Uni-Menschen
Schreibe einen Kommentar

Spinnen zum Anfassen

Brunhilde ist nur eine der vielen Vogelspinnen, die Zoologin Dr. Katrin Friedemann in ihrem Büro auf dem Campus Koblenz hält. In Lehrveranstaltungen sind Studierende eingeladen, das imposante Tier auf die Hand zu nehmen. Fotos: Sarah-Maria Scheid

Brunhilde ist nur eine der vielen Vogelspinnen, die Zoologin Dr. Katrin Friedemann in ihrem Büro auf dem Campus Koblenz hält. In Lehrveranstaltungen sind Studierende eingeladen, das imposante Tier auf die Hand zu nehmen. Fotos: Sarah-Maria Scheid

Es krabbelt und wuselt in jeder ihrer Lehrveranstaltungen: Dr. Katrin Friedemann, Lehrkraft für besondere Aufgaben (LfbA) in der Zoologie, arbeitet seit 2016 am Campus Koblenz. An der Friedrich-Schiller-Universität in Jena hat sie Biologie mit Schwerpunkt Zoologie, Ökologie und evolutionäre Anthropologie studiert.

Welche Aufgaben haben Sie an der Universität?

Ich übernehme in meinem Arbeitsbereich hauptsächlich die Grundlehre, also Bestimmungskurse, Sezierkurse für Tiere für die Lehramtsstudierenden und Exkursionen. Dazu kommen Chemiekurse für mittlerweile alle Studiengänge, die biologische Anteile enthalten, Wahlpflichtkurse und auch mehrtägige Exkursionen.

 Foto: ColourboxIn unserer Serie Uni-Menschen stellen wir euch interessante Persönlichkeiten vor, die an der Universität Koblenz-Landau studieren und arbeiten.

Zuvor waren sie nicht an einer Uni tätig.

Ja, vor dem Job an der Uni in Koblenz habe ich zwei Jahre im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt gearbeitet. Allerdings war es nur eine befristete Stelle. Ich hätte mir gut vorstellen können, dort dauerhaft als Kuratorin zu arbeiten, Ausstellungstexte zu schreiben und Ausstellungen zu konzipieren. Dann habe ich 2016 die Stellenausschreibung in der Zoologie gesehen und mich hier beworben. Ich bin absolut zufrieden mit der Arbeit am Campus und kann mir nichts anderes mehr vorstellen.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit in Koblenz?

Ich habe hier viel Freiraum. Die Kolleg:innen sind nett. Außerdem ist es toll, dass alles an einem Campus stattfindet. Das ist nicht selbstverständlich. Die Laufwege sind kurz. Es gibt flache Hierarchien und der kleine Fachbereich hat seine Vorteile in der Kommunikation. An der Lehre machen mir die Wahlpflichtfächer am meisten Spaß. Da bin ich in der Gestaltung der Lehre und der Themen frei. “Insekten als Nutztiere” und “Forensische Entomologie” biete ich in der Regel jedes Sommersemester an.

In Ihrem Büro wimmelt es von Vogelspinnen und in den zoologischen Bestimmungsübungen darf man eines Ihrer Tiere auf die Hand nehmen. Wie kommt das bei den Studierenden an?

Sehr gut. Es ist ganz selten, dass mal jemand dabei ist, der gar nicht zu dem Kurs kommt. Die meisten Studierenden schauen sich meine Vogelspinne Brunhilde wenigstens mal an. Es freut mich, wenn Sie ihre Angst überwinden. Die Spinnen sind in meinem Büro am Campus recht einfach zu halten.

Was fasziniert Sie an Insekten?

Ich finde sie einfach super (lacht). Säugetiere gibt es – im Vergleich zu Insekten – gar nicht so viele. Bei Insekten ist viel noch nicht erforscht, man kann immer etwas Neues entdecken. Nach der Schule wollte ich mich auf Mikrobiologie spezialisieren, denn da bekommt man in der Regel leicht eine Stelle. Doch während meines Biologiestudiums habe ich gemerkt, dass die Mikrobiologie doch nichts für mich ist. Denn es war nicht mein Fall, den ganzen Tag im Laborkittel im Labor zu stehen.

Sie haben sich viel mit der Morphologie von Insekten, also der Lehre ihrer Gestalt befasst, besonders mit Phyllium phillipinicum, wandelnden Blättern. 

Das war Teil meiner Diplomarbeit. Dabei habe ich die Kopfmuskulatur untersucht. Wir haben CT-Aufnahmen gemacht und jeden einzelnen Muskel identifiziert. Die Muskulatur haben wir mit anderen Tieren verglichen und Stammbäume anhand der Morphologie der Mundwerkzeuge erstellt.

Wir haben auch Zikaden und Wanzen untersucht. Die Forschung war breit angelegt. Die viele Insektenforscher:innen, haben sich auf eine spezielle Gattung fokussiert. Ich arbeite mit mehreren Artengruppen.

Außerdem haben Sie sich mit den Haftorganen von Fliegen befasst. Warum können Fliegen an nahezu allen Oberflächen haften?

Fliegen haben Tausende kleine Hafthaare an den Füßen. Sie wirken wie kleine Saugnäpfe und haften mithilfe von sogenannten Van-der-Waals-Wechselwirkungen an den Oberflächen. So können sie problemlos an einer Glasscheibe laufen. Zusätzlich haben sie eine Haftflüssigkeit, die noch nicht gut untersucht ist. Man weiß nicht genau, aus welchen Stoffen sie besteht, da es sich um sehr geringe Mengen handelt, die die Fliege ausscheidet.

An welchen Themen forschen Sie aktuell?

In den letzten Jahren war ich mit der Lehre am Campus Koblenz komplett eingebunden, sodass nur wenig Zeit für Forschung blieb. Aktuell vergebe ich aber Abschlussarbeiten zum Thema Nisthilfen. Falls jemand Lust hat, seine Abschlussarbeit in Richtung Nisthilfen zu schreiben, darf er oder sie sich gerne bei mir melden!

Wir untersuchen gerade, ob Stroh und Tannenzapfen für Insekten und Nisthäuser geeignet sind. Meiner Meinung nach nicht, aber es gibt tatsächlich bisher noch keine Publikation dazu. Gerade analysieren zwei Bachelorstudierende diese Stoffe. Eine Haselmaus hat sich in einem Kasten eingenistet, aber noch kein Insekt.

Wir haben einen lockeren Zusammenschluss von Mitarbeitenden aus verschiedenen Fachbereichen, die sich für Nachhaltigkeit am Campus einsetzen. Der Nistkasten direkt am Eingang der Universität ist aus diesem Zusammenschluss entstanden. Ansonsten wollten wir die aktuellen Schotterflächen renovieren und insektenfreundliche Pflanzen einpflanzen.

Ein Nistkasten auf dem Campus der Universität in Koblenz bietet Insekten Unterschlupf. An seiner Errichtung waren Mitarbeitende verschiedener Fachbereiche beteiligt.

Ein Nistkasten auf dem Campus der Universität in Koblenz bietet Insekten Unterschlupf. An seiner Errichtung waren Mitarbeitende verschiedener Fachbereiche beteiligt.

Corona hat in der Lehre einiges verändert, was würden Sie beibehalten?

Fast alles in der Biologie haben wir praktisch umsetzen können – zwar mit mehr Kurswiederholungen und in kleineren Gruppen, aber wenigstens war es umsetzbar. Man hat richtig gemerkt, dass sich die Studierenden sehr gefreut haben, ihre Kommilitonen mal kennenzulernen. Präsenzveranstaltungen sind für die Praxis sehr wichtig. Die Online-Formate haben bisher aber sehr gut für Seminare funktioniert. Die soziale Interaktion hat dennoch gefehlt.

Was machen Sie neben dem stressigen Alltag an der Uni?

Ich habe nur extrem gefährliche Hobbys (lacht). So etwas wie Stricken und Lesen. Ansonsten gehe ich gerne wandern. Wobei meine bessere Hälfte sagt, es sei kein Wandern: 20 Meter laufen, fünf Minuten Fotos machen, wieder 20 Meter laufen. Man entdeckt immer eine neue Pflanze oder ein Tier, das man noch nicht kennt. Neben den Vogelspinnen habe ich zu Hause eine Kornnatter und zwei Katzen, um die ich mich gerne kümmere

Interview: Sarah-Maria Scheid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.