Kolumne
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Studieren mit anderen Augen

Heute schreibt Campus-Reporterin Emily Nolden. Foto: Toa Heftiba/Unsplash

Heute schreibt Campus-Reporterin Emily Nolden. Foto: Toa Heftiba/Unsplash

7,9 Semester verbringen wir durchschnittlich an unserer Hochschule, bis wir den ersten Berufseinstieg wagen. Das ist eine Menge Zeit auf engstem Raum mit Kommilitonen, Mitbewohnern und Professoren. Aus diesen Jahren kann man jedoch weitaus mehr mitnehmen, als die meisten denken.

Mit genervtem Blick und eiligen Schritten eilt der Studierende aus dem Hörsaal. Es ist bereits dunkel, der Magen knurrt und der Professor brauchte eine gefühlte Ewigkeit für seinen letzten trivialen Satz. Nur schnell nach Hause auf die Couch und abschalten. Doch dann: Der Klang eines Klaviers, der Gesang eines Chors, lautes Diskutieren im Gang, ein Pärchen in Trainingsanzug und eine Reporterin, begeistert vom künstlerischen Talent ihres Interviewpartners. Diese und ähnliche Szenen kann jeder beobachten, der am Abend nicht den schnellsten Fluchtweg sucht, sondern mit offenen Augenüber den Campus geht. Doch was zeichnet die angeblich schönste Zeit unseres Lebens, die Studienzeit, aus, und wie kann man sie in vollen Zügen genießen?

Wir starten unser erstes Semester und werden gleich mit Angeboten überhäuft. Kneipentour, Unirallye, Ranger aus dem höheren Semester, Winteruni, Hochschulsport und ein riesiges Kursangebot. Welcher Neuling behält da schon den Durchblick? Ich war froh, dass mein erster Stundenplan so aussah wie der meiner Nachbarin. Ich traute mich kaum etwas zu sagen, spannende Diskussionen waren undenkbar und eine Meinung zu den Fachinhalten hatte auch kaum jemand. Abgesehen von den nötigsten Studieninhalten, interessierte sich niemand für weitere Angebote.

Mit der Zeit kommt auch die Experimentierfreude

Bereits im zweiten Semester haben sich die Interessen von mir und vielen meiner Kommilitonen jedoch geändert. Plötzlich steht bei der Nachbarin Norwegisch im Stundenplan und der Junge mit der schrägen Frisur erzählt mir von seiner neuen App-Idee. Die Motivation verändert sich. Auch ich wollte das Unileben kennen lernen und begann, als Reporterin beim Uniblog zu schreiben. Durch den Kontakt mit den vielen Studierenden wurde mir bewusst, wie viel Interesse, Lernbereitschaft und Engagement in der Universität zu finden ist. Studierende programmieren, gründen eine Band, fotografieren, werden DJ, leihen Bücher oder lernen Russisch.

Auf einmal ergeben sich neue Perspektiven. Je älter wir werden, desto mehr entfaltet sich eine Leidenschaft zum Lernen und Experimentieren. Erst vergangene Woche entdeckte ich die Musikräume am Campus und setzte mich gleich ans Klavier. In meinem ersten Semester wäre das undenkbar gewesen. Was ich sagen möchte, ist: Geht man mit offenen Augen durch die Universität, entdeckt man, dass es noch Spannenderes als Netflix gibt.

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