nehmen.”

Doch bei aller Anstrengung, die der Job mit sich bringt, ist die Niekerken froh, im Einzelhandel zu arbeiten. “Die Corona-Krise hat mir gezeigt, wie wichtig diese Arbeit ist”, sagt sie. Krisensicherer könne man fast nicht arbeiten, selbst bei einem kompletten Lockdown inklusive Ausgangssperren könnte sie weiterhin Geld verdienen. Sie erinnert sich: “Vor dem ersten Lockdown im Frühjahr haben wir sogar ein Formular von unserem Arbeitgeber bekommen, in dem stand, dass wir einen systemrelevanten Job ausüben, damit uns im schlimmsten Falle immer die Fahrt zur Arbeit erlaubt bleibt.” So können Studierende während einer Pandemie gleichzeitig einen Beitrag zur Versorgungslage leisten und ihren Unterhalt sichern.

Olivia Schwarz

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